BHR Biographisches Portal der Rabbiner

HORWITZ, Lasar

  • Geb. 14. Jan. 1804 in Floß, Oberpfalz,
  • Gest. 11. Juni 1868 in Bad Vöslau, Niederösterreich
  • Sohn des Rabbiners David Josua Halevi H., Enkel des Frankfurter Oberrb. Hirsch H. und mütterlicherseits des Kreisrb. Eleasar Kalir in Kolín, Böhmen
  • besucht die Volksschule in Floß und wendet sich erst 1817 ganz dem Talmudstudium zu, nachdem der Vater 1813 Rb. in Frauenkirchen im Burgenland geworden war. 1821-25 Schüler des Moses Sofer in Preßburg. Im Haus seines Schwiegervaters Salomon Spiegel in Deutschkreuz (Burgenland) leitet er eine Talmudschule und beschäftigt sich auch mit profanen Wissenschaften. Auf Sofers Empfehlung 1829 Rb. („Koscherfleischaufseher“) in Wien, predigt in deutscher Sprache und arbeitet mit Sofers Gutheißen mit dem Prediger und Religionslehrer I. N. Mannheimer, 1835 Gründung einer Schass-Chebre, 1836 Rb. am polnischen Bethaus, gibt 1840-48 Talmudvorträge für Rabbinatskandidaten
  • 1842 Gutachten über die Eidesformel. Unterzeichner des orthodoxen Protests gegen die Rb.-Versammlung von 1844. Er wird erst 1848 offiziell zum Rb. der Wiener Gemeinde ernannt, seine Beisitzer im Bet-Din waren S. Spitzer für die orthodoxen und R. Baruch für die spaniolischen Juden. Hält auch an dem 1862 von Jellinek begründeten Bet-Midrasch Lehrvorträge. Nachdem er im „Kompertschen Preßprozeß“ von 1864 gutachtlich bestätigt, daß die jüd. Messiaslehre dem mündl. Gesetz entstamme und auch Gesetzesübertreter weiterhin der jüd. Gemeinschaft angehörten, zieht er sich die Polemik von etwa 150 orthodoxen Rabbinern zu.

Publikationen

  • Rede zur Geburtsfeier unserer tiefverehrten und geliebtesten Landesmutter, der Kaiserinn und Königinn Carolina Augusta, abgehalten in der Israelitischen Mädchenschule in Preßburg, Preßburg 1832 (von „L. Horowitz“)
  • Hrsg. Eleasar Kallir, H. äqär Halachah, Wien 1838
  • Mitarbeiter an der Zschr. Der Orient (1841-50) und am Treuen Zionswächter; u. a. „Der Zionswächter und die Meziza“, Orient 1846, S. 338-340, 345
  • Trauerworte, gesprochen am Sarge des sel. Herrn Hermann Tedesco, hrsg. v. Ignaz Deutsch, Wien 1844
  • „Exzerpte aus einem Vortrage des Herrn Rabbiner Horwitz“, TZW 1846, S. 2-5, 10f, 20f
  • Rede zur Constitutionsfeier im israelitischen polnischen Bethause zu Wien, 1850
  • Gutachten über den Talmud (1864), bei Frankl-Grün, Kremsier, II 144-146
  • Hebr. Schutzschrift gegen Hildesheimer, 19. März 1864; bei Friedberg, Toledoth mišpah. ath Horowis. , S. 19-22; dt. Auszüge in Neuzeit 1864, S. 159: „Ein zanksüchtiger Mensch sucht Hader an mir, besudelt meine Ehre und verdächtigt meinen religiösen Glauben [...] Wer kann allen Ernsts behaupten, daß die Uebertreter, wie sie zu unserem Leidwesen vorkommen, eine Sekte bilden?“; siehe auch Eisik Hirsch Weiss, Näs. ah. Yiœra’el, Wien 1864
  • Yad ’Äl‘azar, 131 Responsen, Wien 1870, 74 Bl.; 2. Aufl. Warschau 1883
  • Exegetische Beiträge zu den hebr. Zeitschriften Kåchve Yis. h. aq, Yerušalayim, Mäggäd Yerah. im
  • Halachische Korrespondenz mit Moses Sofer, in dessen Responsen OH Nr. 135, 207, YD Nr. 128, 334, EE I Nr. 68f, II Nr. 20, 23, 37, 83, HM Nr. 207; Bd. VI Nr. 97; Qoves. ba-Liqqut. im Nr. 2 (11); neue Serie Nr. 69,6; Kåchve Yis. h. aq, 2. Aufl., Heft I, S. 37
  • Acht Approbationen, datiert Wien 1833-1847; Löwenstein, Index, S. 74. Schüler. Dr. Albert Cohen (Paris), Dr. Hirschfeld (Timiºoara/Temesvár), Dr. Frankfurter (Bielsko/ Bielitz), Dr. Schmiedl.

