BHR Biographisches Portal der Rabbiner

AUB, Joseph, Dr.

  • Geb. 4. Dez. 1804 in Baiersdorf b. Erlangen,
  • Gest. 22. Mai 1880 in Berlin
  • Sohn des Simon und der Therese A., Schüler von Hamburger an der Fürther Jeschiwa, Gymnasialbesuch und Absolutorium, im 18. Lebensjahr imm. Erlangen, nach 21/2 Jahren Studium 1826/27 an die Univ. München, 21. Jan. 1829 prom. das. bei Schelling, März 1829 bay. Staatsprüfung mit Note 2 (sehr gut)
  • 7. Apr. 1829 Distriktsrb. in Bayreuth mit der Auflage, die Morenu nachzureichen, welche er sich von Moses Hechheimer in Ansbach ausstellen läßt. Bewerber in Fürth (1830). War auch Hebräischlehrer am städt. Gymnasium Bayreuth. 1831 Streit mit der Gemeinde, die ihm „aufbrausenden Hochmuth“ u. diktatorische Allüren vorwirft. Verabschiedet Synagogenordnung mit den Reformrb. Gutmann und Kunreuther
  • der Widerstand von Bayreuther Orthodoxen sowie der Rb. Bing, Hechheimer und Gugenheimer dagegen wird am 24. Dez. 1834 als ungesetzlich erklärt, da für die abgestellten Gebräuche „ein Gebot [...] nicht nachgewiesen ist“ (WZJT 1, 1835, S. 125-126). 1836 Mitglied in Geigers „Verein jüd. Gelehrter“
  • die bayer. Regierung belobigt am 9. Dez. 1837 seine Linie gemäßigter Reformen „zur Läuterung der israelitischen Religionsbegriffe und Sitten von Vorurtheilen und Mißbräuchen, so wie zur Verbreitung gediegener Aufklärung unter seinen Glaubensgenossen“. Von seinem Bruder, dem Münchner Rb. Hirsch A., wird er am 18. Juni 1839 getraut mit Jettel-Ida Osmund (1821-1871), Tochter des Bayreuther Particulier Emanuel O. Bewerber in Frankfurt/M. (1841). Mitarbeiter der Zschr. Der Orient (1844-50) und an Frankels ZRIJ
  • 1846-48 Hrsg. der Wochenschrift Sinai. 4. Dez. 1852 Rb. in Mainz, dort am 24. März 1853 Einweihung der neuen Synagoge mit Orgel, was die Abspaltung der IRG mit Rb. Lehmann provoziert. 1866 Rb. in Berlin mit einem Rekordgehalt von 3.000 Talern (Heymann, S. 392)
  • zugleich Dozent an der Veitel-Heine-Ephraimschen Lehranstalt, Kuratoriumsvorsitzender der Nauenschen Erziehungsanstalt und Religionslehrer an der Lehrerbildungsanstalt. Am 5. Sept. 1866 hielt er die Einweihungspredigt in der Neuen Synagoge Oranienburger Straße. Vorsitzender der liberalen Kasseler Rb.-Versammlung (1868) und Teilnehmer der Augsburger Synode von 1871 (Wiener, S. 111). Kurz nach der Feier seines 50. Amtsjubiläums trat er 1879 in den Ruhestand.

Dissertation

  • De chaldaicae linguae causis und Über die theoretischen Beweise für das Dasein Gottes Diss. München 1829, „cum nota eminentiae“.

Dokumente

  • StA Bamberg, K3 C3, Nr. 110, vom 23. Sept. 1828, Wahl, mit dem Bemerken der Gemeinde, daß A. „ein noch junger Mann und von schwächlichem Körperbau seyn soll, auch in Ansehung der von ihm noch beizubringenden Morena (Würdigungsbrief) in Bezug auf jüdische Theologie noch ein Mangel vorhanden ist“
  • UA München, G-IX-7, Bd. 2, Nr. 78, Promotionsvermerk; ebd., O-I-10 vom 11. Jan. 1829 mit Zeugnis Schellings: A. habe in der Dissertation „sowohl als auch in dem darüber mit ihm angestellten Gespräch soviel Kenntniß der Philosophie gezeigt, daß ich ihn für hinlänglich würdig achte, zum Magister Artium und Doctor Philosophiae promovirt zu werden“
  • StA Bamberg, K3 C3, Nr. 36, Die Einführung einer neuen Synagogenordnung in den Synagogen des Obermainkreises, Bl. 3 bemängelt er, „wie unzweckmäßig und andachtslos der kirchliche Cultus ist“
  • CAHJP Inv. 5681, Familienkundl. Material
  • CAHJP Jerusalem D/Ba28/229, S. 105, und Nr. 230, Familienbuch Bayreuth, erwähnt seine Kinder Simon/ Theodor (1840), Samuel/Albert (1842) und Tirza/Clotilde (1844)
  • Ebd. Nr. 235, Trauregister, gibt sein Geburtsdatum mit 19. Dez. 1804 an.

