BHR Biographisches Portal der Rabbiner

AUERBACH, Aron, Dr.

  • Geb. 27. Feb. 1810 in Neuwied,
  • Gest. 2. Dez. 1886 in Bonn
  • Sohn des Bonner Rb. Abraham A. und der Esther-Rebekka Oppenheim, Juni 1828 bis März 1830 Talmudstudium an Jakob Ettlingers Jeschiwa in Mannheim, um 1832 stud. Marburg, 1835-1836 Rabbinatsverweser in Krefeld, verliert aber bei der Wahl, 18. Mai 1838 prom. Gießen. Ordiniert von seinem Vater und von seinem Bruder Benjamin-Hirsch A., sowie von den Rb. in Krefeld, Trier und Michelstadt/Odenwald. Am 14. Mai 1839 läßt ihn sein Vater als Nachfolger im Konsistorialrt. Bonn wählen (IA 1839, S. 174: „Nepotismus“). Die Wahl wird aus der Gemeinde angefochten, weil die Bedingungen des Wahlrechts aus der Franzosenzeit (Notabelnversammlung, Ordination durch drei inländische Oberrabbiner) nicht gegeben seien
  • A. wird nach Prüfung der Rechtslage am 30. Juli 1840 aus Berlin bestätigt. 11. Okt. 1842 Heirat mit Eva Löwenthal (1816- 1905) aus Ladenburg bei Mannheim. Unterzeichnet 1844 gegen die Rb.-Versammlung. Schwere Zerwürfnisse mit den weltlichen Konsistorialräten und dem Bonner Gemeindevorstand. Von seinen 13 Kindern wurde Zacharias A. Rb. in Elberfeld.

Dokumente

  • RM/BA Mannheim, M 10 (Mieterbuch), Häuser F5,24; G4,21; F3,11/12
  • LHA Koblenz 403/936, Bl. 33-35, Einsetzung zum Rabbinatsverweser in Krefeld
  • Ebd., 403/940, Bl. 53-170 Wahlstreit; u. a. angefordertes Gutachten aus Paris über die Rechtspraxis bei Rabbinerwahlen in Frankreich; Bl. 171ff, 217-229 Kompetenzstreit mit Konsistorium
  • PSA Brühl, Trauungsregister Bonn, 1842
  • HStA Düsseldorf, Landratsamt Bonn 126, fol. 128-147, vom Juli 1860, über die 1853 gegen ihn erhobene Anklage, er habe entgegen dem Reglement von 1806 seine Rabbinatseinkünfte durch „Wucher“ aufgebessert. Die correctionelle Appellationskammer des Kgl. Landgerichts verurteilte ihn am 26. April 1854 zu 3 Monaten Gefängnis und einer Geldbuße von 100 Talern. Auf Rekurs A.s an das Kgl. Obertribunal wurde das Urteil am 22. Juni 1854 aufgehoben.

Publikationen

  • Vorwort zu M. Mannheim (Lehrer in Köln), Lese- und Lehrbuch für israelitische Elementarschulen, 1839
  • Sendschreiben gegen die Rb.-Vers. in Torath ha-Qena’uth, Amsterdam 1845, Nr. I, Bl. 2r-3r (mit seinem Vater, Bruder und M. Frenkel)
  • Biblische Erzählungen für die israelitische Jugend, 1902.

Epigraphik

  • Brocke/Bondy, Bonn-Schwarzrheindorf, S. 472f., 492; die Inschrift, die ihm den Titel ga’- on zuerkennnt, rühmt seine Verträglichkeit und Friedensliebe.

Literatur

  • Orient 1840, S. 63
  • IA 1840, 127
  • Orient 1843, S. 282, über seinen Aufruf zur Tausendjahrfeier Deutschlands
  • INJ 1845, S. 239; er habe bei einer Trauung eine gedruckte Herxheimer-Predigt vorgelesen
  • „Verzeichniß der [...] Synagogen-Gemeinden“, 1858, S. 77
  • AZJ 1858, S. 407 über seine Synagogeneinweihung in Bad Sobernheim
  • Auerbach, The Auerbach Family, S. 93
  • Schulte, Bonner Juden, S. 101, 103-105. Einem Gemeindeglied gegenüber habe er in der Synagoge ausgerufen: ‘Ich bin hier König! Ich habe das Schwert in der Hand! Ich werde euch mit eisernen Ruten streichen!“ (S. 103)
  • Bericht über seine Synagogeneinweihung in Simmern am 16./ 17. Aug. 1844 bei Kastner, Provinziallandtag, Bd. II, S. 844ff
  • Klein, „Kurköln“, S. 270f
  • Zittartz- Weber, Rheinprovinz, S. 327-336
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 352, 403, 613.