Früh verwaister Sohn des Dorfkantors, war zum Viehhandelsberuf bestimmt, doch widmet sich nach einem Reitunfall dem Studium, 4 J. Talmud in Metz bei Meyer Lazard, 20. Sept. 1827 nach Mannheim zur Jeschiwa von Jak. Ettlinger, von dort 2. November 1831 imm. Heidelberg, WS 1833 provisorische Erlaubnis zum Besuch der Vorlesungen in Bonn, 15. Juni 1835 regulär immatrikuliert, bleibt bis WS 1837, Lehrer in Offenbach und Frankfurt/M., Prediger in Luxemburg
Feb. 1840 wird eine Berufung nach Koblenz vom Bonner Konsistorium hintertrieben. Erhält die rb. Ordination von den Reformrabbinern Lion Ullmann (Krefeld, 24. Aug. 1841), Jos. Friedländer (Brilon, 25. Aug. 1841) und Abr. Geiger (Breslau, 27. Okt. 1841). Mit 19 von 25 Wahlmännerstimmen wird er am 18. Aug. 1841 zum Oberrb. in Trier gewählt und am 15. Dez. in sein Amt eingeführt. Obwohl er einen der größten rb. Sprengel Deutschlands betreut, kann ihm das Konsistorium nur 400 Tl. zahlen. 18. Dez. 1844 Heirat mit Rebecka von Biema. Teilnehmer der 1.-3. Rb.-Versammlung und der Kasseler Rb.-Versammlung von 1868. Gemeinsam mit dem Bonner Rb. A. Auerbach gelingt es ihm, die Anordnung vom 9. Aug. 1847 zur Auflösung der rhein. Konsistorien rückgängig machen zu lassen
ein Ministerialreskript vom 9. Mai 1849 überläßt es den Kultusgemeinden, sich dem Konsistorium unterzuordnen oder nicht. 9. Sept. 1859 Einweihung der neuen Trierer Synagoge gemeinsam mit dem Frankfurter Reformer Leop. Stein. Starb während eines Besuchs bei seiner in Amsterdam lebenden Tochter.
Dokumente
RM/BA Mannheim, M 10 (Mieterbuch), Häuser F1,2; F3,7; F3,16; F3,15
LHA Koblenz 403/940, Bl. 73-81, Koblenzer Juden versuchen, gegen das Bonner Rt. seine Berufung durchzusetzen
GStA Berlin, Rep. 76-III, Sekt. 1, Abt. XIIIa, Band 1i, fol. 207-215 „Bericht des isr. Consistoriums zu Trier an die Regierung zu Trier, die Kultus- und Schulverhältnisse der Juden betr.“, 8. Juni 1843
LHA Koblenz, 442/3002, Dezennaltabellen mit Eintrag der Heiraten „822, Kahn Joseph, Rebecka von Biema 18 Decmber 1844; 823 Kahn Joseph, Straßer Veronika 12 July 1848“ und der Geburten „Kahn Berthe 16. Feb. 1846; Kahn Rose Emilie 28. Nov. 1850; Kahn Sara Sophie 19. Okt. 1849“
LHA Koblenz, 442/3803, S. 31-39 vom 19. April 1847; ebd., 422/ 3798, S. 5-12 vom 26. Feb. 1861, S. 29-54 vom 22. Aug. 1861, Gesuche um Gehaltserhöhung mit Darstellung seiner Amtsverhältnisse und der Bedürfnisse seiner fünfköpfigen Familie; ebd. unter dem 20. Okt. 1860 würdigt das Konsistorium die „unermüdliche und segensreiche Thätigkeit“ Kahns. „In diesem fast dürftigen Verhältnisse ist der verehrte Mann gleichwohl nicht ermüdet, mit Begeisterung das Gute zu schaffen und durch unausgesetzte Reformen in ächter Gewissenhaftigkeit die Cultusverhältnisse des Bezirks im Innern wie nach Außen zu erheben“. Sein Familienleben diente „an Bildung und edler Sitte dem ganzen Sprengel zum erhebenden, segensreichen Beispiel“. Auch seine zwei Jahre zuvor verstorbene Ehefrau wird nicht vergessen, „die allen Familien des Bezirkes eine Freundin, allen Armen und Bedrängten eine Wohlthäterin war“.
