Sohn des Löw Koppel G. und der Ella Nachmann, siebenjährig vom Vater verwaist, Schüler der Talmud-Tora Rb. Böheims in Gunzenhausen, 1827 zum Talmudstudium bei Rb. Hechheimer in Ansbach, zugleich Besuch des Gymnasiums, 31. Aug. 1832 Abitur und Zulassung zum Rabbinatsstudium, 11. Sept. 1832 Chawer-Titel von Hechheimer, WS 1832 bis SS 1834 stud. an der Univ. München und bei Hirsch Aub, 26. Feb. 1835 ordiniert von Rosenfeld in Bamberg, Juni 1836 Staatsprüfung in München (als 4. von 5 Kandidaten), danach zurüch nach Ansbach, siegt am 24. Mai 1841 mit 80:60 Stimmen gegen den amtierenden Rabbinatsverweser J. Oberdorfer, 12. Juli 1841 Einsetzung zum Distriktsrb. in Ansbach. Von Rb. Böheim in Gunzenhausen am 26. Jan. 1842 getraut mit Helena Stettenheimer (1809-1875), Tochter des Garkochs Moses S. aus Ansbach. Seinem großen Sprengel schließen sich die durch Auswanderung entvölkerten Bezirke Dittenheim, Gunzenhausen und Schopfloch an. 1875 Gründung der jüd. Gemeinde in Rothenburg ob der Tauber.
CJA Berlin, 1, 75 A De 1 Nr. 10 Bl. 11 Bewerbungsschreiben nach [Mönchs-]Deggingen, 28. Feb. 1838
StA Augsburg, Reg. 11.866 mit Bewerbungsschreiben nach Kleinerdlingen, 28. Feb. 1838
CJA Berlin, 75 B An 1, Nr. 1, fol. 70 über seine Wahl in Gunzenhausen im Dez. 1845; fol. 150 Verordnung vom 8. Dez. 1852 über seine Verwaltung des Rts. Dittenheim
CAHJP Jerusalem N/1/34 „Ansbach“ Personalakte, darin Zeugnisse und Empfehlungen, u. Bewerbungsschreiben vom 22. Apr. 1841
Ebd. Nr. 32 Einverleibung der Kultusgemeinde [Mönchs-]Roth in den Rabbinatsbezirk, 1857; Nr. 35 Beteiligung des Rabbiners an der Gemeindeverwaltung, 1846
Ebd., GA II 454 “Ansbach“ Korrespondenz. G. macht rückblickend „das wehmüthige Geständnis“, er habe sein bescheidenes Wissen „mehr als mit Bogen und Schwerdt erfochten“
StA Nürnberg, JM 97, Sterbeakte
CAHJP Jerusalem HM 379 Reel 1, Sterbematrikel Ansbach (Kopie); danach lebte er Mühlgasse A 240/I und wurde 81 Jahre, 5 Monate und 18 Tage alt. Am Rand des Registers ist ausnahmsweise auch das hebräische Sterbedatum (1. Tevet 5654) vermerkt.
Publikationen
Antritts-Predigt des Rabbiners Aron Grünbaum zu Ansbach, 1841 (IA 1841, S. 328): „Den Rabbinern liegt es daher ob, [...] alle Gesetze, Verordnungen und Maaßregeln der Staatsregierung, welche insbesondere die Verbesserung des Zustandes der jüdischen Glaubensgenossen zum Zwecke haben, aufrecht zu erhalten, und die Obrigkeit bei deren Vollzug zu unterstützen“ (S. 10)
Der Aufblick zu Gott, Predigt, Ansbach 1843
Das Erbtheil der Väter. Predigt, gehalten am Säkularfeste der Synagoge zu Ansbach, 1846 [Expl. JNUL 63-B-1792]
Gedächtnißrede am Grabe des Herrn Marx Gotthelf, Lehrers zu Lehrberg, Ansbach 1851, mit Anspielungen auf „Neckereien, Zwist und Hader“ in der Gemeinde
Rede bei dem in der Synagoge zu Ansbach Statt gefundenen Trauergottesdienste für die höchstselige Königin Therese von Bayern, 1854.Predigt bei dem zur Feier der vor 50 Jahren erfolgten Uebergabe der Stadt Ansbach an die Krone Baiern stattgefundenen feierlichen Gottesdienste in der Synagoge zu Ansbach, 1856
Trauerrede auf den Tod des Königs Max II. von Baiern, Ansbach 1864
Rede am Grabe der seligen Frau Regine Röder, Ansbach 1865
Halachische Korrespondenz mit Esr. Hildesheimer, in dessen Responsen, I, Nr. 36, von 1892.
Epigraphik
Seine Grabstätte in Ansbach ist erhalten; Biernoth, S. 50.
Literatur
Kayserling, Jüdische Kanzelredner II 277-284
Lippe 1879/81, S. 154
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 805f, mit Geburtsdatum 1811
PK Bavaria, S. 271
Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. XI (1983), S. 137, Nr. 2322
Wiesemann, „Rabbiner“, S. 280, rechnet ihn den gemäßigten Reformern zu
Biernoth, Ansbach, S. 47-50
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 109, 178, 183, 416f, 433, 496.