Geb. 5. Nov. 1834 in Angenrod bei Alsfeld, Hessen-Darmstadt,
Gest. 26. Okt. 1896 in Königsberg
Sohn des Lehrers Mayer B., besucht die Realschule in Alsfeld, das Internat von Dr. Nathan Aron Müller in Fulda sowie 1851 die Tertia des dortigen Gymnasiums
1853 in die Prima des Gymn. in Gießen, Herbst 1854 Abitur dort
ein Semester Studium an der Universität mit rb. Unterricht bei Rb. B. S. Levi. 24. Apr. 1855 imm. Breslau und Studien am Jüdisch-theologischen Seminar
20. April 1858 Abgang von der Breslauer Universität
17. Aug. 1859 prom. Gießen, März 1865 Rabbinatsdiplom des Seminars, 23. Mai 1865 Rb. in Königsberg als Nachf. zugleich von Prediger Saalschütz und Rb. Meklenburg. Sein Gutachten ermöglicht am 22. Mai 1869 den Beschluß des liberalen Vorstands zugunsten der Orgel, der aber auf sein Betreiben nicht verwirklicht und somit die Einheit der Gem. lange Zeit gewahrt wird. Aktiv in der Hilfe für die russisch-jüdischen Flüchtlinge nach 1882 sowie in der Alliance Israélite Universelle
Mitbegründer des ostpreußischen Synagogenverbands, des Deutsch-Israelitischen Gemeindebunds und des Deutschen Rabbinervereins. Kurz vor seinem Tod weihte er am 25. Aug. 1896 die neue, mit Orgel ausgestattete Hauptsynagoge, was die Abspaltung der orthod. „Adass Jisroel“ vollendete.
Dissertation
Über das Thaarich des S. Schullam nach arabischen und syrischen Quellen, Diss. Gießen 1859.
Dokumente
AU Wrocław, F 434, S. 106 mit Matrikeleintrag; ebd., F 459, Studentenregister
CAHJP Jerusalem, „Königsberg“ Kn/II E-I-1 Nr. 6-8, Personalakte von 1865-1918
CJA Berlin, 75 C Ge 1 Nr. 294, fol. 32, 36; B. wird hier geehrt als „geistiger Vater“ des ostpr. Verbandes.
Publikationen
Urtheile griechischer und römischer Autoren über Juden und Judenthum, Vortrag, Breslau 1864
„Die Armenpflege im Judenthum“, Jahrbuch für Israeliten 1864/65
Worte des Friedens. Predigt, gehalten am Friedensfeste, Königsberg 1866 (AZJ 1867, S. 16)
Rede zur Einweihungsfeier des neuen isr. Stiftes zu Königsberg, 1870
Rede bei dem Trauer-Gottesdienst für [den Reichtstagsabgeordneten] Dr. Raphael Kosch. Nebst: „Worte der Erinnerung“ am Grabe, gesprochen von dem Landtags-Abgeordneten Dr. Bender, 1872
Die gesetzliche Stellung des jüdischen Religionsunterrichts in Preußen und deren Folgen, Königsberg 1874
Worte der Weihe, Rede zur Friedhofseinweihung, 1875
Rede bei der Errichtung des Grabdenkmals für den Rabbiner Dr. Josua Wallerstein zu Danzig, 1877
Dank- und Fürbitte-Gottesdienst; Rede, gehalten am ersten Tage des Wochenfestes, aus Anlass des Attentats auf Se. Maj. den Kaiser, 1878, 11 S
Rede, gehalten an der Bahre von Manuel Samuel Magnus, 1879
Unsere Synagoge. Ansprache, gehalten am Ausgange des Versöhnungstages, 1880
Die Aufgaben der Jüdischen Gemeinden nach Innen und Außen. Ansprache, gehalten in der constituirenden General-Versammlung des Verbandes der Synagogen-Gemeinden Ostpreußens zu Insterburg, Ozjersk (Darkehmen) 1880
Zur Erinnerung an H. Weintraub, Königl. Musikdirektor und Cantor der Synagogengemeinde Königsberg, 1882
