Sohn des Frankfurter Kantors Michel Lazarus G. und seiner zweiten Frau Röschen Wallau, mütterlicherseits Enkel des Dajan und Kabbalisten Leser W., Cheder-Erziehung, zwei Jahre Jeschiwa in Frankfurt mit profanem Privatunterricht, 2. Mai 1829 imm. Heidelberg (orientalische Philologie), 31. Okt. 1830 imm. Bonn, 1832 prom. Marburg und Bewerber in Hanau, 1832 Rb. in Wiesbaden
seine seit 1835 erscheinende Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie macht ihn früh zum bekanntesten Reformrb. Wegen seiner geringen Besoldung (400 fl. plus 120 fl. für Wohnung) Bewerbungen in Kassel (1836) und um eine Stelle als Unterrb. in Frankfurt. 21. Juni 1838 Probepredigt in Breslau und unverzügliche Wahl zum „Rabbinatsassessor und zweiten Rabbiner“
die mit 56 : 1 Stimmen angenommene Berufung folgt dem Betreiben des Philologen Wilhelm Freund (1806-1894). Erst nach läng. Aufenthalt in Berlin wird G. von den preuß. Behörden eingebürgert, 1840 ins Amt gesetzt. Von Rb. Sal. Trier in Frankfurt am 1. Juli 1840 getraut mit seiner langjährigen Verlobten Emilie Oppenheim (geb. 7. Dez. 1809 in Bonn, gest. 6. Dez. 1860 in Berlin), Tochter des Kaufmanns Seligmann O. Verteidigt das Hamburger Gebetbuch von 1841. Der Konflikt seiner Anhänger mit den Orthodoxen um Rb. Salman Tiktin eskaliert am 3. Apr. 1842 bis zu Handgreiflichkeiten auf dem Breslauer Friedhof. Seine lebenslange Auseinandersetzung mit der Orthodoxie ist in G.s Sicht „der Kampf der Unwissenheit mit der wissenschaftlichen Bildung, der Kampf des toten Gewohnheitsschlendrians, zu dessen Heiligung der Name der Religion mißbraucht wird, mit den erwachten wahrhaft religiösen Anforderungen“ (4. Aug. 1842, bei Ludw. Geiger, Geiger, S. 81). Nach Tiktins Tod wird G. 1844 erster Rb. in Breslau. Teilnehmer der 1.-3. Rb.-Versammlung, Mitglied der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (ZDMG 1848, S. 509, Nr. 222
1857, S. 359, Nr. 465)
sein Gesuch um einen Lehrstuhl für jüd. Lit. an der Phil. Fak. in Breslau wird von dieser am 25. Feb. 1850 abgelehnt. 9. Aug. 1863 Rb. in Frankfurt/M.
Teilnehmer der Kasseler Rb.-Versammlung
7. Febr. 1870 Rb. an der Neuen Synagoge in Berlin. Die 1836 erstmals von ihm verfochtene Gründung einer wissenschaftlichen Lehrstätte für jüdische Theologie verwirklichte er mit der Eröffnung der „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums“ am 6. Mai 1872.
Dissertation
Preisschrift Inquiratur in fontes Alcorani seu legis Mohammedicae eas qui ex Judaismo derivandi sunt; erschienen deutsch als Was hat Mohammed aus dem Judenthume aufgenommen?, Fft./M. 1833 mit dem Untertitel: „Eine von der Kgl. Preuß. Rheinuniversität gekrönte Preisschrift“; Nachdrucke Leipzig 1902, 1971; engl. Übs. F. M. Young, Judaism and Islam, Madras 1898; neu hrsg. Moshe Pearlman, New York 1970.- Fleischer, „Ueber das Arabische in Dr. Geigers Preisschrift“, LdO 1841, S. 49-53, 65-71, 97-103, 132-137, 168-173; beanstandet die „Hauptmängel des arabischen Theiles seiner Schrift“, wenn auch „Hr. Dr. Geiger schon damals so manche Klippen, an denen andere gescheitert waren, glücklich um- und durchschiffte“.
