BHR Biographisches Portal der Rabbiner

KALISCH, Isidor

  • Geb. 15. Nov. 1817 in Krotoszyn (Krotoschin), Prov. Posen,
  • Gest. 11. Mai 1886 in Newark, New Jersey
  • Sohn des rb. Gelehrten Burnham K. und der Sarah Tobias, Studium an den Universitäten von Berlin, Breslau und Prag, anscheinend als Gasthörer. Rückkehr in die Heimatstadt, wo er 1843 die erste dt. Predigt hält. 1843 Heirat mit Charlotte Bankmann (1818-1856), Tochter des Abner B. Wegen Teilnahme an der Revolution von 1848 muß er nach London emigrieren, nach einigen Monaten entscheidet er sich für die Auswanderung in die USA und erreicht nach Überfahrt mit der „Rolla“ am 28. Aug. 1849 New York. 24. Juli 1850 Rb. der orthod. Gemeinde „Anshe Chesed“ in Cleveland, Oh., und kurz darauf der von dieser abgespaltenen Reformgemeinde „Tiferet Jisrael“. Gastgeber der Versammlung von neun deutschstämmigen Reformrabbinern am 17. Okt. 1855, aus der der das Gebetbuch Minhag Amerika hervorging. April 1856 Rb. der Gem. „Ahabat Achim“ in Cincinnati, Oh., 1. Mai 1857 Rb. der „Benai Jeshurun“ in Milwaukee. 1860 scheidet er aus dem Amt und zieht als fahrender Prediger und lecturer durch die USA. 1861 Rb. der „Hebrew Congregation“ in Indianapolis, Aug. 1864 Rb. der Gemeinde „Beth El“ in Detroit, Mich.
  • 1866 Rb. der „Hebrew Congregation“ in Leavenworth, Kan., Okt. 1868 läßt er sich als Übersetzer in New York nieder, dort im Frühjahr 1869 Eröffnung einer Privatschule in der West 36th Street. Nach dem Scheitern dieses Unternehmens zieht er wieder als Vortragender durch die Staaten. Kurzzeitig amtiert er als Rb. der Gemeinde „B’nai Abraham“ in 173 Plane St., Newark, N. J.
  • Aug. 1872 wird er Rb. von „Ohavay Scholom“ Nashville, Tenn., Sept. 1875 kehrt er zurück ins Rt. der „B’nai Abraham“ in Newark. Am 30. Mai 1883 Lähmung infolge eines Schlaganfalls.

Publikationen

  • Mitarbeiter der Zschr. Der Orient (1841-44, damals in Krotoszyn ansässig)
  • Schlacht-Gesang der Deutschen, 1843. Dieses patriotische Lied, das K. dem preußischen Kronprinzen schickte, wurde mit der Melodie des Breslauer Kapellmeisters Müller populär
  • Wegweiser für rationelle Forschungen in den biblischen Schriften, oder was lehrt das Urchristenthum und was der Mosaismus?, Cleveland 1853, 293 S.; engl. Übs. A Guide for Rational Inquiries into the Biblical Writings, London 1858
  • Gebet-Buch für den oeffentlichen Gottesdienst und die Privat-Andacht, Cincinnati 1857
  • Protest gegen D. Einhorn, New Yorker Criminal Zeitung 10 (1861), S. 61, vom 1. April 1860
  • Töne des Morgen-Landes, Detroit 1865, Hymnen, Psalmen und Midrasch in deutschen Versen über biblische Themen, auch S. 63f „An die deutschen Freiheitskämpfer im Jahre 1848“
  • „Predigt, gehalten am Sabbath Paraschath Mischpatim im Tempel der Ahabath Chesed Gemeinde in New York“, Debora 11 (1866), S. 142f
  • Engl. Übs. von Lessing, Nathan the Wise, New York 1869; und andere Übersetzungen aus dem Hebr., Dt., Frz
  • Einführung in den Talmud mit einer Genealogie der Tannaiten und Amoräer, 1873
  • Sefer Yetsirah, hebr.-engl., New York 1877, 57 S
  • A Sketch of the Talmud, the World-Renowned Collection of Jewish Traditions, New York 1877
  • Ha-Tapuach: the Apple, New York 1885
  • Artikel in Occident, Israelite (Cincinnati), Jewish Chronicle, Jüdisches Literatur-Blatt (Magdeburg), Beth Talmud (Wien), u. a. Werkausgabe. Studies in Ancient and Modern Judaism, New York 1928, mit einer Biographie des Herausgebers Samuel Kalisch, „Rabbi Isidor Kalisch. A Memoir“, S. 1-60.

Epigraphik

  • Kalisch Mausoleum auf dem Mt. Pleasant Cemetery in Newark, N. J. Die Inschrift bezeichnet den Verstorbenen als Isidor Kalisch D. D. [Doctor of Divinity]. Scholar-Author, Poet and Friend (Photographie in Kalisch, Studies, S. 46/47).

Bildmaterialien

  • Kalisch, Studies, Vorsatzblatt (in Stahl gestochenes Bildnis), S. 32/33 (Photographie von 1864), 38/39 (Photographie von 1870 und Photographie der Mutter).

Literatur

  • Der deutsche Pionier 5 (1873), S. 117
  • Lippe 1879/81, S. 221f
  • In Memoriam Rev. Dr. Isidor Kalisch, Newark, N. J. 1886
  • AZJ 1886
  • Fuenn, Kenäsäth Yiœra’el, S. 93
  • Steinschneider, Hebräische Übersetzungen, 1893, S 268
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 885, Todestag hier 11. Nov. 1886
  • JE VII 419f, Geburtsjahr hier 1816
  • Heppner und Herzberg, S. 581
  • Cyclopedia of New Jersey Biography, New York 1923, Bd. II, S. 331-335
  • Wininger III 375f
  • EJ dt. IX 822
  • L. M. Franklin, „Jews in Michigan“, Michigan History Magazine 23 (1949), S. 72-92, über die Anfänge der „Bet El“ in Detroit
  • L. J. Swichkow, The History of the Jews of Milwaukee, Philadelphia 1963, S. 42
  • Östreich, Auswanderung Posener Juden, S. 60
  • HÖAAJH, Bd. II, Nr. 4814.