Manuskripte

  • Zentralkartei der Autographen: BayStB München, Thierschiana I.87 Brief an den Philologen Friedrich von Thiersch, Bayreuth, 4. Mai 1829
  • CAHJP Jerusalem, P 46, vom 13. Sept. 1875, Brief an Sal. Herxheimer: „Mein Privatleben ist ein stilles, einsames geworden [...] Dazu kommt, daß das Alter die Zurückgezogenheit dem geselligen Leben vorzieht“. Dgl. vom 29. Mai 1877: „Seit 5 Jahren muß ich jedes Jahr ins Bad, seit 4 Jahren nach Wildbad“.

Publikationen

  • Die Bestimmung Israels. Eine Predigt zur gottesdienstlichen Eröffnungsfeier des isr. Comités für den Obermainkreis am 8ten Feb. 1836 gehalten, Bayreuth 1836
  • „Betrachtungen über die den Mosaismus und die Neologie betreffende kön. baier. Ministerialentschließung“ [vom 23. Okt. 1838], und „Widerlegung, ein Dialog über Hrn. Hirsch’s Mittheilungen“, zusammen u. d. T. Betrachtungen und Widerlegungen, 1839 (Rez. IA 1839, S. 255, 295)
  • „Eine Zeit- und Streitfrage“, IA 1839, S. 291f
  • Gutachten über das Gebetbuch des Hamburger Tempels, AZJ 1842, Beilage zu Nr. 16
  • Gutachten zugunsten Abr. Geigers, 6. Okt. 1842, in Rabbinische Gutachten über die Verträglichkeit der freien Forschung ..., Bd. II, S. 3-11
  • „Briefe über das Judenthum“, LdO 1844, Sp. 198-204, 209-214, 328-331, 354-360
  • „Über die Glaubenssymbole der mosaischen Religion“, ZRIJ 2 (1845), S. 409-424, S. 449-457
  • In seiner Wochenschrift Sinai u. a. 1846, S. 51f, 59f „Über die Rabbinatsverfassung in Bayern“; S. 93-95, 101-105, 109-111, 117-119, 125- 128, 133-136, 141f, 149-151, 157-160 „Betrachtungen über die Verhandlungen der diesjährigen Rabbiner-Versammlung“; S. 341-346, 349-354 „Die strenge Orthodoxie und die beabsichtigte Theologenversammlung“; S. 357-362 „Die Rabbinerversammlung und ihre Gegner“; 1847, S. 7f, 14f, 30-32, 45-47, 53-55, 69-72, 80, 88 „Betrachtungen über die Verhandlungen der dritten Versammlung deutscher Rabbiner“
  • Abschieds-Predigt, gehalten in der Synagoge zu Bayreuth, Bayreuth 1852, 15 S
  • Antritts-Predigt, gehalten am 4. Dezember 1852, Bayreuth 1852, 16 S
  • Toleranz und Humanität, ein Wort der Abwehr und Verständigung, Entgegnung an den Bischof von Mainz Wilhelm Emmanuel von Ketteler, 1859
  • „Über die Einführung der Confirmation in der Mainzer Synagoge, nach gründlichem Confirmanden-Unterricht“, Volkskalender und Jahrbuch für Israeliten, hrsg. K. Klein, Mainz 1859
  • Die Eingangsfeier des Versöhnungstages. Ein abgedrungenes Wort der Belehrung und Beruhigung an seine Religionsgemeinde, Mainz 1863 (AZJ 1863, S. 576)
  • Grundlage zu einem wissenschaftlichen Unterricht in der mosaischen Religion, 1864; 2. Aufl. Leipzig 1875
  • Sedär Tefilloth kål ha-šanah. Gebetbuch für den öffentlichen Gottesdienst im ganzen Jahre nach dem Ritus der neuerbauten großen Synagoge in Berlin, 1866
  • Gebetbuch für den öffentlichen Gottesdienst im ganzen Jahr, Berlin 1867
  • Biblisches Spruchbuch für den vorbereitenden Unterricht in der mosaischen Religion, 1868, 74 S
  • Predigt zum 100sten Geburtstag von Israel Jacobson, 1868
  • Fest-Predigten zur Säcularfeier der jüdischen Gemeinde in Berlin, 1871, 23 S.

Epigraphik

  • Grabstätte in Berlin, Schönhauser Allee Grab 16B, Geburtsdatum hier 4. Dez. 1804; bei Köhler und Kratz-Whan, Schönhauser Allee, S. 28; Zeugnisse jüdischer Kultur, S. 128.

