Sohn des Rb. Moses B. in Neckarbischofsheim. Auf Wunsch seiner Mutter Regine wurde er im Elternhaus ausgebildet und hat somit keine Jeschiwa besucht
im Selbststudium erwarb er auch Kenntnisse der jüd. Hebraistik und Philosophie. Mit 18 J. erhielt er die Morenu von Ascher Löw in Karlsruhe
mit 19 J. heiratete er Jette-Jidle Alsenz (geb. 1779), die älteste Tochter des Mannheimer Rb. Gottschalk A. Er ließ sich in Neckarbischofsheim nieder, war aber auch in den rabb. Gerichtshöfen von Mannheim und Karlsruhe tätig. Seit Frühjahr 1816 besetzte er die Stelle des Stiftsrabbiners und Rabbinatssubstituten in Heidelberg. Bei Alsens’ Tod 1824 wird er als Nachfolger nach Mannheim berufen, nimmt aber noch im selben Jahr die Wahl zum Rb. in Worms an. Nach der Schließung der Fürther Hohen Schule (1828) gründet er für einige von dort versprengte Bachurim eine eigene kleine Jeschiwa. Die Gemeinde beamtet seit 1839 einen liberalen Religionslehrer als „Prediger“, bei dessen Amtshandlungen Bamberger nur mehr Statist ist
er widersetzt sich der Reform, unterzeichnet 1844 gegen die Rb.-Versammlung. Den Verwitweten und in seiner Gemeinde Isolierten bewegen seine Freunde, sich wieder zu verehelichen
B.-H. Auerbach traut ihn am 14. Mai 1850 in Bürstadt mit der vierzig Jahre jüngeren Jeannette Lehmann, Tochter des Kleiderhändlers Hirsch L. aus Darmstadt. Als letzter Überlebender der alten Rabbinergeneration im Westen Deutschlands wurde er im Alter wieder von Talmudschülern gesucht, bemühte sich auch zu predigen. Im Kompert-Prozeß 1864 unterzeichnet er (als einziger Gemeinderb. Hessen-Darmstadts) auf Seiten der ungar. Trennungsorthodoxie. Korrespondent des Wundertäters Seckel Wormser in Michelstadt.
Dokumente
StadtA Worms, Stadtratsprotokolle, 1824 § 221/3 und 1825 § 11.322 zu seiner Einbürgerung in Worms
Die Subskribentenliste der Fürther Talmudausgabe (1832) tituliert ihn als „Gaon“
Ebd., Standesakten, Trauungen, 1850
CAHJP Jerusalem, P 81, Schachtel mit Erinnerungsstücken, enthaltend sein Gebetbuch (fünfbändiger Machsor der Ausg. Rödelheim 1827), sein Siegel, Familienakten, einige Notizblätter von seiner Hand, Familienkorrespondenz, dazu Zeitungsausschnitte mit Nachrufen.
Manuskripte
Seine Werke gingen später in den Besitz des Barons Zuckermann in Mogilev über
Erhalten ist eine Hs. New York YIWO E-72, zum Talmudtraktat Yevamoth, mit Predigt von 1820, 52 Bl
Amsterdam Ros. 197,1 Toledoth ’Äl‘azar Qalir [IMHM 3748]
Markus Horovitz besaß hschr. halachische Korrespondenzen (Beth ’Aharon, S. III Anm.). Schüler. Benjamin Hirsch Auerbach aus Neuwied, Dr. Samuel Adler aus Worms, Dr. Markus Lehmann aus Verden, Israel Schwarz aus Hürben, u. a.
Publikationen
Beitrag zu den Rabbinischen Gutachten gegen den Frankfurter Reformverein, 1844
Beiträge zu Ettlingers Šomer S. iyyon ha-Nä’äman: „Tešuvah ve‘inyan ’issur pinnuy ha-meth mi-maqom lemaqom“ (S. 62), „Be‘inyan ha-h. aqirah maqrivin ’[af] ‘[al] p[i] šä-’en bayith“ (S. 71), „‘Od be‘inyan ši‘ur ha-dam lehithh. ayyev ‘alaw“ (S. 73-74), „Be‘inyan bi’ur ’issure hana’ah“ (S. 108), „Hä‘aroth ‘al Targum Yonathan ‘al ha-Torah“ (S. 112, 114, 116, 122, 126, 136, 142, 160, 162, 164, 166), „Be‘inyan melä’chäth š[abbath] wey[om] t. [ov] be‘ad Yiœra’el“ (S. 148, 150), „‘Od bedin ’i šare leha-mohel lelech beš[abbath] wey[om] t. [ov] me-h. us. liteh. um les. arich milah bizemanah“ (S. 154), „‘Od bedin neziruth Šimšon“ (S. 179, 181), „‘Od bedin niwwul ha-meth mi-pene piqquah. näfäš“ (S. 262, 264-265, 266), „Tešuvah ve‘inyan kethivath šemoth našim begit. t. in“ (S. 274, 276-277), „Be’ur memra’ beVaba’ Bathra’ 156b“ (S. 340-341, 342, 344), „‘Od be‘inyan niwwuth ha-meth“ (S. 414)
Halachische Korrespondenzen z. B. mit Wolf Hamburger, Œimlath Binyamin, Fürth 1840, Teil II, Nr. 5
Eine Approbation, datiert Worms 1843; bei Löwenstein, Index, S. 30.
Literatur
AZJ 1858, S. 215, wird vom örtlichen Wohltätigkeitsverein mit einem Pokal geehrt
Protest gegen Philippson-Bibel; Israelit 1860, S. 25
Der israelitische Lehrer IV, 4 (Mainz, 7. April 1864), S. 54-56, resümiert eine respektlose Predigt von Rb. Dr. David Rothschild in Alzey („Das Leben des Mannes sei vielfach eine Fundgrube und Quelle für das Studium und Verständniß der Vorzeit“); Israelit 5 (April 1864), S. 200-202
Einsendung aus Worms an die AZJ 1864, S. 321: „Dieser Mann stand eigentlich auf der Scheide der alten und neuen Zeit, mit seiner Richtung ganz in der alten Zeit wurzelnd, in der er geboren ward, aber nicht wissend, ob er einen Schritt hinüberragen solle in die neue Zeit, in der er lebte. Daher seine Unentschlossenheit und Thatenlosigkeit. Jedoch dafür gehörte der Mann auch nicht zu den enragirten Fanatikern und blinden Hyperorthodoxen, denn er war gelehrt und - tolerant, dabei seinem Aeußern nach eine würdevolle Erscheinung und somit in wie außerhalb seiner Gemeinde geachtet“
Über sein Begräbnis AZJ 1864, S. 257
Rothschild, Beamte, S. 15-20
Arnsberg, Hessen, Bd. II, S. 424, 440
Lowenstein, „The 1840s“, S. 280
Reuter, Warmaisa, S. 161
Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 159
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 116, 196, 230, 491, 515f.