Geb. 1763 in Bouxwiller (Buchsweiler), Unterelsaß,
Gest. 3. Nov. 1845 in Bonn
Väterlicherseits Abkömmling einer aus Brody in Ostgalizien stammenden Rabbinerfamilie, Sohn des Rb. Abiezri-Selig A. (1726-1767) und Enkel des langjährigen Wormser Oberrb. Hirsch A. (1690-1778)
seitens seiner Mutter Gudula Sinzheim Enkel des Isaak S., der aus Wien stammte und kurtrierischer, später elsässisch-ritterschaftlicher Landesrb. in Niedernai (Niederehnheim) war. Früh verwaist, als Zehnjähriger von seiner Stiefmutter zur Jeschiwa seines Großvaters nach Worms gebracht, dann Schüler der Frankfurter Jeschiwa des Nathan Adler, 1778 zurück nach Worms, 1783 (Ehevertrag vom 7. Nov. 1780) Heirat mit Gitel Sinzheim, Tochter seines Onkels David S., folgt diesem nach Straßburg, wird dort Teilhaber einer Tabakfabrik und unentgeltlicher „proposé de culte“ der Gemeinde, lehrt an Sinzheims Bet-Midrasch, erhält unaufgeforderte Diplome der Rte. Niedernai im Unterelsaß und Fürth
1793 unter der Terreur ein Jahr lang in Haft
nach dem Fall Robespierres besoldeter Rb. in der Gemeinde Straßburg, da Verlust des Geschäftskapitals
wegen Konkursprozessen Flucht aus der Stadt und Anstellung als Rb. in Forbach, Lothringen, 1800 Landesrb. in Neuwied [und zeitweilig Oberrb. der Rheinbundstaaten, lt. Schwab], zweite Ehe mit Ester-Rebecca Oppenheim (1785-1864), Tochter des Hirsch O. aus Neuwied und Urenkelin des klevischen Landesrb. Israel Lipschütz, mit der er 16 Kinder hatte. Teilnehmer an der Notabelnversammlung und am Sanhedrin, lehnt aber den angebotenen Sitz im Kasseler Konsistorium ab. 1809 Rb. in Bonn, seit dessen Erhebung zum Sitz des Konsistoriums am 1. Jan. 1811 Konsistorial-Oberrb. des Dépt. Rhin-et-Moselle
sein Rechtsstatus bleibt ihm nach der preußischen Besitzergreifung 1815 erhalten. Tritt 1837 zugunsten seines Sohnes aus dem Amt zurück
beschäftigt sich in seinen letzten Jahren hauptsächlich mit kabbalistischen Studien, schreibt auch Amulette (IA 1841, S. 150)
unterzeichnet 1844 den Aufruf gegen die Rb.- Versammlung Vier Söhne werden Rb.: Benjamin Hirsch (1808-1872), Aron (1810-1886), Leon (1813-887) und Samuel (1827-1884).
Dokumente
LHA Koblenz, 336/143, Gesuche um Oberrabbinat des Herzogtums Nassau; enthält die Eingabe vom 22. Apr. 1807 und als Beilagen die Aufnahmeurkunde und Amtsinstruktion als Wiedischer Stadt- und Landrabbiner vom 25. Jan. 1802, dazu einen Auszug aus dem hebr. Rabbinatsbrief
HStA Düsseldorf, Generalgouvernement des Nieder- und Mittelrhein 112, vom 22. Dez. 1814 Petition des Konsistoriums zur Aufhebung des Décret infâme mit der eleganten Unterschrift „Abraham Auerbach, Ober-Rabbiner“
PSA Brühl, Bonn St. 1845 Nr. 379.
Manuskripte
Unter seinen nachgelassenen Papieren fand man viele Vortragsskripten aus seiner Straßburger Zeit (TZW 1846, S. 44)
‘Äzre Qodäš, zum Talmud mit Festpredigten
Berith ’Avraham zum Jalkut
Responsen
Hebr. liturg. Gedichte und Gelegenheitsverse.
Publikationen
Divre ha-mächäs uvit. t. ulah zur Aufhebung des Leibzolls durch Ludwig XVI., mit Widmung an Cerf Berr, 1784
Zweite Einleitung zum ersten Band des Talmudkommentars Yad Dawid von Sinzheim, 1798
Sendschreiben gegen die Rb.-Vers. in Torath ha-Qena’uth, Amsterdam 1845, Nr. I, Bl. 2r-3r (mit seinen Söhnen und M. Frenkel)
Eine Approbation, datiert Bonn 1817; bei Löwenstein, Index, S. 26.
Epigraphik
Brocke/Bondy, Bonn-Schwarzrheindorf, S. 348f., mit Fotographie und Transkription der Grabschrift; ebd. S. 416 Grabstein seiner zweiten Ehefrau.
Literatur
AZJ 1839, S. 277, 593
Nachruf TZW 1845, S. 170; 1846, S. 39, 43-45, 53-54
Brisch, Cöln, S. 150
Fuenn, Kenäsäth Yiœra’el, S. 277
JE 298f
EJ dt. III 651f
Kober, Cologne
Siegfried M. Auerbach, The Auerbach Family, S. 16
Schwab, Chachme Aschkenaz, Nr. 3
Scholem, „Letzte Kabbalisten“, S. 226
William Stern, „Vom rheinischen Judentum“, AJW 1971, Nr. 44, Nr. 5
EJ engl. III 844
Schulte, Bonner Juden, S. 101-103
Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. IX (1982), S. 161, Nr. 1687