Dokumente
HStA Wiesbaden, 210/2767, Personalakte aus Wiesbaden, darin vom 23. März 1838 Petition zahlreicher nassauischer Juden gegen G.s Anstellung als Landesrb. des Herzogtums: „Es fehlen ihm durchaus diejenigen wissenschaftlichen und theologischen Kenntniße, welche nach unsern Religionsgebräuchen von einem wirklichen Rabbiner verlangt werden. Dazu reicht nicht hin, daß derselbe eine Predigt halten kann. Das bestehende Judenthum verlangt weit mehr von ihm - Geiger ist nie auf die vorgeschriebene, bisher überall zur Anwendung gekommene Weise als jüdischer Theologe und Rabbiner gehörig und förmlich geprüft worden“
¯IH Warschau, „Wrocław“ Nr. 126 Bewerbung und Anstellung in Breslau, 1834-1845, 223 Bl. [= CAHJP Jerusalem, Mic. HM2/6082]
CAHJP Jerusalem P42/2,1 Gotthold Salomon an Heymann Jolowicz, 1. Aug. 1848: „Der arme Geiger hat eine üble Stellung. Warum capricirt sich der Mann auch, Rabbiner zu sein! Ein Rabbiner mit seinen Ansichten ist in der That ein dreieckiger Kreis“
AU Wrocław, F 99, Bl. 2, 14, 15, über Lehrstuhlgesuch
StadtA Frankfurt/M., Senatssupplikationen 286/27, enthält das von 1833 bis 1840 dauernde Antragsverfahren zur Eheschließung mit einer Ausländerin, deren erneute Ausbürgerung 1846, die Einbürgerung der Kinder 1865, mit Abschriften der einschlägigen Standesakten
¯IH Warschau, „Wrocław“ Nr. 1176 (=mic. CAHJP Jerusalem HM 2/6194): Korrespondenz mit Marcus Brann, 1869.
Manuskripte
Zentralkartei der Autographen: Dt. Literaturarchiv Marburg, KN 1459, Brief an Justinus Kerner, 1. März 1839; Z 3214 Briefe von ihm und seiner Frau an Berthold Auerbach, 1836-1870; Cotta, 21. Nov. 1864, 15. Aug. 1871; UB Bonn, Brief an den Theologen L. Braunfels, 21. Feb. 1833; StuUB Göttingen Ewald 41,343 an H. Ewald, 1833; UB München, 4o cod. ms. 917, an den Theologen Jakob Frohschammer, 28. Juni 1871; BayStB München, E. Petzetiana, V, an Ferd. Cohn 24. Mai 1853, an den Red. der Vossischen Zeitung 8. Aug. 1870; UB Tübingen Md 782. A 78, 22 Briefe an Theodor Nöldeke, 1865-74
Das LBI New York (Kopie im CAHJP Jerusalem, Inv. 5169) besitzt die Abschriften einiger Gedichte Geigers, darunter die Zeugnisse seiner leidenschaftlichen Zuneigung zu Sal. Herxheimers in Braunschweig verheirateter Tochter Johanna Löwenstein (1836-1910), die er bei Sommerurlauben auf Norderney 1871 und 1872 traf („du Seelenbraut ... Die wach den neuen Lebenstrieb Im Innern rief“).
