Sohn des Kaufmanns Ruben H. und der Friederike Levi, mit 15 J. zum Gymnasium in Nordhausen, mit 19 J. Abitur, lernt kurze Zeit bei Bing in Würzburg, dann bei Egers in Braunschweig. 27. Apr. 1833 imm. Berlin, Triennium mit Betreuung durch Rb. Öttinger, Rosenstein und Zunz, 8. Apr. 1836 prom. Berlin, 1836 Prediger und „Assistent“ des erblindeten Egers, der ihn auch ordiniert, Bewerber in Emden (1841), 1841 Leiter der Religionsschule, Gottesdienstreformer, führt Konfirmation und dt. Liturgie ein. Heirat mit Georgine Salomon. 1843 als Egers Nachfolger Landesrb. in Braunschweig, Gastgeber der 1. Rb.-Versammlung, Teilnehmer der 2.- 3.
entzieht sich in der Folge dem Meinungsstreit. Seine „mangelnde Wärme“ bei Predigten wird kritisiert („... ist den Leuten zu gelehrt gewesen, zu ’philosophisch’ ut dicunt“
Zunz)
doch er bemüht sich eigenen Bekennens, die verschwindende Religionsübung durch den „letzten Faden“ einer „Pietät für das Jüdische“ (Predigt 1880, bei Wilhelm, S. 69) und „ein eigenes, besonderes Gefühlsleben“ (AZJ 1871, 692) zu ersetzen. Einführung der Orgel 1875. Leitet mit Philippson und Goldschmidt 1860-73 das „Institut zur Förderung der israelitischen Literatur“
25. Apr. 1879 Ernennung zum Professor.
Dissertation
Chronologia Judicum et primorum Regum Hebraeorum, Diss. Berlin 1836 (mit Widmung an Zunz).
Dokumente
JM Frankfurt/M., PSR B 070, fol. 73, Nr. 37, Familienbuch der jüd. Gem. Ellrich
CJA Berlin, 75 A Se Nr. 6, Schulinspektion in Seesen, 1851/53, 1867
CAHJP Jerusalem, TD 903 Braunschweig, enthält zwei Predigten von 1875
Ebd., Inv. 6599 enthält das Verzeichnis seiner Bibliothek vom 1. Dez. 1876; von den insges. 783 Bänden entfallen weniger als die Hälfte (387) auf Judaica.
Publikationen
Zwei Predigten gehalten zu Braunschweig, 1838
Kohelet, übersetzt und erläutert, Braunschweig 1838 (Rez. IA 1839, S. 102-104)
Mitarbeiter am Orient (1841-44)
Predigt, Braunschweig 1842
Das Deutsche in der Liturgie der Braunschweiger Synagoge, eingeführt noch unter dem seligen Landesrabbiner S. L. Eger, Braunschweig 1844
Zwei Predigten über die Lehre des Messias, 1844
„Einleitende Worte bei Eröffnung der ersten Rabbinerversammlung in Braunschweig den 12. Juni 1844“ und „Rede bei Enthüllung des Leichensteines für den verstorbenen Landrb. Herrn Sam. Eger, am 16. Juni 1844“, in Protokolle ... 1844, Anh. 3 und 5
Enthalten unsere biblischen Schriften wirklich nicht die Lehren, welche ihnen häufig abgesprochen werden? Predigt, 1845 [GJ]
Die religiöse Reform. Predigt zur Synagogeneinweihung, Nordhausen 1845
Vorschläge zu einer Reform der jüdischen Ehegesetze, mit Bezug auf Holdheims Buch zu dieser Frage, 1846
Drei Abhandlungen zur Synagogengeschichte: Über einige biblische Bücher - Die Entstehung der Quadratschrift - Die Entstehung des Bibel-Canons, Nordhausen 1846
Geschichte des Volkes Israel von der Zerstörung des Ersten Tempels bis zur Einsetzung des Makkabäers Schimon zum hohen Priester und Fürsten, Bd. I Braunschweig 1847; Bd. II-III u. d. T. Geschichte des Volkes Jisrael von der Vollendung des Zweiten Tempels etc., Nordhausen 1855-57; gekürzte Ausg. Leipzig 1870. Jost, Judenthum III 364: „ein sehr gelehrtes Werk [...] von mehr reformistischen Standpunkte; eine Arbeit deutschen Fleisses“
„Chronologische Ansetzung der Schriftgelehrten von Antigonos aus Socho bis R. Akiba“, MGWJ 3 (1854), S. 221-229, 273-277
„Wann war die Eroberung Jerusalems durch Pompeius, und wann die durch Herodes?“, MGWJ 4 (1855), S. 109-115
Tefillas Jisrael. Das Gebetbuch der jüdischen Gemeinde zu Braunschweig, 1855; 2. durch Anhänge etc. vermehrte Ausgabe 1874
„Zur Geschichte des Barkochba“, MGWJ 5 (1856), S. 101-111
„Über die Lage von Petra“, ebd., S. 186-189
Predigten, enthält 28 Pred. aus den Jahren 1841-44, Nordhausen 1858; 2. verm. Ausg. Leipzig 1863, 296 S