Aus alten Tagen. Talmudische und rabbinische Aussprüche über religiöse Erkenntnis und Unterricht in Religion, 1883
’Imre Qodäš. Hebräischer Sprach- und Spruchwortschatz, Schulbuch, 2. Aufl. 1884
Die neuesten Erlasse des Kgl. Provinzial-Schul-Collegiums, betr. den Religions-Unterricht der jüdischen Schuljugend, 1884
Organisationsplan zur Einführung der Schulinspektion für den jüdischen Religionsunterricht, 1887
Festschrift zur Erinnerung an das 25jährige Bestehen der Religionsschule der Synagogengemeinde in Königsberg, 1891
Rede zur Eröffnung der von Freifrau Willy von Rothschild gestifteten Baracke „Frankfurt a. M. I“ zu Eydtkuhnen, 1892
Etwas über den Jugendgottesdienst, 1894
Rede zur Feier der Grundsteinlegung der Synagoge zu Königsberg, 1894
Die Schulverhältnisse des Verbandes der Synagogengemeinden Ostpreussens, 1894 [in CJA Berlin, 75 A Al 1 Nr. 13, fol. 240-252v].
Epigraphik
Königsberg 53/25 lt. Birnbaum, „Die Gräber unserer Lieben“, S. xvi; Josef Rosenthal, Zum 50jährigen Bestehen des Jsraelitischen Begräbnisplatzes vor dem Königstore 1875-1925, Königsberg 1925, S. 18, gibt das Todesdatum mit dem 25. Okt. an..
Bildmaterialien
Photographie, reprod. Festschrift Chewra Kaddischa, zwischen S. xi und S. 1, sowie bei Kabus.
Literatur
AZJ 1865, S. 365, Berufung von Breslau nach Königsberg
Lippe 1879/81, S. 24
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 822
AZJ 1896, S. 532f
Ahiasaf 5 (1897), unpaginiert: ’äh. ad meha- œeridim ha-yeh. idim be’Aškenaz ’ašär ha-Torah, ha-h. åchmah weha-’ämunah nifgešu bo yah. ad (einer jener vereinzelten Letzten in Deutschland, bei denen Gesetz, Wissenschaft und Glaube sich noch verbanden)
JE II 484
Brann, Jüd.-theol. Seminar, S. 144
Rosenthal, Königsberg, S. 12, 15f, 48-51, mit Schriftenliste. „Eine selten begabte Persönlichkeit, hat er es verstanden, auch über die Grenzen unserer Glaubensgemeinschaft hinaus, sich in den weitesten Kreisen größte Hochachtung und Anerkennung zu erwerben, indem er überall helfend und fördernd eintrat, wo es sich um humanitäre Bestrebungen, um Milderung des Loses der vom Geschick Heimgesuchten handelte“
EJ dt. III 1014
Kabus, Ostpreußen, S. 76
Stefanie Schüler-Springorum, Königsberg, S. 130 „Daß es dennoch in den [auf das Austrittsgesetz 1876] folgenden zwanzig Jahren nicht zur Spaltung kam, ist überwiegend der Person des Rabbiners Bamberger zuzuschreiben, der trotz der Orgel auf einen Ausgleich zwischen allen Gruppierungen bedacht war und die liberale Mehrheit bei verschiedenen, nun in Angriff genommenen Projekten zur Änderung des Kultus zu bremsen wußte“
Schüler-Springorum, „Die Jüdische Gemeinde Königsberg 1871-1945“, in Brocke u. a. (Hrsg.), Ost- und Westpreußen, S. 172
Horst Leiber, „Einigkeit macht stark. Der Verband der Synagogen-Gemeinden Ostpreußens“, ebd., S. 206f
J. H. Fehrs, „’..., daß sie sich mit Stolz Juden nennen’. Die Erziehung jüdischer Kinder in Ost- und Westpreußen im 19. Jahrhundert“, ebd., S. 276.