Publikationen
(Ausführliches Werkverzeichnis in Ludwig Geiger, A. G.: Leben und Lebenswerk, Berlin 1910) Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie, Bd. 1 (1835) enthält „Das Judenthum unsrer Zeit und die Bestrebungen in ihm“, S. 1-12; „Die wissenschaftliche Ausbildung des Judenthums in den zwei ersten Jahrhunderten des zweiten Jahrtausends bis zum Auftreten des Maimonides“, S. 13ff, 151ff, 307ff; „Der Kampf christlicher Theologen gegen die bürgerliche Gleichstellung der Juden“, S. 52ff, in folg. Bd. S. 78ff, 446ff.; „Der Mangel an Glaubensinnigkeit in der jetzigen Judenheit. Bedenken eines Laien“, S. 141ff
Bd. 2 (1836) enthält „Die Gründung einer jüdisch-theologischen Facultät, ein dringendes Bedürfniß unserer Zeit“, S. 1-21; „Karäische Literatur“, S. 93ff; „Neues Stadium des Kampfes in dem Judenthume unserer Zeit“, S. 209ff; „Gottesdienstliche Einrichtung des Maimonides“, S. 246ff; „Einiges über Plan und Anordnung der Mischnah“, S. 474ff; „Fragmente aus dem Tagebuche eines jüdischen Laien“, S. 493-498
Bd. 3 (1837) enthält „Die Stellung des weiblichen Geschlechtes in dem Judenthume unserer Zeit“, S. 1- 14; „Die Judenheit und das Judenthum. Bedenken eines Laien“, S. 161ff; „Die Rabbinerzusammenkunft. Sendschreiben“, S. 313ff
Über die Errichtung einer jüdisch-theologischen Facultät, Wiesbaden 1838
Gottesdienstlicher Vortrag, gehalten in der großen Synagoge zu Breslau, 1838
Die WZJT 4 (1839) enthält „Der Formglaube in seinem Unwerthe und in seinen Folgen“, S. 1ff; „Poesie, Prosa, Verlegenheit“, S. 161ff; „Die zwei verschiedenen Betrachtungsweisen: Der Schriftsteller und der Rabbiner“, S. 171ff
Die Aufnahme Israels in den Bürgerverband. Gottesdienstlicher Vortrag zur Erinnerung an das Königliche Edict vom 11. März 1812, Predigt, 1840
Hrsg. ’Iggäräth ha-Šemad von Maimonides, hebr./dt., Breslau 1840, 88 S
Melo’ H. åfnayim [Eccl 4,6] Melo Chofnajim. Anthologie von Texteditionen: Maimonides-Responsen, Michtav ’Ah. uz von Josef-Salomo Delmedigo, Gedichte u. a., mit dt. Einleitung „Biographie Josef Salomo del Medigos“, Berlin 1840, 240 S
Festvortrag am Geburts- und Huldigungstage Sr. Majestät des Königs Friedrich Wilhelm IV., 1840
Die letzten zwei Jahre. Sendschreiben an einen befreundeten Rabbiner, 1840
Der Hamburger Tempelstreit, eine Zeitfrage, 1842; auch in Nachgelassene Schriften, Bd. I, S. 113-196
Das Vaterland. Die würdige Vorbereitung zum Peßachfeste. Zwei Predigten, 1842
Rabbinisches Gutachten über die Militärpflichtigkeit der Juden, 1842
Ansprache an meine Gemeinde, 1842; auch in Nachgelassene Schriften, Bd. I, S. 52-112
Schreiben an die Rabbbinerversammlung, AZJ 1844, S. 337-339
Die WZJT 5 (1844) enthält „Die Aufgabe der Gegenwart“, S. 1-35; „Ist der Streit in der Synagoge ein Zeichen von ihrem Zerfall oder von ihrem neuerwachten Leben?“, S. 139-152; „Bruno Bauer und die Juden“, S. 199-234, 325-371
Lehr- und Lesebuch zur Sprache der Mischna, 1845
Vorläufiger Bericht über die Thätigkeit der dritten Versammlung deutscher Rabbiner, Breslau 1846
