Geb. 10. Sept. 1807 in Reipoltskirchen bei Kusel, Pfalz,
Gest. 25. Sept. 1893 in Landau
Sohn eines Handelsmanns, wird von seinem Stiefvater Isac Felsenthal in Münchweiler erzogen und gefördert, 1823 Talmudstudium in Mainz bei Löb Ellinger, 4. April 1826 zur jüd. Schule in Mannheim (Lehrer Simon Wolf), Okt. 1827 zur Jeschiwa in Frankfurt/M. (Trier, Fuld, B. Adler) und Gymnasium ebd., 24. Nov. 1831 Abitur in Speyer, am selben Tag imm. Bonn, zwei Semester, gehört zum Freundeskreis um Geiger und Hirsch
Mai 1832 ordiniert von Moses Cohen in Münchweiler, Nov. 1832 bis Aug. 1834 Univ. München
Aug. 1834 Staatsprüfung in Bayreuth mit der Note 2 (als Primus unter 16 Kandidaten), verbunden mit der theol. Prüfung und Ordination durch den Rb. J. Aub. Die Gem. Zweibrücken wählt ihn im April 1835 zum Rb.
G. nimmt aber die Stelle als Landesrb. des Fsm. Birkenfeld in Hoppstädten an. 1835 Mitglied in Geigers „Verein jüd. Gelehrter“. Juli 1836 Bezirksrb. in Landau mit Zuständigkeit für 24 Gemeinden
wird dort von der Kreisregierung in Speyer autoritär eingesetzt gegen den von den Gemeinden gewünschten konservativen Kandidaten Moses Seligmann. Bewerber in Frankfurt/ M. (1841). 1857 Konflikte mit dem Vorstand wegen Synagogenordnung, erwägt den Wechsel nach San Francisco (IVL 1858, S. 31-33) oder nach New York, wo ihn die Gemeinde „Ansche Chessed“ gewählt hatte (Israelit 1861, S. 259). 5. Sept. 1886 Synagogenweihe in Landau. Zum 50. Dienstjubiläum 1886 wird er mit dem Michaelsorden zweiter Klasse ausgezeichnet.
Dokumente
RM/BA Mannheim, M 10 (Mieterbuch), Häuser F2,13; F3,4
LA Speyer Best. H3, Nr. 8132, Bd. II, enthält Bl. 36-43 Abschriften der Gymnasial- und Universitätszeugnisse, Bl. 101v autobiogr. Brief mit Erklärung über seinen Verzicht auf das Rt. Zweibrücken, 31. Jan. 1836; die Gemeinde sei davon ausgegangen, „in mir einen Finsterling zu finden, der das Gebäude der Vernunft und der wahren Religion von dem Unkraute des Wahns und des Aberglaubens von Neuem werde überwachsen lassen“
StadtA Landau/Pfalz, A I 203, vom 30. Sept. 1838 Gesuch an den Rat um Zuschuss zur Wohnungsmiete; die im Gesetz nicht vorgesehene öff. Hilfe wird rechtfertigt mit einem griech.-dt. NT-Zitat („Der Buchstabe tödtet, der Geist aber macht lebendig. 2 Cor. III, 6“) und der Erwägung, „daß eben zur Erzielung jener Erhebung, welche, da sie geistig seyn soll, ganz besonders von dem Geistlichen ausgehen muß, eben die Geistlichen auch bei den Juden eine ehrenhaftere Stellung einnehmen müssen: zu der Einsicht ist man bereits gelangt, und gewiß! man wird nicht länger wollen, daß der Rabbiner von einem Juden zum andern mit dem Bettelsack ziehe“. Ebd. Beschwerde über Grünebaums autoritäres Verhalten bei Debatte über Erhöhung des Gemeindebudgets für Schulheizung (1841), ferner Urlaubsgesuche, Gehaltsquittungen, Amtsjubiläum (1886).
