BHR Biographisches Portal der Rabbiner

LENGSFELDER, Salomon

  • Geb. 1810 in Prag,
  • Gest. 14. Okt. 1894 in Rychnov nad Knìžnou (Reichenau a. d. Knieschna), Böhmen
  • Sohn des Koppel L., Talmudstudium bei Mordechai Benet in Mikulov (Nikolsburg), bei Moses Sofer in Preßburg, bei Joachim Deutschmann in Kolín, bei Samuel Freund in Prag und bei Aron Kornfeld in Golčùv Jeníkov (Goltsch-Jenikau)
  • 1836 Besuch des Gymnasiums, dann der Universität Prag, Ordination von S. J. Rapoport und vom Kaurzimer Kreisrb. 1839 Rb. in Tachov (Tachau), Westböhmen
  • 1853 Rb. in Varaždin (Warasdin), Kroatien, nach Konflikten um die von der Gemeinde gewünschte Orgel wird ihm am 4. Juni 1862 mit Halbjahresfrist gekündigt
  • ein längerer Rechtsstreit schließt sich an. 1864 Rb. in Rychnov.

Dokumente

  • ÖStA/AVA Wien, Studien-Hofkommission 14 A, Rabbiner, Dispens vom 16. Juli 1836; wenn er auch den Eintritt ins Gymnasium um mehr als zehn Jahre versäumt habe, „so wäre es wohl etwas hart, den Bittsteller wegen des überschrittenen Normalalters von dem einmal gewählten Berufe zurückzuhalten“
  • SÚA Prag, ČG Vš., oddìlení 1841-1855, svazek 18/1, mit Wortbeiträgen bei der „Berathung über die Reglung der jüdischen Kultusgemeinde-Ordnung im Kronlande Böhmen“, 14. Jan. 1851
  • ŽM Prag, Nr. 67.967, Bewerbung in Velké Meziříčí (Groß-Meseritsch) vom 30. Juni 1852
  • Ebd., Nr. 103.502, hebr. Bewerbungen in Kromìříž aus der Woche Mišpat. im 5623 (1863), und ebd., Nr. 16.019 aus dem Jahr 5622 (gematischer Wert von ’ahavath s. ädäq)
  • ÖStA/AVA Wien, Neuer Kultus, Israelitischer Kultus, D 5, vom 19. Sept. 1865, nennt ihn unter den 27 böhm. Vorbereitungsdozenten für die Preßburger Landesrabbinerschule.

Publikationen

  • Mitarbeiter der Zschr. Der Orient (1843 und 1849-50)
  • H. anukkath ha-Bayyith. Predigten, gehalten bei der Einweihung der neu gebauten Synagoge in Warasdin, nebst einer kurzgefaßten Geschichte der Entwickelung dieser Gemeinde seit ihrer Constituirung, Nagykanizsa 1861, 59 S
  • Beleuchtung der Herzens- und Verstandesergießung eines anonymen Judenfeindes in der „Agramer Zeitung“, Nagykanizsa 1861, 55p
  • „Die Wirren in Warasdin“, Neuzeit 1863, S. 341, 355, 385-387, 399f, 411f
  • Maggid leYa‘aqov. Gottesdienstliche Vorträge, 2 Bde. Rychnov 1878- 79
  • Erwiederung auf Dr. Rohlings Pamphlet „Der Talmudjude“, Preßburg 1883, 48 S.

Epigraphik

  • Seine „schlichte Stele“ auf dem jüd. Friedhof in Rychnov ist erhalten; siehe V. Hamáčková, „Le cimétière juif à Rychnov nad Knìžnou“, Judaica Bohemiae 1983, S. 41.

Literatur

  • AZJ 1852, S. 548, Berufung zum „Seelsorger“ nach Varaždin
  • Neuzeit 1864, S. 52, über die Absetzung mit der satirischen Bemerkung, „wenn es jeder Gemeinde gestattet sein sollte, nach Willkür dem Rabbinen kündigen zu können, wäre es nicht an der Zeit einen Benedeiungsspruch zu sagen: ‘Gelobt - der mich nicht zu einem Rabbiner gemacht hat!’“- AZJ 1864, S. 196, mit der Vermutung, daß es L. an „Pastoralklugheit“ fehle, überhaupt „Gereiztheit und Starrsinn von beiden Seiten die Ursache des ganzen Streites sind, da man Herrn Rabbiner Lengsfelder nicht das kleinste Vergehen zur Last legen konnte“
  • Für die Neuzeit 1864, S. 337f scheint es eher, „als ginge es mit Herrn Lengsfelder und seiner Gemeinde wie mit einem Ehepaare, von dem oft jedes Individuum für sich einen ganz respektablen Charakter besitzt, ohne daß sie dessenungeachtet Eines zum Andern paßten. Die Leute finden keine radikalere Lösung ihres Unglücks als die Scheidung, gehen hernach Jeder ein neues Ehebündniß ein, und siehe da, erst dann finden sie ein langersehntes Glück“
  • AZJ 1864, S. 632; Neuzeit 1864, S. 356, Berufung nach Rychnov
  • Trauungsbefugnis nur aufgrund von fallweiser Delegation, lt. Durchführungsverordnung vom 20. Juni 1877
  • Lippe 1879/81, S. 274f
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 821
  • Josef Schön, Gesch. der Juden in Tachau, Brünn 1927, S. 48-50
  • Gold (Hrsg.), Judengemeinden Böhmens, 1934, S. 634, mit Bildnis auf S. 528
  • Wlaschek, Bohemia, S. 129
  • Fiedler, Židovské památky Tachovska, tsch. S. 14, dt. S. 73
  • HÖAAJH, Bd. II, Nr. 6119.