Sohn des Jona Jeitteles, Schüler der Jeschiwa von Oberrb. Ezechiel Landau, verheiratet mit Fradel Porges, Tochter des vermögenden Samuel P.
studiert und lehrt zeitlebens im Haus seines Schwiegervaters Samuel Porges
für den Unterhalt seiner Jeschiwa sorgte seine Frau. Als einziger der Prager Talmudisten war er auch in weltlichen Wissenschaften bewandert. Mit einer pilpulistischen Gedenkrede auf den Oberrb. Ezechiel Landau wollte er sich für die Nachfolge empfehlen, was eine Polemik mit dem Me’assef auslöste. 1807 meldete er sich als erster böhmischer Rabbiner für das philosophische Examen, zog seine Meldung aus Rücksicht auf die Kollegen aber zurück. Sein früher Tod wird seiner aufopferungsvollen Versorgung der Kriegsverwundeten zugeschrieben.
Publikationen
‘Ammud ha-Šah. ar, zum rb. Zivilrecht, Prag 1785
Ma‘arche Lev [Prov. 16,1]. Herzensergiessung Israelitischer Patrioten bei Gelegenheit der von der jüdischen Nation wegen Eroberung von Belgrad abgehaltenen Feierlichkeit, hebr. mit dt. Übs. von Meir Dormitzer, Prag 1789
Megillath ’Echah, Gedenkrede auf den Oberrb. Ezechiel Landau, Prag 1793
‘Emäq ha-Bacha’ [Ps 84,7], weitere Gedenkrede auf Ez. Landau, Prag 1793, 19 Bl
Sefär ha-’Orev, Verteidigung der Stiftsrabbiner Jakob Günzberg und Michael Bachrach gegen Samuel Landau, zugleich Abrechnung mit der Haskalah Aron Wolffsohns unter dem Pseudonym „Pinchas Chananja Argozi de Silva“, [Wien] 1795, 20 Bl
Œih. ah ben šenath 560 uven šenath 561, über die Frankisten, Prag 1800
T. a‘am ha- Mäläch, Superkommentar zum Ša‘ar ha-Mäläch des Isaac Nunes Belmonte über den Kodex des Maimonides, Brünn 1801-03
Dt. Predigt über die Kuhpockenimpfung, Prag 1805
Pärah. ‘al Qävär ’Avi, Gedenkrede auf seinen Vater, Prag 1807
Zwei Approbationen, datiert Prag 1804 u. 1813; Löwenstein, Index, S. 93.
Epigraphik
M. E. Stern, „Epitaph des Baruch Jeiteles“, LdO 1840, S. 553f; Lieben, „Erster Wolschaner Friedhof“, S. 19, gibt als Geburtsdatum fälschlich den 9. Aug. 1779 und als Todesdatum den 17. Dez. 1813 (nach JE/Wininger 18. Dez., nach anderen 27. Dez.). „Privatgelehrter, Schöngeist, fruchtbarer Schriftsteller über talmudische Prinzipien und gewisse Prager Streitigkeiten“.
Literatur
Aron Wolffsohn in Ha-Me’assef 7,1 (1794), S. 79-91, prangert J.s Gedenkrede auf Landau als Verrat an der Aufklärung an
Steinschneider, Bodleiana, Bd. II, Sp. 1379, 2103
Kayserling, Jüdische Kanzelredner I 419
Fuenn, Kenäsäth Yiœra’el, S. 194
ADB 13 (1881), S. 753
Berstein, Pithgamim me-H. achamim, S. 7f
JE VII 90, Todestag 18. Dez
BLGBL II 35
JL III 172
N. M. Gelber, „Die böhmisch-mährischen Juden und das napoleonische Sanhedrin“, Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei, 1930/31, S. 60f, mit Brief David Sinzheims an ihn vom 16. Okt. 1806
EJ dt. VIII 1061f
Klemperer, „Rabbis of Prague“, S. 74-76, 79
Kestenberg-Gladstein, Neuere Geschichte, Bd. I, S. 115-146
Katz, Out of the Ghetto, S. 136, 151
Maier, Jüdische Religion, S. 551f
Feiner, Mahpechath ha-Ne’oruth, S. 365, 388- 393
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 46, 72, 81, 120, 216, 269, 271, 303, 534.