Geb. 1758 vermutlich in Lokachi (Lukacz), Wolhynien,
Gest. 25. Aug. 1846 in Rawicz, Prov. Posen
Jüngster Sohn des späteren Glogauer Oberrb. Sal.-Berusch H. und der Feigele, Tochter des Frankfurter Oberrb. Jakob-Josua Falk Pene Yehošua‘, 1780 Schwiegersohn des Lemberger Oberrb. Salomon von Chełm (1717-1781) und Niederlassung in Rawicz, dort seit 1786 Dajan. 1793 verwitwet, heiratet in zweiter Ehe eine Tochter des Amsterdamer Oberrb. Saul Löw. 5. Juni 1800 bestätigt als Rb. („Vizerabbiner“) in Königsberg, welches Amt er wegen Mißhelligkeiten freiwillig niedergelegt haben soll. 1814 Oberrb. in Rawicz als Nachf. seines Bruders Salomon, unterliegt kurz darauf bei der Wahl des Oberlandesrabbiners in Breslau mit 13 : 18 Stimmen gegen Abraham Tiktin. Hält eine Jeschiwa. 1819 trägt er zu den ’Eläh divre ha-berith bei. Als der für das Oberrt. der Fürther Gemeinde ausersehene Tiktin starb, Eleasar Löw und Moses Sofer aber zurücktraten, wurde H. auf Empfehlung des letzteren am 11. Feb. 1821 gewählt, jedoch verweigert ihm die bayerische Regierung die Einbürgerung. Ca. 1828 erblindet, wurde er in seinem hohen Alter erfolgreich operiert.
Dokumente
GStA Berlin, Ostpreußen II 4508, über seine Einsetzung in Königsberg
StA Nürnberg, RA 1932, Tit. Judensachen, Nr. 88, über seine Wahl in Fürth, enthält lobenden Brief des Rawiczer Polizeidirektors über seine deutschen Sprachkenntnisse und wissenschaftliche Bildung, dazu Empfehlung des Fürther Gemeindevorstands vom 26. Feb. 1821; er habe „treffliche Jugendbildung im vätterlichen Hause zu Hanover“ (sic) genossen, so daß er „neben dem Rufe seiner Gelehrsamkeit, die Talente, die der Zeitgeist an die Seite derselben so weißlich fordert, vollkommen besitzt“
CAHJP Jerusalem PL/Ra 35: Die Vocation und Justitirung der Rabbinatsvorsteher 1839-1841
CJA Berlin, 75 A Ra 5 Nr. 10, fol. 54 mit Nekrolog
In den Quellen ist stellenweise auch die falsche Namensform Hirschfeld attestiert.
Publikationen
Gutachten in David Caro, Neqam Berith, S. 59f
Siebzehn Approbationen, datiert Königsberg 1810 und Rawicz 1818-45; bei Löwenstein, Index, S. 19 und 72.
Epigraphik
Grabinschrift bei Zinz, ‘At. ärät Yehošua‘, S. 50.
Literatur
Jolowicz, Königsberg, S. 111f und die Anm. S. 112f: „Der würdige Rabbiner Herzfeld legte nach den Freiheitskriegen sein hiesiges Amt freiwillig nieder. Als man ihn nach dem Grunde fragte, antwortete er, weil dies die erste Frage sei, die während seiner Beamtung an ihn gerichtet worden“, im Wortspiel auf dem terminus technicus še’elah, d. i. Anfrage um ein religionsgesetzliches Gutachten. Jolowicz weiter: „ich hatte das Glück, ihn zu Anfang des Jahres 1830 persönlich kennen zu lernen, und in ihm einen Mann von einiger deutscher Bildung zu finden“
Landshuth, ’Anše Šem, S. 32
Eisenstadt und Wiener, Da‘ath Qedošim, S. 143
Rosenthal, Königsberg, S. 8, 45f
Löwenstein, „Fürth“, I, S. 208f
Heppner und Herzberg, S. 892-894
Zinz, ‘At. ärät Yehošua‘, S. 49f
Krüger, Königsberg, 1966, S. 42
Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. IX (1982), S. 162, Nr. 1694