Publikationen
„Der Grundzug der Liebe und dessen Entwickelung im Judenthume“, WZJT 3, 1837, S. 59-73, 180-196
Rede, gehalten bei dem Antritte seines Amtes als Rabbiner des Gerichtsbezirks Landau, 1838, 30 S
Confirmanden-Unterricht für Israeliten, zunächst für die Schulen des Rabbinatsbezirks Landau, 1838 (Rez. IA 1839, S. 40)
„Das isr. Schulwesen in der Pfalz“, IA 1841, S. 11f, 22-24, 29f, 37, 43f
Gutachten zugunsten Abr. Geigers, 22. Aug. 1842, in Rabbinische Gutachten über die Verträglichkeit der freien Forschung ..., Bd. II, S. 99-112
Zustände und Kämpfe der Juden, mit besonderer Beziehung auf die baierische Rheinpfalz, Mannheim 1843, vi + 110 S. Hier S. 35f Vorschlag einer hierarchischen Kultusorganisation nach französischem Vorbild, „ein Sanhedrin von wissenschaftlich gebildeten Rabbinern durch Einverständniß der deutschen Regierungen zusammen zu berufen, und hier die Frage von dem wissenschaftlichen und religiösen Standpunkte aus in Berathung ziehen und darüber Beschluß fassen zu lassen. Dann aber in jedem Staate eine israelitische Oberkirchenbehörde nach Art der im Königreich Württemberg bereits bestehenden zu bilden, welche über die Aufrechterhaltung und Ausführung der gefaßten Beschlüsse in Beziehung auf die rituellen Entscheidungen durch die einzelnen Rabbiner wache“
Gottesdienstliche Vorträge, zehn Predigten, Karlsruhe 1844
Gedächtnisrede für Ihre Maj. d. Königin Therese von Bayern, Landau 1854
Stand-Rede, gehalten am Grabe des seligen Hern Marx Aron Rehns, Landau 1854, 10 S
Kritik am Schulbuch von B.-H. Auerbach, AZJ 1855, S. 96-98, 111f
Israelitische Gemeinde, Synagoge und Schule in der baierischen Pfalz. Eine geschichtliche Beleuchtung ihrer gesetzlichen Zustände seit dem Beginne dieses Jahrhunderts, nebst dem Entwurfe einer Synagogen-Verfassung, Landau 1861, 67 S
Rede, gehalten bei der Einweihung der Synagoge in Homburg, Landau 1862, 16 S
Gedächtnissrede für Seine Majestät den höchstseligen König Maximilian II., Landau 1864, 14 S
Rede zur Einweihung der Synagoge in Ludwigshafen, Landau 1865, 15 S
Rede bei der Grundsteinlegung zur Synagoge in Neustadt a. d. Haardt, Neustadt/Weinstraße 1866, 16 S
Rede am Grabe des Herrn Dr. Guttherz aus Ludwigshafen, Mannheim 1866
Die Sittenlehre des Judenthums andern Bekenntnissen gegenüber. Nebst dem geschichtlichen Nachweise über Entstehung und Bedeutung des Pharisaismus und dessen Verhältniss zum Stifter der christlichen Religion, Mannheim 1867, viii + 243 S.; 2. sehr vermehrte Aufl. Straßburg 1878, xxxvi + 448 S
Gutachten ausländischer Rabbinen, S. 32-35, gegen die ungarische Trennungsorthodoxie
Zwei Synagogen-Einweihungs-Reden, gehalten in Landau 1885 und Hagenbach 1885, Landau o. J., 22 S. Aufsätze zu IA, IVL, INJ
Eine Approbation für das Werk von Rb. M. Seligsberg, 1843; Löwenstein, Index, S. 66.
Bildmaterialien
Bildnis bei Arnold, Pfälzische Juden, S. 102, sowie im Lexikon pfälzer Persönlichkeiten.
Literatur
WZJT 1837, S. 143; AZJ 1837, S. 224, über Berufung nach Landau
Fürst, Bibliotheca, I, 345
AZJ 1855, S. 344, 395, Vorwürfe gegen ihn, Erwiderung
Steinschneider, Bodleiana, Bd. II, Sp. 1022
AZJ 1867, S. 475f, Synagogeneinweihung
Kayserling, Jüdische Kanzelredner II 174-205
Lippe 1879/81, S. 155f
Israel Mayer, Rede, zum 50jähr. Amtsjubiläum des Bezirksrabbiners Dr. E. G., Landau 1886, 8 S. [Expl. JNUL OG 2759]; G. sei „Altmeister der pfälzischen Rabbiner“ (S. 3)
Fuenn, Kenäsäth Yiœra’el, S. 104f
Nachruf AZJ vom 13. Okt. 1893
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 805, 828, 863. Seine homiletischen Arbeiten seien „mehr Vorträge als Predigten und, ohne jüdisches Kolorit, christlichen Predigten ähnlich“
JE VI 99f
ADB 49 (1904), S. 596f
Wininger II 536
EJ dt. VII 703
EJ eng. X 1384
Arnold, Pfälzische Juden, S. 104f, Todesdatum hier mit 25. Sept. 1889 angegeben
Uri R. Kaufmann, „Zu den geistigen Kämpfen unter den pfälzischen Juden: Die Position des Bezirksrabbiners Elias Grünebaum (1807-1893)“, in Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, hrsg. v. Alfred H. Kuby, Neustadt a. d. Weinstraße 1992, S. 25-32
Lexikon pfälzer Persönlichkeiten, 2. Aufl. Edenkoben 1998, S. 236
DBE IV 213
Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 42-44, 190
Arnold, Landau, S. 12, 11f, 75f
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 112, 236, 352, 402, 426, 447, 454f, 497, 575.