BHR Biographisches Portal der Rabbiner

HORWITZ, Pinchas, gen. Ha-Hafla’ah

  • Geb. 1731 in Chortkiv (Czortków), Ostgalizien,
  • Gest. 1. Juli 1805 in Frankfurt/M
  • Sohn des Rb. Zwi-Hirsch Halevi H. aus armen Verhältnissen, von dem Lemberger Rb. Mordechai-Seev unterstützt. Heiratet Rachel-Debora Halpern (st. 1791), Tochter des Gemeindevorstands Joel H. in Leshnyuv (Leszniow), Ostgalizien, obliegt einige Jahre lang dem Studium des Talmud und der Kabbala in Gemeinschaft seiner Brüder Nachum H. und Samuel-Schmelke H. (1726-1778), des späteren mährischen Landesrb., die beide zum Kreis der frühen chassidischen Meister Dov-Bär von Mezhirech (Meseritsch) und Schneor-Salman von Lyadi gehörten. Rb. in Witkowo in Großpolen, 1764 Rb. in Lyakhovichi (Lachowicze), Weißrußland, nimmt im „Klever Getstreit“ gegen den Prager Oberrb. Ez. Landau Stellung und erlangt so die Sympathien der Frankfurter Talmudisten, 1771 Oberrb. in Frankfurt. In der Auseinandersetzung um die Frankfurter Mystikergruppe setzt er am 10. Elul 5536 (22. Aug. 1779) seinen Freund Nathan Adler in den Bann. Energischer Gegner der Aufklärung
  • hält am 1. Tamus 5542 (13. Juni 1782) eine berühmte Rede gegen die Mendelssohnbibel und verbietet seinen Schülern, weltliche Studien zu betreiben.

Dokumente

  • StadtA Frankfurt/M., Best. Judenschaft, Ugb D 33, Nr. 55: „Der Oberrabbiner dahier erhält die Erlaubniß, um eine Augen-Cur gebrauchen zu können, in dem Schweitzerischen Hauß auf der Zeil logiren zu dürfen, 1787“
  • Ebd., Nr. 110 „Eine in das Publicum gebrachte gedruckte hämische Pičce auf den Ober-Rabbiner der hiesigen Judengemeinde P. Hurwitz betr., 1803“.

Manuskripte

  • StadtA Frankfurt, Best. Judenschaft, Ugb D 32, Nr. 100, von 1776, Gutachten für das baden- durlachische Oberamt gegen die Belustigung durch Spielleute am zweiten Tag des Laubhüttenfestes
  • Ebd., Rep. 14, Ugb D 33, Nr. 30b, vom 30. Dez. 1781, Gutachten für die kurpfälzische Regierung in Mannheim betr. Befugnisse eines Rabbinatsgerichts (hebr. Original mit beglaubigter deutscher Übersetzung); vgl. Lewin, Badische Juden, S. 62f; Gotzmann, Jüdisches Recht, S. 92- 97
  • Ebd., Best. Judenschaft, Ugb D 33, Nr. 87a, weiteres Gutachten für die kurpfälzische Reg. in Mannheim, 1797
  • StadtA Frankfurt/M., Fremde wider Fremde Ugb D 77, Nr. 753, vom 25. Nov. 1801, Gutachten in einer waldeckischen Streitsache betr. unbeschränkte Gültigkeit des ’Orah. H. ayyim.

