Cousin von Joseph Aub, Schüler von Wolf Hamburger an der Fürther Jeschiwa, besuchte auch die Jeschiwa des Löb Glogau in Prag, Morenu von drei Rb., darunter denen von Prag und Fürth, 12. Dez. 1822 Staatsprüfung in Bayreuth mit Note 2, 1824 Bewerber in Bamberg
unter 14 Kandidaten nach hebr. u. dt. Probevorträgen im Dez. 1825 zum Rb. in München gewählt mit der Auflage, seine Universitätsstudien nachzuholen, 1826/27 Univ. München, Oktober 1827 neue Rabbinatsprüfung in Ansbach, erst 6. Mai 1828 Bestätigung und definitive Anstellung. Begründet 1832 den Synagogenchor, 1839 den Waisenverein (IA 1840, S. 7-8), den Unterstützungsverein für jüdische Lehrlinge (IA 1841, S. 175) und ca. 1845 den Aussteuerverein. Er hatte einen wesentlichen Anteil an den erfolgreichen politischen Protest gegen das „Matrikelgesetz“. Im Alter steht ihm seit 1862 ein Prediger zur Seite (AZJ 1862, S. 271). 19. Dez. 1865 wurde er zu seinem 70ten Geburtstag von König Ludwig II. mit dem Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens vom hl. Michael dekoriert. Seit 1868 vertritt ihn der Lehrer Abraham Wolfsheimer in der Lehrtätigkeit. 25. Mai 1871 in den Ruhestand. Großvater des Münchner Dialektdichters und Literaturwissenschaftlers Ludwig Aub (1862-1926)
der spanische Theaterschriftsteller Max Aub (1903-1972) stammte über seinen Vater Friedrich aus derselben Münchner Familie.
Dokumente
Korrespondenz um Rabbinerprüfung 1827 bei Döllinger, Bd. VI, S. 171-173
StA Bamberg K3 C3 Nr. 54, Bl. 31-32, Zeugnisse
CAHJP Jerusalem, Inv. 5681. Entwurf eines Stammbaums seiner Nachkommen.
Manuskripte
Zentralkartei der Autographen: BayStB München Kittler III, 148 Brief an König Otto I. von Griechenland, 15. Dez. 1841
CAHJP Jerusalem, D/Ba17a/3, Brief an Rb. S. W. Rosenfeld in Bamberg über den sabbatlichen Schulbesuch an der Münchner Gewerbeschule (24. Feb. 1859).
Publikationen
Rede bey der Einweihungs-Feyer der Synagoge in München, 1826 [*Bla-Aub, Wandschrank]
Dem Andenken des seligen Herrn Israel Hirsch Pappenheim (Vorsteher der jüd. Gem. München) 1837
Erklärungen gegen die Ritualmordlegende im Landboten, April 1840, Nr. 107 und in der Münchner Politischen Zeitschrift vom 28. April 1840, S. 635ff; vgl. IA 1840, S. 172f
Rede bei dem [...] Trauergottesdienste für die höchstselige Königinwittwe Friederike Wilhelmine Caroline von Bayern, München 1841
Mitarbeiter der Zschr. Der Orient (1843-50); in der Mitgliederliste erscheint er als „Dr. Aub“
Beitrag zu den Rabbinischen Gutachten gegen den Frankfurter Reformverein, 1844
Die Hauptzüge des Bildes einer Biederfrau. Predigt bei dem [...] Trauergottesdienste für die höchstselige Königin Therese von Bayern, München 1854
Rede am offenen Grabe des kgl. Rathes und praktischen Arztes Dr. Hermann Oettinger, München 1855
Was Maximilian II. uns war. Predigt bei dem [...] Trauergottesdienste, München 1864
Predigt beim Trauergottesdienst König Ludwig I., München 1868
Zwei Approbationen, datiert aus München 1833-41; bei Löwenstein, Index, S. 26.
Literatur
Die Subskribentenliste der Fürther Talmudausgabe (1832); betitelt ihn als ha-rav MWH. (Ortsrb.)
Orient 1847, S. 75: „München hat [...] einen wackern Rabbiner, Hr. Hirsch Aub, der, nicht mehr jung, einem gemäßigten Forstschritt huldigt und von allen Parteien wegen seines guten Charakters und seiner Privattugenden geachtet wird“
AZJ 1849, S. 216, Kultusreform
Geiger in Brief 1849 (Nachg. Schr. V 204): „ein durchaus braver und sehr wohlwollender Mensch, aber gar sehr schwach und unbedeutend, seine Familie höchst schlicht und achtbar, aber, ich möchte sagen, von einer ländlichen Einfachheit und Bildung“
AZJ 1850, S. 56f, 98, Verteidigung der jüd. Morallehre gegen die Angriffe von Prof. Allioli, 13. Dez. 1649, wird von allen 41 bayer. Rb. bis auf einen unterschrieben
AZJ 1850, S. 426, Ministerialfragen
UI 25 (1869/70), S. 758f; er übte in München mehr als tausendmal das Beschneideramt aus
AZJ 1875, S. 411f.Kayserling, Jüdische Kanzelredner I 418f
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 805
JE II 296, danach gest. in München
JL I 559
EJ dt. III 647, danach gest. in München
PK Bavaria, S. 107f
Prestel, Bayern, S. 32, 114, 150
Kilian, München, S. 378f
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 87, 416, 432f, 445, 473f, 497, 500, 506.