Sohn des Mannheimer Dajan Mayer Talmässingen gen. Fürst
von einem Stiefvater aufgezogen, rb. Studien in Mannheim, Religionslehrer daselbst. 16. Aug. 1817 Aufnahme als Mannheimer „Bürger und Handelsmann“, 12. Nov. 1817 Heirat mit Therese-Gresel Traub (1790-1847), einer Tochter des Mannheimer Dajan Mayer T. Vermöge der Unterstützung durch seine berufstätige Frau und durch ein Stipendium des Oberrats der Israeliten Badens studieren er und sein Schwager Hirsch Traub 1822-24 an der Univ. Würzburg bei Wagner, Metz, Fröhlich und Fischer, zugleich an der Jeschiwa von Oberrb. Abr. Bing
Ende 1824 legen sie die Staatsprüfung ab. 6. April 1825 gemeinsam mit Traub Vorsitzender der Niederrheinischen Provinzsynagoge und Rabbinatsverweser in Heidelberg, bleibt aber bis zum 7. Juli 1827 in Mannheim ansässig. Nach Auflösung der Provinzsynagoge Festanstellung am 21. Aug. 1827 als Bezirksrb. in Heidelberg, wo er auch Talmudunterricht für Rabbinatskandidaten erteilt. 15. Juni 1840 Bewerbung zur Promotion in Heidelberg
was anscheinend an Gebührenfragen scheitert. 1842 Mitglied der Religions- und Schulkonferenz des Großherzoglich Badischen Oberrats der Israeliten. Unterzeichnet 1844 gegen die Rb.-Versammlung, aber veranlaßt seinerseits 1845 die badische Rb.-Versammlung. Anhänger der konservativen „Theologen-Versammlung“ (1846) Z. Frankels. Schlägt 1846 Ruf nach Mainz aus. 1854 Kultusreform mit Harmonium (Rosenthal, S. 356f). Von seinen vier Söhnen wurden drei Rechtsanwälte und einer Rb.
seine Tochter heiratete den Mainzer Rb. E. B. Cahn.
Dissertation
De uno numine prius culto, tandem vero inquinato et apud Hebraeorum stirpem tantum conservato; Promotionsverfahren nicht abgeschlossen; siehe UA Heidelberg H-IV-102/36, fol. 123f.
Dokumente
StadtA Mannheim 12/1982 Nr. 83 Familienbogen Fürst
CJA Berlin, 1, 75 A Ka 1 Nr. 19 „das unbefugte Predigen des stud. theol. Salomon Friedlaender in der Synagoge zu Heidelberg betr.“, 5. Sept. 1844 .
Publikationen
„Ueber die Zweckmäßigkeit der Errichtung von Schulconventen unter den Israeliten“, IA 1839, S. 358, 365, 373f
Lob an Oberrat Naftali Epstein, IA 1841, S. 40
„Betreffend Änderungen mancher Gebete“, IA 1841, S. 164f, 172f (darauf Entgegnung IA 1841, S. 246)
Mitarbeiter der Zschr. Der Orient (1841-50)
Beitrag zu den Rabbinischen Gutachten gegen den Frankfurter Reformverein, 1844
Petition wegen Abschaffung des Judeneides, AZJ 1845, S. 33-36
Hebr. Gutachten gegen die Rb.-Vers. in Torath ha-Qena’uth, Amsterdam 1845, Nr. XIII, Bl. 13v, gez. „Salman ben Meier Thalmessingen, gen. Salomon Fürst, Heidelberg“
Verteidigung des Protests der Orthodoxen gegen die Rb.-Vers., AZJ 1845, S. 315.
Epigraphik
Grabsteine für ihn und seine Frau Kressel in Heidelberg; Szklanowski, Friedhof am Klingenteich, S. 82, 121; mit Titel ’A. B. D. weR. M. (Rb. und Jeschiwaleiter), Todesdatum 12. April 1870.
Literatur
Subskribent der Fürther Talmudausgabe 1832
IA 1839, S. 310, beim Fürstengeburtstag
AZJ 1845, S. 83f, Polemik mit Sal. Friedländer über seine Haltung zu liberalen jüd. Theologiestudenten
AZJ 1845, S. 395, L. Schott über die von ihm einberufene badische Rabbinerversammlung, die von konservativeren Kollegen hintertrieben werde
Orient 1846, S. 31, ein Verein in Leimen will ihn alle vier Wochen zu Vorträgen über Toraabschnitte berufen
Kayserling, Jüdische Kanzelredner I 368-375; er „huldigt dem gemäßigten Fortschritte auf dem Boden des positiven Judentums“ (I 369)
Nachruf in AZJ 1870, S. 354f, 427f.; Geburtsjahr hier mit 1792, Heiratsjahr mit 1816 angegeben
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 804, mit Geburtsdatum 14. Februar 1792 in Mannheim
Rosenthal, Heimatgeschichte, S. 356-358
Hundsnurscher und Taddey, S. 125, klassifizieren ihn als Reformer
PK Baden-Württemberg, S. 311
Lowenstein, „The 1840s“, S. 280
Blum (Hrsg.), Heidelberg, S. 201-203, 239
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 312, 423, 432f, 616.