Sohn des Isaak-David G. (st. 1776) und Enkel des auf dem Weg nach Palästina in Sidon verstorbenen Moses G., war einer der bedeutendsten Schüler des Prager Dajans Meir Fischls, der eine Tochter des genannten Moses G. zur Frau hatte und sonach ein Onkel des Jakob G. war. Als Nachfolger Fischls war G. vierzig Jahre lang Stiftsrb., Jeschiwaleiter und Dajan („dritter Oberjurist“) in Prag
wegen dieser Ämterkumulation kam es 1793 zur Polemik mit Sam. Landau. Finanziell war G. von seiner Frau Sprinze abhängig. Als diese das Ruhealter erreichte, gedachte er einen Ruf als Rb. nach Holešov (Holleschau) in Mähren anzunehmen
auf Anregung des Gemeindeoberen Meier Dormitz fand sich ein Unterstützungsverein zusammen, um ihn in Prag zu halten. Seine Auflehnung gegen den Regierungsbeschluß, nichtböhmische Bachurim vom Jeschiwastudium auszuschließen, setzte ihn 1814 Denunziationen aus. Sein wichtigster Schüler, der nachmalige mährische Landesrb. Neh. Trebitsch, hielt noch zu Lebzeiten des im Alter erblindeten G. die Vorlesungen an der Jeschiwa und übernahm nach dessen Tod die Schulleitung.
Dokumente
SÚA Prag, ČG Publicum, oddìlení 1785-1795, svazek 43/355, vom 3. Juni 1793, G. wird von zehn Jeschiwastudenten denunziert, er habe einen der ihren, der die Werke Mendelssohns rühmte, aus der Studentenbruderschaft ausgeschlossen und sein Lob des Philosophen „als höchster Grad von Ketzerey ausgeschrien“. Nach Prüfung der bei G. befindlichen Kasse wird die Bruderschaft am 16. Okt. 1794 behördlicherseits verboten
Ebd., svazek 43/351, vom 26. Aug. 1793 Einspruch gegen die Aufnahme Sam. Landaus ins Prager Rabbinatskollegium.
Manuskripte
ŽM Prag, ms. 175 Talmudauslegungen zu Niddah, Mitschrift aus dem Wintersemester 1795/ 96, 26 Bl
Ebd., ms. 221 Talmudauslegungen zu H. ullin, Mitschrift von 1798/99, 112 Bl
Ebd., ms. 390, Talmudauslegungen zu Baba’ Qamma’, Mitschrift von 1808/09, 19 Bl
Umfangreiches Material ist in Privatbesitz erhalten; siehe „Zära‘ Ya‘aqov. H. iddušim ‘al massächäth Megillah“, Moriyyah III,10-12 (1972), S. 3-8; Nissim Juda Leib Schuv, „Ha-ga’on Rabbi Ya‘aqov Gins. burg Z. L.“, Moriyyah XIII,5-6 (1984), S. 13
Laufendes Editionsprojekt am Mechon Yerušalayim in Jerusalem; siehe Moriyyah XXI,3-4 (1996/97), S. 27.
Publikationen
Zära‘ Ya‘aqov zu Berachoth und Šabbath, hrsg. v. Ephraim Löb Teweles und Nehemias Trebitsch, Prag 1814, 41 + 68 Bl.; Nachdruck Jerusalem 1971. Die Vorworte des Autors und seines Schülers Nehemias Trebitsch enthalten Angaben zu seiner Biographie und seiner Didaktik
Dreizehn Approbationen, datiert Prag 1768-1808; Löwenstein, Index, S. 67.
Epigraphik
Grabinschrift bei Lieben und Hock, Gal ‘Ed, Prag 1855, Nr. 114; siehe auch Hock, Mišpah. oth Q. Q. Pra’g, S. 68, Nr. 4887; Lieben, „Erster Wolschaner Friedhof“, S. 19.
Literatur
Sefär ha-’Orev (1793) und Ha-Me’assef 7 (1794), S. 37-53, über die Polemik mit Landau
S. Landau, Šivath S. iyyon, Nr. 7
Nachruf Samuel Löb Kauder, ’Ahavath ’Ämäth, Prag 1828
IA 1840, S. 100: seine Schule sei „von den Prager Talmudisten selbst als hyper-orthodox bezeichnet worden“
Ein mährischer Anonymus behauptet in AZJ 1842, S. 665, daß keiner der Prager Talmudisten des frühen 19. Jahrhunderts mit den illustren Vorgängern verglichen werden könne; „welch untergeordneten Werth haben ihre Leistungen auf talmudischem Gebiete! Aber der bornirteste Talmudlehrer in Prag war Jakob Ginsburg“
Steinschneider, Bodleiana, Bd. II, S. 1212
Weiss, Zichronothai, S. 46
Eisenstadt und Wiener, Da‘ath Qedošim, S. 210
Maggid, Sefär toledoth mišpah. ath Gins. burg, S. 73, 205
Kamelhar, Dor De‘ah, S. 163
ders., Mofeth ha-Dor, Piotrków 1934, S. 96f
Fr. Roubík und A. Blaschka in ZGGJČSR 6, S. 307ff
EJ dt. VII 729f
J. Diamant und B. Glaser, „Statuten (Tekanoth) einer Chewra Kadischa für Jugendliche in Prag zu Ende des 18. Jahrhunderts“, ZGJT 5 (1938), S. 14f Anm
Všetečka und Kudìla, Osudy židovské Prahy, S. 127, mit Reprod. seiner lat. Unterschrift „Jaccob Gintzburg“ (25. Nov. 1787)
Wlaschek, Bohemia, S. 64
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 120-122, 150f, 166f, 210, 236, 271.