Publikationen
„Die Spuren alter Buchstaben-Vertauschung“, IA 1839, S. 259 (gegen die Präsenz des ’ATBaŠ in der Bibel), ebd. auch Verweis auf eine fast publikationsreife Bonner Preisarbeit über den Propheten Sacharia, die wegen Mängeln der Form nicht prämiiert, aber gelobt wurde
„Religiöse Gebräuche bei Leichenbestattungen“, IA 1839, S. 307f, 315f
Welche Gedanken und Entschlüsse müssen in dem Israeliten, nach den Vorschriften seiner Religion, entstehen, wenn er seinen König von Angesicht zu Angesicht schauet! Rede, gehalten bei der besonderen Gottesdienst, welcher zur Ehre Seiner Majestät unseres Allergeliebtesten und Allergnädigsten Königs Großherzogs Wilhelm II. bei Allerhöchst derselben Anwesenheit in unserer Stadt Luxemburg, am 21. Juni in der Synagoge angeordnet ward, Luxemburg 1840
Das Pesach- als Aussöhnungsfest. Predigt, gehalten in der Synagoge zu Saarlouis, Saarbrücken 1841
Die Bestrebungen der neuen Rabbinen zielen nur darauf hin, das wahre alte Judenthum wieder herzustellen, Antrittspredigt, Trier 1841. Vgl. Orient 1842, S. 60: „Derselbe erklärte sich in seiner Antrittsrede offen und freimüthig zum Systeme der modernen Rabbinen“
Der christlich-bürgerliche Neujahrstag für den Israeliten, Predigt, 1842
Gutachten zugunsten Abr. Geigers, 18. Nov. 1842, in Rabbinische Gutachten über die Verträglichkeit der freien Forschung ..., Bd. II, S. 12-44
Ueber Zweck und Wesen der Rabbiner- Versammlung, Trier 1845
Die Feier der Einweihung der neuen Synagoge zu Trier am 9.-10. September 1859, 1860
„Bemerkungen über die Richtung der heil. Lade in der Synagoge“, Ben- Chananja 1860, S. 374ff
„Die kleinen und kleineren Gemeinden“, AZJ 1861, S. 161f, mit Klage über den großen Mangel an Lehrern und Vorbetern
Forderung nach staatl. Unterstützung für das jüd. Kultuswesen, AZJ 1862, S. 319
Über Lehrerversammlung Westfalen und Rheinland, AZJ 1862, S. 568ff
Gott, der Vater der Waisen! Rede zur Einweihung des jüd. Waisenhauses zu Paderborn, Paderborn 1863
Jeder bei seiner Fahne, Predigt, Trier 1863
Liebe und Versöhnung nach der Lehre des Judenthums, Predigt, Trier 1866
„Über die Kareth-Strafe“, Die Neuzeit 1870, S. 54-56, 78f
Leichenrede auf einen jüd. Kaufmann, der im Streit von einem Offizier erstochen wurde; siehe Zenz, Trier, Bd. II, S. 201.
Literatur
IA 1839, S. 285, über Predigten als Rabbinatskandidat
AZJ 1840, S. 656; 1841, S. 523f.; IA 1840, S. 158, 219; 1841, S. 15, 286; Orient 1840, S. 137, 151, 186, über die Trierer Wahl
AZJ 1842, S. 22, 137f., Amtseinführung- AZJ 1845, S. 709, über Proteste der Orthodoxen
Orient 1846, S. 118, über Beilegung des Gemeindezwists
AZJ 1846, S. 94, Ehrbezeugung an den „sehr würdigen und geachteten jüdischen Gelehrten Herrn Moses Levy“ in Merzig/Saar
Fürst, Bibliotheca, Bd. I, S. 139
AZJ 1850, S. 684, K. über Gemeindezusammenschlüsse
AZJ 1852, S. 18f
AZJ 1852, S. 538, Synagogenweihen in Bernkastel und Schweich
AZJ 1854, S. 592
AZJ 1855, S. 30f, 342, Sammlg. von Spenden für Palästina
AZJ 1855, S. 320, Rts.-, Schul- u. Kultusverhältnisse in Trier
„Verzeichniß der [...] Synagogen-Gemeinden“, 1858, S. 85f, „welcher den Reg.-Bez. Trier alljährlich bereist, die Schulen inspicirt, sämmtliche Gemeinde-Angelegenheiten wahrnimmt und ordnet“; er ist zugleich Vorsteher der jüd. Schule in Trier. Die 5.273 Juden des Reg.-Bez. hatten keinen zweiten Rb
AZJ 1858, S. 530f, Protestnote an den Papst in der Mortara-Affäre
AZJ 1858, S. 702; 1863, S. 479, Einsatz für das jüd. Waisenhaus in Paderborn.AZJ 1859, S. 594, Synagogenweihe in Trier
AZJ 1863, S. 363, 444, Gedächtnisfeier für Gabriel Rießer
AZJ 1865, S. 664f, zum Kongreß der kath. Vereine Deutschlands eingeladen, tritt er gegen die Anfeindungen judenfeindlicher Redner in die Schranken
AZJ 1865, Nr. 51, Beil., Synagogenweihe in Neunkirchen
Flugblatt wg. Spendensammlung für ein Jubiläumsgeschenk, hrsg. „Das Comité für die Feier der 25jährigen Amtsthätigkeit des Herrn Ober-Rabbiner Kahn“, Trier, Oktober 1866
AZJ 1866, S. 800; 1867, S. 28f, Feier des 25jährigen Dienstjubiläums
Kayserling, Jüdische Kanzelredner II 298-305
Nachruf in der AZJ 1875, S. 492f: „Hat Kahn für seine Ansichten nicht durch größere literarische Leistungen gewirkt, so wird doch sein Name unter den strebsamsten und pflichtgetreuesten Rabbinern unserer Zeit dauernd genannt werden. L. Ph.“
Nachruf in der Neuzeit 1875, S. 241
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 820
JE VII 413
Zenz, Trier, Bd. II, S. 201f, 206, fälschlich „der orthodoxe Kahn“ (S. 202)
Jacobs, Trier, S. 25f
Kastner, Der Rheinische Provinziallandtag, 2/1, S. 335f