Literatur

  • Feyerlichkeiten, welche bei der [...] Installierung des für die israelitische Gemeinde zu Bayreuth ernannten Rabbiners Herrn Dr. J. A., statt gefunden haben, Bayreuth 1829
  • WZJT 3, 1837, S. 126, über seine Teilnahme an der Kreissynode von 1836
  • AZJ 1837, S. 224, sein Religionsunterricht am Gymnasium
  • AZJ 1838, S. 109, gründet Leseverein
  • AZJ 1849, S. 114, stellt sich in der Frage jüdischer Geschworener gegen die evang. Kirche
  • AZJ 1850, S. 566, Bewerbung in Mainz
  • AZJ 1851, S. 544, über sein Wirken in Bayreuth
  • Steinschneider, Bodleiana, Bd. II, S. 760
  • AZJ 1853, S. 182, Synagogeneinweihung in Mainz
  • AZJ 1858, S. 257f, Beisetzungsfeier für den Mainzer Vorsänger
  • AZJ 1858, S. 521, Vertretung in Alzey
  • AZJ 1858, S. 701, Dankgottesdienst am Jahrestag der Katastrophe
  • Volkskalender und Jahrbuch für Israeliten 18 (1860), S. 83f, S. 100, gibt S. 83 das Geburtsdatum 5. Dez. 1804
  • AZJ 1866, S. 213, durch Ablehnung von Manuel Joël wird er Kandidat für das Berliner Rt
  • AZJ 1866, S. 250, 366, 394, Wahl in Berlin mit zwei Gegenstimmen
  • AZJ 1866, S. 638, Teilnahme am Tedeum für die zurückkehrenden preuß. Truppen
  • AZJ 1868, S. 46f, Hundertjahrfeier der Potsdamer Synagoge
  • AZJ 1868, S. 514, Beitrittserklärung zur Synode
  • Orthodoxe Polemik in Israelit 1868, S. 364: „Dr. Aub ist bei dem Minimum, auf welches seine Sympathien reducirt sind, vollständig unschädlich“; 1869, S. 154: „daß ein Mann, der den Muth hat, in einer der sogenannten Dienstagsvorlesungen öffentlich die Göttlichkeit der Thora zu leugnen, vier oder gar noch mehr verschiedene Verfasser des Pentateuch anzunehmen, [...] sich eine ganz fromme Miene gibt, sich als Wächter und Hüter der jüdischen Institutionen geberdet, - das dürfte doch noch nicht seines Gleichen gehabt haben!“
  • Pinkus Fritz Frankl, „Rede bei der Gedächtnißfeier für den verewigten Rabbiner Dr. J. A.“, in Ders., Fest- und Gelegenheits-Predigten, Berlin 1888, S. 255-261
  • Nachruf in AZJ 1880, S. 359: „Aub gehörte zu der Schule der Reformer, welche bei aller Selbständigkeit doch die Reformen an das Herkommen und an Aussprüche der Talmudisten anzuknüpfen suchen [...] Bei allem Ernst seines Strebens hatte er einen humoristischen Zug, der ihn im geselligen Verkehre sehr liebenswürdig machte“
  • Lippe 1879/81, S. 16
  • Kayserling, Gedenkblätter, S. 4, mit Geburtsdatum 1805
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 805, 828, 863
  • JE II 297
  • Kohler, „Reminiscences of my early life“, S. 477: „Dr. Joseph Aub with his Bavarian accent was no success in the pulpit of the Northern metropolis, and he said to me in his witty way: ’I have been called hither as the Moshiach ben Joseph to prepare the way for Dr. Geiger, the real Moshiah’„
  • J. Kastan, „Berliner Erinnerungen“, JJGL 27 (1926), S. 138f: „Seine äußere Erscheinung enttäuschte, Aub sah eher einem evangelischen Landpfarrer ähnlich, als einem Rabbiner [...] Begann er aber über den Wochenabschnitt unserer ’heiligen Dore’ - womit natürlich die Tora gemeint war - zu reden, da war es dem Berliner Spott schwer genug, an sich zu halten [...] Der Fehlschlag dieser Wahl konnte nicht im Mindesten bezweifelt werden, und der Mißmut in der Gemeinde war ebenso allgemein wie berechtigt [...] Man rühmte in den Kreisen der Verwaltung seine guten talmudischen Kenntnisse, man pries seinen friedliebenden, geradsinnigen Charakter, seine pädagogische Begabung. Das alles verschlug indessen nicht viel“
  • JL I 559
  • Wiener, Jüdische Religion, S. 82
  • Levi, Magenza, S. 68f, mit Bildnis S. 67
  • EJ dt. III 648
  • Lazarus, „Kassel“, S. 598, über Bewerbung in Kassel 1835
  • Wolbe, Juden in Berlin, S. 275, 280f: „Die Liste der Berliner Ehrenjungfrauen beim Empfange König Wilhelms I. nach dem siegreichen Kriege von 1866 eröffnete die Rabbinertochter Clothilde Aub (Felix Philipp nennt sie ’unwahrscheinlich schön’)“
  • Arnsberg, Hessen II 21
  • EJ eng. II 838
  • PK Bavaria, S. 225f
  • Schorsch, „Rabbinate“, S. 245
  • Prestel, Bayern, S. 26, 31, 51, 86
  • Wiesemann, „Rabbiner“, S. 280
  • Meyer, Response to Modernity, S. 105 („the most clear-cut Reformer among the Bavarian rabbis“), 184, 191, 185f
  • Fehrs, Heidereutergasse zum Roseneck, S. 38, 147, 203
  • Hermann Simon, Die Neue Synagoge, Berlin 1995, S. 103f
  • Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 110, 190
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 410, 455, 473, 499, 502, 563, 612, 617, 625f, 629
  • Frdl. Mitteilungen von Frau Dr. Eva Groiss-Lau.