Die dritte Versammlung deutscher Rabbiner. Ein vorläufiges Wort zur Verständigung, 1846
Vor 9 Jahren und heute. Ein Wort aus jener Zeit zur Verständigung der Gegenwart, Breslau 1846
Anmerkungen zu der Textanthologie von Salman Heilberg, Nit. ‘e Na‘amanim, Breslau 1847
Hrsg. Qoves. Wikkuh. im, Anthologie jüdischer polemischer Literatur gegen das Christentum, Breslau 1847, 33 Bl
Entwurf zu Gebetbuch und Gottesdienstreform; AZJ 1849, S. 418-421, 436-440, 480-484
Moses ben Maimon. Studien, Breslau 1850
Divan des Castiliers Abu’l-Haßan Juda ha-Levi, nebst Biographie und Anmerkungen, Leipzig 1851; auch in Nachgelassene Schriften, Bd. III, S. 97-177
„Proben jüdischer Vertheidigung gegen christliche Angriffe“, Deutscher Volkskalender und Jahrbuch 1852, vom M. Breslauer, Breslau 1851
Isaak Troki. Ein Apologet des Judenthums am Ende des sechszehnten Jahrhunderts, Breslau 1853
Fest-Vortrag zur Feier der silbernen Hochzeit Ihrer Königl. Hoheiten des Prinzen und der Prinzessin von Preussen, Breslau 1854
Israelitisches Gebetbuch für den öffentlichen Gottesdienst im ganzen Jahre (hebr.dt.), Breslau 1854; Berlin 21870; Bearb. im Einverständnis mit der Gemeinde-Verwaltung in Frankfurt a. M., 2. Aufl. 1891
Vorwort zu Bachja Ibn Paquda, H. ovoth ha-Levavoth, hebr./dt., Wien 1854
Paršandatha’ [Esth 9,7], Anthologie älterer hebr. Bibelkommentatoren, mit dt. Einleitung „Die nordfranzösische Exegetenschule. Ein Beitrag zur Geschichte der Bibel-Exegese und der jüd. Literatur“, Leipzig 1855, 88 S
Hrsg. von Leone Modena, Magen weS. innah, mit dt. Einleitung „Leon da Modena, Rabbiner zu Venedig (1571-1648) und seine Stellung zur Kabbala, zum Thalmud und zum Christenthume“, Breslau 1856
S. is. s. im uFerah. im. Jüdische Dichtungen der spanischen und italienischen Schule, Anthologie, hebr.-dt., Leipzig 1856, 64 + 36 S
Predigt zur Friedens-Feier, Breslau 1856
Urschrift und Übersetzungen der Bibel in ihrer Abhängigkeit von der innern Entwickelung des Judenthums, 1857; 2. Aufl. Fft./M. 1928; hebr. Übs. von J-L. Baruch u. d. T. Ha-Miqra’ wethirgumaw. Ziqqatham la-hithpatteh. uth ha-penimith šäl ha-yahaduth, mit einer Einleitung von Joseph Klausner, Jerusalem 1949, 46 + 368 S
Wohl im Zusammenhang mit seiner Teilnahme an der Breslauer Orientalistenversammlung (Okt. 1857) schreibt er erstmals auch für die ZDMG 12 (1858), S. 132-142 „Die Theologie und Schrifterklärung der Samaritaner“; S. 142-149 „Zur Geschichte der thalmudischen Lexicographie. Einige unbekannte Vorgänger und Nachfolger des Aruch“; S. 307-309 „Zar‘iyyoth, zar‘ayatha’, óðÝñìáôá“; S. 536- 543 „Warum gehört das Buch Sirach zu den Apokryphen?“; S. 543-544 „Zu Cureton’s Corpus Ignatianum und Spicilegium Syriacum“; S. 680-693 „Eine mittelalterliche jüdische Medaille“
Prüfung der jüdischen Religions-Unterrichts-Anstalt, Programm, 1858
Ueber den Austritt aus dem Judenthume. Ein aufgefundener Briefwechsel, Leipzig 1858; siehe darüber AZJ 1858, S. 217
Ueber den Austritt aus dem Judenthume. Offenes Sendschreiben an Herrn M. Maaß, Breslau 1858
