BHR Biographisches Portal der Rabbiner

HALBERSTÄDTER, Juda-Löb

  • Geb. 1777,
  • Gest. 14. April 1831 in Fürth
  • Sohn des Israel H. und der Rechel, väterlicherseits Enkel des Berliner Dajans Lase Halberstadt. 8. Sept. 1802 verheiratet mit Stira-Sara Helbing (st. 1851), Tochter des Ansbacher Synagogendieners Samson Löb
  • Ladenhändler in Fürth. 1812 Dajan in Fürth unter M. S. Kohn und Talmuddozent an der Jeschiwa, während der Rabbinatsvakanz von 1819-30 einer der drei Fürther „Hochgelehrten“. Mit Rücksicht auf seine materiellen Verhältnisse erhält er als einziger der drei eine Unterstützung von 150 fl. aus den Stiftungsmitten der Jeschiwa. Er sollte 1825 zum Staatsexamen vorgeladen werden
  • nach längeren Auseinandersetzungen aber wurden die drei Fürther Dajanim am 16. Nov. 1826 von der Prüfung dispensiert. Nach dem Tod seiner Kollegen L. H. Gerau und J. Falkenauer sowie dem Lehrverbot gegen Wolf Hamburger im Sommer 1830 verblieb er als letzter der „Hochgelehrten“ und unterrichtete noch für kurze Zeit einige Schüler nach einem staatlich vorgegebenen reformierten Lehrplan. Sein Schwiegersohn war Rb. Hayum Selz in Ühlfeld.

Dokumente

  • StA Nürnberg, JM 101, Isr. Trauregister Fürth
  • StA Nürnberg RA 1932, Nr. 211, Judenmatrikel; Beruf: „Unterrabbiner“
  • Ebd., RA 1932, Tit. 13, Nr. 651, Bd. I, Bl. 31v, 33r, mit Charakterisierung durch Stadtkommissär J. F. Zehler, vom 26. Dez. 1820: „Halberstaetter hat nur einen unbedeutenden Klein-Waarenhandel und sieht sich daher genöthigt, von seinen Schülern Lehrgelder anzunehmen, und erhält auch aus den Studien-Stiftungen ein jährlich bestimmtes, wofür er drey arme Schüler zu unterrichten hat.“ Er sei ein beschränkter Charakter und habe keine größeren Ambitionen, als sich seines armseligen Lebensunterhalts auch weiterhin zu erfreuen
  • CAHJP Jerusalem, D/Fu1/112, vom 22. Dez. 1829 mit Gesuch um Gleichstellung mit dem neu zu wählenden Rb., da er Frau und fünf Kinder zu versorgen habe, dem neuen Rabbi also nicht wie geplant 2/3 der Trauungsemolumente zusichern könne. Er habe „dem Rabbiner-Amte dahier 17 Jahre mit Treue und Rechtlichkeit vorgestanden“
  • Das Subskribentenverzeichnis der Fürther Talmudausgabe (1832) nennt ihn im Bet-Din von J.-M. Falkenauer als zweiten Beisitzer
  • StadtA Fürth, Fach 29, Nr. 6, Bl. 25-26, vom 12. und 20. Aug. 1830, mit Lehrplan für seine reformierte Talmudschule
  • CAHJP Jerusalem G5/1037/I, S. 38 Nr. 277, Sterberegister Fürth; nennt als Beruf „Rabbiner“.

Publikationen

  • Korrespondenz mit Moses Sofer in H. atham Sofer, EE, S. 54r; mit Wolf Hamburger in dessen Ša‘ar ha-Zeqenim, Bd. II, Bl. 1r; Œimlath Binyamin, Bd. I, Bl. 6r, 49v, Bd. II, Bl. 23r, 52v, eingeführt als „ha-dayyan Juda Löw“
  • Approbation zum Fürther Talmuddruck, 1829; Löwenstein, Index, S. 68.

Literatur

  • Äußerung über den nutzlosen Charakter weltlicher Studien, mitgeteilt von Hamburger, Qol Bochim, Bl. 44v
  • Neuer Nekrolog der Deutschen 9 (1831), S. 1186
  • Satirisches Porträt als der einfältige „Rabbi Juda Haupt“ bei Simon Krämer, Bilder aus dem jüdischen Volksleben, Altenmuhr 1845, S. 61
  • Löwenstein, „Fürth“, II, S. 106, und S. 169 Memorbucheinträge seiner Eltern.Kinstlicher, Hä-“H. atham Sofer“ uvene doro, S. 147
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 108, 149f, 364, 372, 381, 384f, 387.