Sohn des Joseph E., achtjährig von seiner Mutter verwaist, die ihn vor ihrem Tode zu den Studien bestimmt. Fünf Jahre lang Besuch des Johanneum und Schüler von Isaak Bernays in den jüdischen Fächern, 22. Apr. 1830 imm. als cand. phil. in Würzburg für vier Semester und parallele Studien an der Jeschiwa von Oberrb. Abr. Bing. Rückkehr nach Hamburg, 10. Aug. 1835 prom. Erlangen, weitere Studien bei den Rb. Löb Bodenheimer in Hildesheim und Philipp Romann in Kassel, Bewerber in Schmalkalden, Kurhessen (1838). Leiter der am 1. Jan. 1839 eröffneten Talmud-Tora-Schule in Altona, gründete daneben auch eine private isr. „Bürgerschule“. Bewerber in Mecklenburg-Schwerin (1852). 1855 Provinzialrb. in Fulda. Im Kompert-Prozeß 1864 unterzeichnet er auf Seiten der ungar. Trennungsorthodoxie.
Dissertation
Prolegomena ad philosophiae historiam, Diss. Erlangen 1835.
Dokumente
CAHJP Jerusalem D/Wu1/2, Bd. II, S. 262, vom 5. Nov. 1835 Bings „Abgangszeugnis für den isr. Theologie-Candidaten Sam. Joseph Enoch aus Hamburg“
UA Erlangen, C4/3b, Nr. 267, Promotionsakten und Vita. Er sei am 16. Okt. 1813 geboren: „Qui dies Germaniam, et totam fere Europam ab ignominia servitutis vindicavit, quo Germanicae gentes sanguine suo libertatis victoriam emerant, is me in lucem edi passus est“. Über seine Ausbildungsweise schreibt er, „studia perfui divisa inter theologiam hebraicam et philosophiam“
StA Marburg, 100/7624, mit Bewerbung in Schmalkalden vom 5. Apr. 1838, dabei Zeugnisabschriften und Doktorurkunde
LA Schleswig, Abt. 19, Nr. 421 „Gesuch des Directors und Oberlehrers Dr. Enoch aus Altona um Erlaubnis zur Errichtung eines Rabbiner-Seminars in Altona“, 1846
Ebd., Abt. 51, Nr. 108 Gesuch des Oberlehrers an der isr. Schule in Altona Dr. Enoch um Befreiung vom Bürgerwehrdienst, 1850-51
StA Marburg, 100/3725-3726 Anstellung in Fulda. Darin Gutachten vom 26. Febr. 1853 über „seine weit und breit bekannte strenge Religiosität, seine durch langjähriges Wirken als Schuldirector erprobte besondere Tüchtigkeit im Schulfache [...] seine ausgezeichneten talmudischen Kenntnisse und endlich seine vorzügliche weltliche Bildung, die sich in seinem äußeren Auftreten wie in seinen religiösen Predigten kundgibt“. Anstellungsreskript vom 11. Sept. 1855.
Publikationen
Rede gehalten bey der Eröffnung der isr. Volksschule, Altona 1839
Israels Bestimmung in Erkenntniß, That und Glauben, Predigt in Schwerin, Altona 1853
Das Gotteshaus. Rede, gehalten zur Feier der Einweihung der neuen Synagoge zu Fulda, 1859
Mit Oberrb. Jakob Ettlinger Hrsg. Der treue Zions-Wächter, Hamburg, seit 1845
„Gutachten über die religionsgesetzliche Wirkung der Mischehe“, AZJ 1862, S. 105f
Mitbegründer der Jüdischen Presse, 1870.
Literatur
AZJ 1852, S. 558f, Bewerbung in Meckl.-Schwerin
AZJ 1858, S. 48, Frage der Verwendung alter Militärsäbel zum Zwecke des Schächtens
AZJ 1858, S. 358, Ablehnung eines Rufes nach Meckl.-Schwerin
AZJ 1859, S. 385, Spende für Philippsons Bibelanstalt
AZJ 1859, S. 375, erteilt talm. Vorbereitungsunterricht
AZJ 1859, S. 669f, sein Gesuch an die Regierung, „den Juden die Musik- und Tanzbelustigungen an Sabbath- und Festtagen zu untersagen“
AZJ 1867, S. 938; seine persönliche Überwachung des Tanzverbots führt zu ärgerlichen Szenen in Fuldaer Ballsälen
ADB VI 152
Zeitlin, Bibliotheca, S. 78
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 866, 869
JE V 183
Duckesz, H. achme ’AHU, Nr. 122, hebr. S. 126f, dt. S. 44
Wininger II 178
EJ dt. VI 672
Eliav, H. innuch, S. 234f; dt. Übs. S. 301
Arnsberg, Hessen, Bd. I, S. 226
Über seine Antrittspredigt vom 7. Juni 1859 [?] siehe Naftali Herbert Sonn und Otto Berge, Schicksalswege der Juden in Fulda und Umgebung, Fulda 1984, S. 85f
Liberles, Orthodox Judaism in Frankfurt, S. 74, 78, 197, 204
Miriam Gillis-Carlebach, „Aus der Vorgeschichte der Hochdeutschen-Israelitischen Gemeindeschule zu Altona“, in: P. Freimark (Hrsg.), Juden in Deutschland, Hamburg 1991, S. 27-35
Schimpf, Hessen, S. 126
DBE III 128
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 405, 419, 462, 528, 661-663.