Geb. 13. Juni 1822 in Slavkov (Austerlitz), Mähren,
Gest. 7. Juli 1889 in Wien
Sohn des Rb. Lazar K. und Enkel des Rb. Moses K., mütterlicherseits Enkel des Rb. Gerson Buchheim. Besucht mehrere ungarische Jeschiwot sowie die Gymnasien in Nové Mesto nad Váhom (Waag-Neustadtl) und Trenčín (Trentschin) in der heut. Slowakei
wird ordiniert von L. Horwitz in Wien, Heschel Gläser in Kromìříž (Kremsier) und Abr. Placzek in Boskovice (Boskowitz), legt sodann an der Universität Wien das pädagogische und philosophische Examen ab. Als Nachfolger seines Vaters 1846 Rb. Ivanovice na Hané (Eiwanowitz), Mähren
als Nachfolger A. Neudas 1854 Rb. in Loštice (Loschitz), Mähren, auch Religionslehrer an der Realschule in Uničov (Mährisch-Neustadt), durch seine Predigten bekannt. Vater des Literaturhistorikers Gustav K. (1848-1909), der ihm kraft eines Vertrags vom 18. Feb. 1869 als Substitut zur Seite Stand, um „in allen rabbinischen Functionen seinem kränklichen Vater Aushilfe zu leisten“. 1881 Übersiedlung nach Wien, Prediger am Tempel Wieden-Margarethen (IV./V. Bez.), als Nachf. des 1887 gest. Isak Tonelis Handl auch Rabbinatspräses der Wiener Gemeinde.
Dokumente
ŽM Prag, Nr. 67.967 vom 23. Juli 1852, Bewerbung in Velké Meziříčí (Groß-Meseritsch). Er schickt Proben „aus meinen gedruckten Predigten, nebst einem talmudischen Werke im Manuskript“
Ebd., Nr. 3.892, über seine interimistische Verwaltung des vakanten Rts. in Úsov (Mährisch- Aussee), Brief vom 9. April 1857
Ebd., Nr. 11.465, über die Anstellung seines Sohnes Gustav.
Publikationen
Predigt, gehalten am ersten Tage des Wochenfestes, Wien 1852
’Asifath ’Amarim, Eine Sammlung Predigten, gehalten in der Synagoge zu Eiwanowitz in disem Jahre, Wien 1853, 53 S
Trauerrede über das Hinscheiden des hochwürdigen Rabbi Salomon Quetsch . . . und des hochwürdigen Rabbi Juda Schmiedel, Wien 1856, 18 S
Gelegenheits-Predigten jüdischer Kanzelredner, Bd. I Trauungsreden für alle Wochenabschnitte des Jahres, Breslau 1879, 169 S.; 2. Aufl. Breslau 1885; Bd. II Grabreden für alle Wochenabschnitte des Jahres, Breslau 1879, 205 S.; 2. Aufl. Fft./M. 1889
Confirmations-Reden für alle Wochen-Abschnitte des Jahres, Brünn 1879
Sabbath-Reden für die isr. Jugend über alle Wochenabschnitte des Schuljahres, Breslau 1887.
Epigraphik
Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof, Tor 1, Nr. 5b-36-45; Steines, Hunderttausend Steine, S. 117f.
Literatur
Lippe 1879/81, S. 224f
Nachruf Neuzeit 1889, S. 277, 285f: „Mit Karpeles ist einer der Letzten von jenen Ersten dahingegangen, die zuerst mit der Fackel moderner Bildung in die enge mährische Judengasse hineingeleuchtet haben“
UI 45 (1889/90), S. 26
AZJ vom 27. Mai 1892
Kayserling, Gedenkblätter, S. 41
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 821
Gold (Hrsg.), Judengemeinden Mährens, 1929, S. 116, 319