BHR Biographisches Portal der Rabbiner

ENOCH, Samuel David, Dr.

  • Geb. 8. Okt. 1814 in Hamburg,
  • Gest. 30. Dez. 1876 in Fulda
  • Sohn des Joseph E., achtjährig von seiner Mutter verwaist, die ihn vor ihrem Tode zu den Studien bestimmt. Fünf Jahre lang Besuch des Johanneum und Schüler von Isaak Bernays in den jüdischen Fächern, 22. Apr. 1830 imm. als cand. phil. in Würzburg für vier Semester und parallele Studien an der Jeschiwa von Oberrb. Abr. Bing. Rückkehr nach Hamburg, 10. Aug. 1835 prom. Erlangen, weitere Studien bei den Rb. Löb Bodenheimer in Hildesheim und Philipp Romann in Kassel, Bewerber in Schmalkalden, Kurhessen (1838). Leiter der am 1. Jan. 1839 eröffneten Talmud-Tora-Schule in Altona, gründete daneben auch eine private isr. „Bürgerschule“. Bewerber in Mecklenburg-Schwerin (1852). 1855 Provinzialrb. in Fulda. Im Kompert-Prozeß 1864 unterzeichnet er auf Seiten der ungar. Trennungsorthodoxie.

Dissertation

  • Prolegomena ad philosophiae historiam, Diss. Erlangen 1835.

Dokumente

  • CAHJP Jerusalem D/Wu1/2, Bd. II, S. 262, vom 5. Nov. 1835 Bings „Abgangszeugnis für den isr. Theologie-Candidaten Sam. Joseph Enoch aus Hamburg“
  • UA Erlangen, C4/3b, Nr. 267, Promotionsakten und Vita. Er sei am 16. Okt. 1813 geboren: „Qui dies Germaniam, et totam fere Europam ab ignominia servitutis vindicavit, quo Germanicae gentes sanguine suo libertatis victoriam emerant, is me in lucem edi passus est“. Über seine Ausbildungsweise schreibt er, „studia perfui divisa inter theologiam hebraicam et philosophiam“
  • StA Marburg, 100/7624, mit Bewerbung in Schmalkalden vom 5. Apr. 1838, dabei Zeugnisabschriften und Doktorurkunde
  • LA Schleswig, Abt. 19, Nr. 421 „Gesuch des Directors und Oberlehrers Dr. Enoch aus Altona um Erlaubnis zur Errichtung eines Rabbiner-Seminars in Altona“, 1846
  • Ebd., Abt. 51, Nr. 108 Gesuch des Oberlehrers an der isr. Schule in Altona Dr. Enoch um Befreiung vom Bürgerwehrdienst, 1850-51
  • StA Marburg, 100/3725-3726 Anstellung in Fulda. Darin Gutachten vom 26. Febr. 1853 über „seine weit und breit bekannte strenge Religiosität, seine durch langjähriges Wirken als Schuldirector erprobte besondere Tüchtigkeit im Schulfache [...] seine ausgezeichneten talmudischen Kenntnisse und endlich seine vorzügliche weltliche Bildung, die sich in seinem äußeren Auftreten wie in seinen religiösen Predigten kundgibt“. Anstellungsreskript vom 11. Sept. 1855.

Publikationen

  • Rede gehalten bey der Eröffnung der isr. Volksschule, Altona 1839
  • Israels Bestimmung in Erkenntniß, That und Glauben, Predigt in Schwerin, Altona 1853
  • Das Gotteshaus. Rede, gehalten zur Feier der Einweihung der neuen Synagoge zu Fulda, 1859
  • Mit Oberrb. Jakob Ettlinger Hrsg. Der treue Zions-Wächter, Hamburg, seit 1845
  • „Gutachten über die religionsgesetzliche Wirkung der Mischehe“, AZJ 1862, S. 105f
  • Mitbegründer der Jüdischen Presse, 1870.

Literatur

  • AZJ 1852, S. 558f, Bewerbung in Meckl.-Schwerin
  • AZJ 1858, S. 48, Frage der Verwendung alter Militärsäbel zum Zwecke des Schächtens
  • AZJ 1858, S. 358, Ablehnung eines Rufes nach Meckl.-Schwerin
  • AZJ 1859, S. 385, Spende für Philippsons Bibelanstalt
  • AZJ 1859, S. 375, erteilt talm. Vorbereitungsunterricht
  • AZJ 1859, S. 669f, sein Gesuch an die Regierung, „den Juden die Musik- und Tanzbelustigungen an Sabbath- und Festtagen zu untersagen“
  • AZJ 1867, S. 938; seine persönliche Überwachung des Tanzverbots führt zu ärgerlichen Szenen in Fuldaer Ballsälen
  • ADB VI 152
  • Zeitlin, Bibliotheca, S. 78
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 866, 869
  • JE V 183
  • Duckesz, H. achme ’AHU, Nr. 122, hebr. S. 126f, dt. S. 44
  • Wininger II 178
  • EJ dt. VI 672
  • Eliav, H. innuch, S. 234f; dt. Übs. S. 301
  • Arnsberg, Hessen, Bd. I, S. 226
  • Über seine Antrittspredigt vom 7. Juni 1859 [?] siehe Naftali Herbert Sonn und Otto Berge, Schicksalswege der Juden in Fulda und Umgebung, Fulda 1984, S. 85f
  • Liberles, Orthodox Judaism in Frankfurt, S. 74, 78, 197, 204
  • Miriam Gillis-Carlebach, „Aus der Vorgeschichte der Hochdeutschen-Israelitischen Gemeindeschule zu Altona“, in: P. Freimark (Hrsg.), Juden in Deutschland, Hamburg 1991, S. 27-35
  • Schimpf, Hessen, S. 126
  • DBE III 128
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 405, 419, 462, 528, 661-663.