Nothwendigkeit und Maass einer Reform des jüd. Gottesdienstes. Ein Wort zur Verständigung, Breslau 1861
Die Bedeutung einer jüdischen Gemeindebibliothek: Einladungsschrift zur Eröffnung der Bibliothek, Breslau 1861
Hrsg. Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben 1 (1862), darin S. 1-9 „Der Boden zur Aussaat“; S. 165-174 „Die Rabbiner der Gegenwart“; 2 (1863), S. 11-54 „Sadducäer und Pharisäer“; 3 (1864/65), S. 251-258 „Was thut Noth?“
Eine Erinnerung an frühere Zeiten. Glückwunsch-Schreiben an Herrn Dr. Leopold Zunz, Fft./M. 1864
Das Judenthum und seine Geschichte. Bd. I: Bis zur Zerstörung des zweiten Tempels. In 12 Vorlesungen, nebst einem Anhange: Ein Blick auf die neuesten Bearbeitungen des Lebens Jesu, Breslau 1864, 21865; Bd. II: Von der Zerstörung des Zweiten Tempels bis zum Ende des 12. Jahrh. In 12 Vorlesungen, nebst einem Anh.: Offenes Sendschreiben an Herrn Prof. Dr. Holtzmann, Breslau 1865; Bd. III: Von dem Anfange des 13. bis zum Ende des 16. Jahrh. In 10 Vorlesungen, nebst einem Anh.: Das Verhalten der Kirche gegen das Judenthum in der neueren Zeit. Ein zweites Wort an den evangel. Ober-Kirchenrath, Breslau 1871; Nachdruck der 34 Vorlesungen Breslau 1910; engl. Übs. Judaism and Its History New York 1866
Salomo Gabirol und seine Dichtungen, 1867
(mit Jakob Freund) Hanna. Gebet- und Andachtsbuch für isr. Mädchen und Frauen, 12. Aufl. Breslau 1867
Worte liebenden Andenkens, gesprochen am Grabe seiner Schwägerin, der Frau Johanna Geiger, 1867
Gedächtnissfeier zum Andenken des verewigten Herrn Baron James von Rothschild, 1868
Unser Gottesdienst. Eine Frage, die dringend Lösung verlangt, Breslau 1868
Etwas über Glauben und Beten, Breslau 1869
Plan zu einem neuen Gebetbuche nebst Begründungen, 1870
„Die jerusalemische Gemara im Gesamtorganismus der thalmudischen Literatur“, JZWL 8 (1870), S. 278-306. Werkausgaben. Nachgelassene Schriften, hrsg. von seinem Sohn Ludwig Geiger, 5 Bde., Berlin 1875, Bd. V u. d. T. Abraham Geigers Leben in Briefen, Berlin 1878, enthält biogr. Dokumente, darunter S. 3-42 „Wiedergabe der biographischen Teile des Tagebuchs“
Englische Textauswahl A. G. and Liberal Judaism. The Challenge of the 19th Century, übs. Ernst W. Schlochauer, Philadelphia 1962; mit Max Wieners „Biography of A. G.“ [1949]
Hebräische Textauswahl Qevus. ath ma’amarim, hrsg. Samuel Abraham Posnanski, Berlin 1877, 180 S.; Nachdruck (gekürzt) Warschau 1883, 112 S.; vollständig Warschau 1910, 162 S.; Haifa 1966
Mivh. ar kethavaw ‘al ha-tiqqunim ba-dath, übs. G. Eliashberg, Jerusalem 1949, Reprint hrsg. Michael A. Meyer, 1979.
Epigraphik
Grab 78B auf dem Friedhof Schönhauser Allee; Köhler und Kratz-Whan, Schönhauser Allee, S. 67f; Zeugnisse jüd. Kultur, S. 128; Brocke (Hrsg.), Schönhauser Allee, S. 49
Grab seiner Frau auf dem Friedhof ul. Œlê¿na (Lohestr.) in Breslau, Ostmauer 10, mit Versen G.s. Den angrenzenden Grabplatz ließ G. für sich reservieren; £agiewski, Wrocław, S. 21; Pantheon, S. 126f.