Minh. ath Zikkaron. Gabe für das Gedächtniß, enthält ein Vocabularium zu den hebr. Gebeten, eine Zeittafel der jüd. Geschichte bis zur Gegenwart, nebst Abriss der Geographie von Palästina, zum Gebrauche in jüd. Religionsschulen, Nordhausen 1861; 2. Aufl. Leipzig 1866
Predigt zum Jubelfeste des 1000jährigen Bestehens der Stadt Braunschweig, 1861
Eine Pfingstenpredigt, Leipzig 1863
Predigt zur Jubelfeier am 18. Octbr. 1863, Braunschweig 1863
Drei Predigten, Leipzig 1863
„Metrologische Voruntersuchungen zu einer Geschichte des ibräischen respektive altjüdischen Handels“, JJGJ 3 (1862), S. 95-191; auch separat in 2 Heften, Leipzig 1863-1865
Zwei Vorträge über die Kunstleistungen der Hebräer und alten Juden, gehalten 1863 im Kunst-Club zu Braunschweig, 1864
Revidirte Agende der Gebräuche und Gebete in Sterbefällen eingeführt in Braunschweig, 1866
Gutachten ausländischer Rabbinen, S. 17f, gegen die ungarische Trennungsorthodoxie
Zwei Predigten zur Einweihung der neuen Synagoge in Braunschweig, Braunschweig 1875 [Expl. JNUL S36-B-1493]
Handelsgeschichte der Juden des Alterthums. Aus den Quellen erforscht und zusammengestellt, Braunschweig 1879; 2. Aufl. 1894, darin S. iii-xlv Gustav Karpeles, „Biographische Einleitung“, über H. als „Reformjude“: „der gefährliche Zwiespalt zwischen dem Schriftsteller und dem Rabbiner existirt für ihn nicht [...] Er hat den Muth, das, was er als Schriftsteller erforscht hat, auch als Rabbiner zu bekennen [...] Es ist wichtig zu bemerken, dass Herzfeld schon mit diesen Anschauungen ins Amt tritt. Eine Entwicklung auf religiösem Gebiete, mit heissen Seelenkämpfen verbunden, hat er nicht durchgemacht [...] Es war ein Glück für Herzfeld, dass er einen Lehrer wie Eger und eine Gemeinde wie Braunschweig hatte. Die Kämpfe, die anderwärts die Gemeinden entzweien, waren in Braunschweig längst entschieden“
Einblicke in das Sprachliche der semitischen Urzeit betreffend die Entstehungsweise der meisten hebr. Wortstämme, Hannover 1883.
Bildmaterialien
Seine Totenmaske befindet sich im Braunschweigischen Landesmuseum laut Horst-Rüdiger Jaeck und Günter Scheel (Hrsg.), Braunschweigisches biographisches Lexikon, 19. und 20. Jahrhundert, Hannover 1996, S. 269; bzw. im Jüdischen Museum Hornburg laut Nicolaus Heutger, Jüdische Spuren in Niedersachsen, Münster 1997, S. 17.
Literatur
Fürst, Bibliotheca, I, S. 388
H.s Bibelkritik verschreckte die Orthodoxen. Christliche ATProfessoren, so schreibt Hildesheimer, „sind zwar nicht an unsere Tradition gebunden, wohl aber einige ihrer wackern Schüler. So z. B. der Rabbiner (!!!???) Herzfeld, bei dem es von Pseudos (Lüge) in seiner Geschichte des Volkes Israel wahrhaft wimmelt“ (Offener Brief an [...] Leopold Löw, Wien 1858)
Steinschneider, Bodleiana, Bd. II, Sp. 1040
Kayserling, Jüdische Kanzelredner II 206-221
Lippe 1879/81, S. 175-177
Nachruf in AZJ 1884, S. 203-204
Kayserling, Gedenkblätter, S. 31
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 733, 746, 790, 826, 846f
Berliner Universitätsschriften, S. 632, Nr. 8381
Lippe 1899, S. 98
JE VI 370 mit Bildnis; Geburtsdatum hier 27. Dez. 1810, übernommen in EJ dt., DBE
JL II 1570f
Wininger III 84
EJ dt. VII 1221
Salo Baron, „L. H., the First Jewish Economic Historian“, in Louis Ginzberg Jubilee Volume, English Section, New York 1945, S. 75-104; auch in Baron, History and Jewish Historians, 1964, S. 322ff
’Äns. iqlopädyah ‘ivrith XV 407f
Kurt Wilhelm, „L. H., der erste jüdische Wirtschaftshistoriker“ in Brunsvicensia Judaica, Braunschweig 1966, S. 59-70
EJ eng. VIII 406f
Asaria, Juden in Niedersachsen, S. 406f
Ebeling, Braunschweig, 1987, S. 370f u. ö
Meyer, Response to Modernity, S. 103
DBE IV 661
Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 89, 166f
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 117, 404, 550, 575, 579.