Publikationen

  • Sefär ha-Hafla’ah, Teil I: Ketubbah, Talmudauslegungen zu Ketubboth und den entsprechenden Kapiteln im EE, mit dem Kommentar Šäväth ’Ah. im zu EE §§ 66-118, Offenbach 1787, 90 + 86 Bl.; Lemberg 1826, 168 Bl.; Sudilkov 1836, 169 Bl., Lemberg 1860 (reprod. Jerusalem 1961; NY 1964; Brooklyn 1976), Warschau 1861 (reprod. Brooklyn 1943 [JNUL S59-A-1072]), Lemberg 1894
  • Tefilloth weŠirim, Huldigungsgedichte zu den Krönungsfeiern der Kaiser Leopold und Franz, Fft./M. 1790 und 1792
  • Gebet, welches von dem Frankfurter Oberrabiner verfasst und nach der am 5ten July glücklich vollzogenen Kayserwahl von der Frankfurter Judengemeine in der erleuchteten Synagoge am Freytag Abend, den 13ten July 1792, unter der hiezu angestimmten Chormusique feyerlich abgelesen worden ist, hebr./dt., o. O. n. J. [1792], 3 Bl. [Expl. StuUB Frankfurt Wf 34]
  • Sefär ha-Hafla’ah, Teil II: Sefär ha-Miqnah [Jer. 32,11], Talmudauslegungen zu Qiddušin und EE §§ 25-26, Offenbach 1801, 256 fol., Lemberg 1818; Sudilkov 1835, Lemberg 1860, 193 Bl. (reprod. Brooklyn 1940, NY 1962, TA 1963, Brooklyn 1975, Jerus. 1975), Lemberg 1895
  • Tochah. ath Musar, Predigt gegen die Bibelübersetzung Mendelssohns, Fft./M. 1802
  • Halachische Korrespondenz mit dem Fürther Oberrb. M. S. Kohn in dessen Bigde Kehunnah, 1807, Bl. 79v
  • Panim Yafoth, Auslegungen zum Pentateuch nach chassidischer Methode, im „Ostrower Pentateuch“, Ostrów 1824-26; Neuauflagen Warschau 1848, 1876, 1885 u. ö.; Separatausgaben Lemberg 1840; Ostrów 1851, 268 Bl
  • Nethivoth Lašaväth [Jes. 58,12], zu EE §§ 1-23, Lemberg 1837, 48 Bl.; 2. Aufl. 1873
  • Giv’ath Pinh. as, Responsen, Lemberg 1837, 47 u. 31 fol., Józefów 1886, 68 Bl. (reprod. Brooklyn um 1960)
  • Sefär ha-Hafla’ah [Teil III] Talmudauslegungen aus dem Nachlaß, Bd. I zu Berachoth, Šabbath, Pesah. in, Yoma’, Sukkah, Bes. ah und den entsprechenden Kapiteln des OH; Bd. II zu H. ullin, Yevamoth, Git. t. in und Nedarim; Bd. III zu Baba’ Qamma’, Baba’ Mes. i‘a’, Baba’ Bathra’, Sanhädrin und den entsprechenden Kapiteln des HM, Wilna 1890, 44 + 63 + 42 Bl. (reprod. Brooklyn 1975); die Auslegungen zu Git. t. in auch unter dem Titel Sefär ha-Kerithuth [Deut. 24,1]
  • H. idduše Hafla’ah ‘al Berachoth, im Anhang vermischte Auslegungen zu den Kodizes, Mukachevo (Munkács) 1895, 43 Bl
  • Responsum „Be‘inyan ’Tiš‘ah we‘äväd mis. tarefin’„ in Moriyyah XX, Nr. 8-9 (1995), S. 17-18
  • Sechzehn Approbationen, datiert Frankfurt 1767-1768, Brody 1771, Lyakhovichi 1772, Frankfurt 1784-1803; Löwenstein, Index, S. 75.

Epigraphik

Literatur

  • Graetz, Geschichte3, Bd. XI, S. 41, 391, 557f, insbes. über seine Verurteilung der Mendelssohnbibel
  • Baeck, Geschichte, S. 489
  • Walden, Šem ha-Gedolim hä-h. adaš, S. 115f. „Im Alter erblindete er. [...] Vermögende Leute bestellten zu ihm zwei berühmte Ärzte; er aber wollte den Star nur aus aus einem Auge entfernt haben, und sagte: für diese Welt bedarf es nichts als der Tora und ein einziges Auge ist ausreichend“
  • Horovitz, Frankfurter Rabbinen, S. 202-253
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 756
  • JE VI 468f
  • Dietz, S. 157-158
  • Wininger III 171
  • EJ dt. VIII 237f, Geburtsdatum lt. der beiden letzteren Werke 1730
  • Eliav, Jüdische Erziehung, S. 44, 57, 141
  • Hallah. mi, H. achme Yiœra’el, S. 188
  • ’Äns. iqlopädyah ‘ivrith XIII 947
  • EJ eng. VIII 999-1002
  • Arnsberg, Hessen, Bd. II, S. 78
  • Arnsberg, Neunhundert Jahre, S. 54-61
  • Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. IX (1982), S. 121, Nr. 1220
  • Arnsberg, Frankfurter Juden III (1983), S. 220-222
  • Bedřich Nosek, „Shemuel Shmelke ben Tsvi Hirsh ha-Levi Horovits. Legend and Reality“, Judaica Bohemiae 21 (1985), S. 85, danach habe der chassidische Maggid von Mezhirech Pinchas H. nach Frankfurt gesandt
  • Maier, Jüdische Religion, S. 474-475, 483
  • Kinstlicher, Hä- “H. atham Sofer“ uvene doro, S. 335-337, mit hebr. Schriftprobe
  • Klötzer (Hrsg.), Frankfurter Biographie, Bd. I, S. 357
  • Feiner, Mahpechath ha-Ne’oruth, S. 66, 113, 125, 182f, 186, 338, 385f
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 28, 106, 161, 169, 195, 210, 222, 228, 233, 571.