Bildmaterialien
Die bekanntesten Bildnisse sind eine Photographie (LBI New York) und eine Lithographie von Wilhelm Hecht nach Julius Kornick; siehe JNUL Jerusalem, Schwadron Collection, beide reproduziert in Nechama/Sievernich (Hrsg.), Lebenswelten, S. 196f. bzw. 510. Porträtbüste von Max Levi abgeb. in Philo-Lexikon, 1935, s. v.
Literatur
Berufung nach Breslau, Einbürgerung, Heirat, AZJ 1838, S. 361, 564; 1839, S. 274f; 1840, S. 30; Orient 1840, S. 5, 93, 104, 220f
Wahl zum ersten Rb. in Breslau, AZJ 1844, S. 692
INJ 1846, S. 197: „Geiger, der Göthe unter den deutschen Rabbinen“
Theol. Vorlesungen in Breslau; AZJ 1847, S. 178f
AZJ 1857, S. 605, Referent bei der 17. Orientalistenversammlung
Wechsel von Breslau nach Frankfurt; AZJ 1863, S. 131, 161, 369, 681
Rede zur bürgerlichen Gleichstellung der Frankfurter Juden; AZJ 1864, S. 684
Livius Fürst, „A. G.“, Illustrirte Monatshefte 1 (1865), S. 425-429, mit Bildnis
Adolph Hepner, Mahnwort an die Juden Berlins, Berlin 1868, S. 4 und 7: „Geiger ist - das müssen selbst seine erbittertsten religiösen Gegner zugeben - der in jeder Hinsicht bedeutendste Rabbiner der Gegenwart, nicht blos in Deutschland, sondern in der Welt überhaupt [...] Vor ihm zittern alle Winkelrabbiner und Halblamdanim, seiner Autorität unterwirft sich die gesammte jüdische Gelehrtenwelt [...] und wer von diesem Scharfrichter geschlachtet ist, der ist wirklich todt“
Graetz, Geschichte3, Bd. XI, S. 472f
Carl Becker, Die Bruderhand, dargereicht von Rabbiner Dr. A. Geiger in Berlin dem evangel. Prediger Dr. theol. Sydow daselbst, beurtheilt und abgeschätzt, Hermannsburg, Missionsdruck, 1872
Nachruf von J. Derenbourg in JZWL XI, S. 299-308; jener in der Neuzeit 1874, S. 438, überliefert seinen Titel „der jüdische Bischof von Breslau“ im Volksmund christlicher Schlesier; der Nachruf im Univers israélite erlaubt sich das Wortspiel, Geigers Karriere habe einst mit einer Frage begonnen, „Qu’est-ce que Mahomet a pris au judaïsme?“, und nun eine Frage hinterlassen: „Qu’est-ce que Geiger a laissé au judaïsme?“- Nehemia Brüll, Predigt zum Andenken des verewigten Herrn Dr. Abraham Geiger, Rabbiners zu Berlin, gehalten in der Hauptsynagoge zu Frankfurt am Main, Frankfurt 1874
„Die Gedenkfeier zu Ehren Geigers in Amerika“, JT 6 (1874/75), S. 782
„Abraham Geiger. Ein Gedenkblatt von Berthold Auerbach“, Gegenwart, VI. Nr. 45
Jakob Auerbach, „A. G.“ in ADB VIII, 1878, S. 786-793
Baeck, Geschichte, S. 502
Emanuel Schreiber, A. G. als Reformator des Judenthums, Lubawa (Löbau) 1879, 160 S.; engl. A. G., the Greatest Reform Rabbi of the Nineteenth Century, Spokane 1892
Kayserling, Gedenkblätter, S. 23f
Fuenn, Kenäsäth Yiœra’el, S. 53-57
Ludwig Geiger, „A. G.s Briefe an J. Dérenbourg“, AZJ 60 (1896), S. 213f
Bernhard Felsenthal, „Briefe von Dr. A. G.“, Die Deborah, neue Folge, 2 (1902), S. 211-215
Bernfeld, Reformas. yon
JE V 584-87 mit Bildnis
D. G. Klein, „A. G. als Lehrer“, Ost und West 1907, Sp. 694-698
