Geb. 1795 in Izbica Kujawska (Isbitz) in Russisch-Polen,
Gest. 16. Juni 1851 in Moisling b. Lübeck
Sohn des Joel, Rb. in Wronki (Wronke), und der Hannah, einer Tochter des Oberrb. David Tevele in Leszno (Lissa)
geboren kurz nach der preußischen Besitznahme letzterer Stadt, als seine Eltern vor einem Pogrom auf die russische Seite geflüchtet waren. Heiratet seine Cousine Esther Joel (1798-1826)
wird Dajan in Leszno (Lissa), dann in Inowrocław (Inowrazlaw). Juni 1825 zum Rb. in Moisling auf dem Gebiet der Hansestadt Lübeck berufen, zugleich als Vorbeter und Beschneider tätig
schließt hier seine zweite Ehe mit Mindel, Tochter des Rb. Abraham Gedalia in Kopenhagen. Wird 1838 von der Reformpartei beim Landgericht Lübeck auf Verletzung der Pflichttreue verklagt
v. a. sabotiere er nach Kräften die Gemeindeschule
ein siebenjähriger Kulturkampf schließt sich an. Massive Beschwerden kommen 1844: „Seine Unwissenheit sei so groß, daß er kaum deutsch lesen und schreiben könne, daß er von jüdischer Geschichte und Literatur nichts wisse und selbst die positive Lehre des Judentums nicht klar und geläufig beherrsche“. Das Gericht fordert die Gutachten von Holdheim und Rießer ein, entscheidet aber am 12. April 1844, den Anklagen liege „Partheygeist“ zugrunde.
Publikationen
Predigt und Gebet, gehalten bei der Einweihung der neuen Synagoge zu Moisling am 10. August 1827, Lübeck 1827 [Expl. JNUL S75-B-339].
Epigraphik
Sein Grabstein bei Albrecht Schreiber, Über Zeit und Ewigkeit. Die jüdischen Friedhöfe Lübecks, Lübeck 1988, S. 72. Das Todesdatum ist hier mit 23. Juni 1851 angegeben.
Literatur
Carlebach, Lübeck und Moisling, S. 110 (mit Wiedergabe seines Reisepasses von 1825), Winter, Moisling/Lübeck, S. 169-175 (mit Wiedergabe des Anstellungsvertrages vom 7. April 1825: muß eine Ordination aus Altona beibringen, einmal monatlich predigen, von Pessach und Kippur finden „Hauptpredigten“ statt), 177-179 Dokumente des Streits von 1843/44
The Joel- Adler-Carlebach Families, Jerusalem 1996, S. 5-13