Epigraphik

  • Ursprünglich auf dem Währinger Friedhof (Gruppe 5-91) bestattet, wurden seine Reste am 31. Dez. 1941 überführt in ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof, Tor 1, Nr. 6-0-9; Steines, Hunderttausend Steine, S. 112f.

Bildmaterialien

  • JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis); Steines, Hunderttausend Steine, S. 112 mit Photographie.

Literatur

  • IA 1839, S. 341
  • AZJ 1858, S. 147, über seine Abschaffung der Meziza; S. 317f. Schlußsteinlegung des neuen Tempel in der Leopoldstadt
  • AZJ 1863, S. 774, Eröffnungsrede am Wiener Bet-Midrasch
  • AZJ 1864, S. 292, 721, 782, über H. im Kompertschen Prozeß
  • Nachrufe in Israelit 1868, S. 478, 498, 516f; AZJ 1868, S. 577f: „Rabbiner Horwitz gehörte zur guten alten Schule. Wir betonen die Worte ’guter alter’„ Er „war überdies von einer Bescheidenheit, Demuth und Anspruchslosigkeit, wie man sie selten findet. Schließlich betrachtete er als das wichtigste Gut einer jüdischen Gemeinde: den Frieden. Durch diese Eigenschaften hat er sich allgemeine Achtung und Anerkennung erworben“
  • Gastfreund, Wiener Rabbinen, S. 112ff
  • Fuenn, Kenäsäth Yiœra’el, S. 140f
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 759, nennt ihn „Rabbinats-Assessor in Wien“
  • JE VI 466, Geburtsdatum hiernach 1803, was von Wininger und den beiden EJ übernommen wird
  • Ha-S. ofäh me’Äräs. Hagar 2 (1912), S. 94
  • Kithve Re’uven Fa’hn: Pirqe Haœkalah, S. 204-206
  • JL II 1669
  • Wininger III 164f
  • Friedberg, Toledoth mišpah. ath Horowis. , S. 19- 22
  • Wachstein, Hebr. Publizistik
  • EJ dt. VIII 218-220
  • EJ engl. VIII 996f. mit Bildnis
  • Katz, Hä-H. atham Sofer, S. 101, 104f
  • ÖBL IV 425-426
  • Robert S. Wistrich, The Jews of Vienna in the Age of Franz Joseph, Oxford 1990, S. 101: „In spite of his strict orthodoxy Horowitz participated in temple services, placing the unity of the congregation above all other considerations. His influence and co-operation with Mannheimer delayed the open and deep religious conflict which began to emerge after 1849, pitting the more liberal Viennese and Bohemian Jews against the orthodox Hungarian and Galician immigrants“
  • Kinstlicher, Hä-“H. atham Sofer“ uvene doro, S. 72f (mit hebr. Schriftprobe)
  • DBE V 182
  • Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 58
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 124, 530, 565, 583, 598, 601, 607.