Ludwig Geiger (Hrsg.), A. G.: Leben und Lebenswerk, Berlin 1910
Ders., A. G., ein Gedenkblatt, 1910
Elbogen und Klein, „Reden bei der Abr. Geiger-Feier der Lehranstalt für die Wiss. d. Judentums“, in 29. Bericht der LWJ, 1910
O. Thon, in Hä-‘Athid II
David Philipson, A. G. as Reformer, Central Conference of American Rabbis 1910
Ismar Elbogen, „A. G.“, JJGL 14 (1911), S. 71-83, darin S. 74, 83: „seine Bedeutung liegt vor allem darin, daß er der Begründer einer neuen Epoche im religiösen Leben des Judentums geworden ist, der Begründer und erste Verkünder der jüdischen Theologie [...] Seine Vielseitigkeit und seine Streitbarkeit machten Geiger zum berühmtesten deutschen Rabbiner seiner Zeit“
Osias Thon, „A. G.“, Die Welt 1910, S. 536-538
Ders., „A. G.“, Hä- ‘Athid 3 (1910/11), S. 51-72
Kaufmann Kohler, „A. G., the Master Builder of Modern Judaism“, in: Kohler, Hebrew Union College and Other Addresses, Cincinnati 1916, S. 83-97
H. Vogelstein, „A. G.“, Schlesische Lebensbilder, I, 1922, S. 263-266
J. Kastan, „Berliner Erinnerungen“, JJGL 27 (1926), S. 139-141: „Sein innigster Lebenswunsch, eine Lehrtätigkeit im großen Stile ausüben zu können, ist ihm hier, in der preußischen Hauptstadt erfüllt worden“
Saul Kaatz, A. G.s religiöser Charakter, Frankfurt/M (Verlag Der Israelit) 1927
JL II 940-943, mit Bildnis
Adolf Kober, „A. G.s Bemühungen um die Organisation der jüdischen Unterrichts- und Kultusverhältnisse im ehemaligen Herzogtum Nassau“, in: Festschrift zu Simon Dubnows siebzigsten Geburtstag, hrsg. I. Elbogen, Josef Meisl und Mark Wischnitzer, Berlin 1930, S. 215-225
Wininger II 393-395
EJ dt. VII 157-160
Isak Markon, Ein unveröffentlichter Brief von A. G. an Samson Raphael Hirsch, Bonn 1932
Elbogen, Juden in Deutschland, S. 208f, 246f
Wolbe, Juden in Berlin, S. 270, 281f: „Während sich bei seiner Einführung liberale Beter im Vorhofe der Neuen Synagoge vor Freude umarmten, empfanden die Orthodoxen Geigers Wahl als einen Schlag ins Gesicht [...] Wenn er predigte, lasen die Altfrommen für sich Psalmen“
Max Wiener, „A. G. and the Science of Judaism“, Judaism 2 (1953), S. 41-48
Kober, „Nassau“, S. 232-235
Eliav, Jüdische Erziehung, S. 318f, 327, 342, 355, 416
’Äns. iqlopädyah ‘ivrith X 637-640
Alex Bein, „Lassalle als Verteidiger A. G.s, und der Jüdische Lehr- und Leseverein in Breslau: zwei Jugendarbeiten Ferdinand Lassalles“, BLBI 36 (1966), S. 330-341
Arnsberg, Hessen, Bd. I, S. 116, 325; Bd. II, S. 32, 388ff
EJ eng. VII 357-360, mit Bildnis
Willehad Paul Eckert, „Die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und A. G.“, Emuna 7 (1972), S. 259-271
Arnsberg, Neunhundert Jahre, S. 105-111, mit Bildnis
Wolfgang Hamburger, „Abraham Geiger’s reforms“, CCAR (1975), S. 41-51
Michael A. Meyer, „Universalism and Jewish Unity in the Thought of Abraham Geiger“, in: Jacob Katz (Hrsg.), The Role of Religion in Modern Jewish History, Cambridge, Mass. 1975, S. 91-107
Jacob J. Petuchowski (Hrsg.), New Perspectives on A. G., Cincinnati 1975, vereint die Beiträge zum Kolloquium des Hebrew Union College aus Anlaß von G.s 100. Todestag; enthält S. 3-16 Michael A. Meyer, „Abraham Geiger’s Historical Judaism“; S. 17-30 Nahum M. Sarna, „Abraham Geiger and Biblical Scholarship“; S. 31-41 David Weiss Halivni, „Abraham Geiger and Talmud Criticism“; S. 42-54 Jakob J. Petuchowski, „Abraham Geiger; the Reform Jewish Liturgist“; und eine G.-Bibliographie
J. J. Petuchowski, „A. G. and Samuel Holdheim. Their Differences in Germany and Repercussions in America“, LBIYB 22 (1977), S. 139-159
Franz Naune, „Diverging Conceptions of a Jewish Renaissance in the Early Thought of Abraham Geiger and Samson Raphael Hirsch“, Jahrbuch des Instituts für deutsche Geschichte 10 (1981), S. 191-219
Arnsberg, Frankfurter Juden III (1983), S. 133-139
Bernd Häussler, „Auch Religion hat ihre Geschichte. Der reformistische jüdische Theologe und Philosoph A. G. wurde vor 175 Jahren geboren“, FAZ 22. Mai 1985, S. 39
Meyer, Response to Modernity, S. 4, 84, 89-90, 97-98, 100, 106, 108, 110-114, 118, 120, 124, 131-133, 137f, 140, 150, 158, 163f, 168, 182, 186f, 189, 191, 196f, 209, 214, 245, 265, 269, 271f, 275, 314, 319, 333. „Although Reform ideas and liturgical innovations did not begin with him, it was he, a figure of the second generation, who more than anyone drew together the strands and wove them into an ideology for the movement. Geiger’s intellectual and scholarly eminence were recognized even by those who differed with his religious views; his gifts as an orator were immense ... Geiger did not lead alone, but he was clearly first among his peers. Thoughtful and introspective, he was unable to easily transcend the conflicts between modernity and Jewish tradition. Within him, as not within Frankel, they collided with devastating force. Geiger could not set limits to Wissenschaft; scientific truth, not faith, remained his ultimate standard“ (S. 89)
Fremerey-Dohna und Schoene, Bonn, S. 44-46
Battenberg, Bd. II, S. 157, 162f
Susannah Heschel, „A. G. on the Origins of Christianity: The Political Strategies of Wissenschaft des Judentums in an Era of Acculturation“, in: Menachem Mor (Hrsg.), Jewish Assimilation, Acculturation and Accommodation, Lanham, Md. 1992, S. 110-126
Maier, Jüdische Religion, S. 637
Jerzy Kichler, „Wroc³awskie lata Abrahama Geigera“, in: Krysztyna Matwiejowska (Hsrg.), Z historii ludnoœci ¿ydowskiej w Polsce i na S³¹sku, Breslau 1994, S. 99-108
Shulamit Volkov, Die Juden in Deutschland 1780-1918, München 1994, S. 94-97
Hermann Simon, Die Neue Synagoge, Berlin 1995, S. 103f
Klötzer (Hrsg.), Frankfurter Biographie, Bd. I, S. 241f
Susannah Heschel, A. G. and the Jewish Jesus, University of Chicago 1998, 317 S
DBE III 603
Brämer, Rabbiner und Vorstand, Reg
David Ellenson, „The „Israelitische Gebetbücher“ of A. G. and Manuel Joël: A Study in Nineteenth-Century German-Jewish Communal Liturgy and Religion“, LBIYB 44 (1999), S. 143-164
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