Sohn des Burgauer Landesrb. Benjamin-Wolf Spiro aus Prag. Er und sein Bruder gehen täglich zur Schule nach Augsburg, „was in damaliger Zeit eine grosse Seltenheit war“ (Rothschild, S. 7). 2. April 1783 Rb. in Worms
flüchtet beim französischen Einmarsch für elf Monate nach Frankfurt, um nicht als Geisel mitgenommen zu werden. L., Talmudist von französischer Beredsamkeit und Lebensart, nimmt im Sanhedrin eine bedeutende Stellung ein
1. Mai 1809 eingesetzt als Konsistorial-Oberrb. für das Departement Donnersberg („Grand Rabbin du Consistoire du Département du Mont-Tonnerre“) mit Sitz in Mainz, woraufhin der Ortsrabbiner Herz Scheuer sein Amt 1810 aus Protest niederlegte. L. wurde von Napoleon bei dessen Aufenthalt in Mainz empfangen
er starb nach langem Krankenlager. Seine erste Frau Pesla, Tochter des Rb. Elchanan Abraham in Wassertrüdingen, war 1786 gestorben
seine zweite Frau war Kendel Wormser und seine dritte die Porzellanhändlerin Sara-Brendelge Wormser (geb. 1776), Tochter des Hirsch W., die als Witwe 1829 den Karlsruher Oberlandesrabbiner Ascher Löw ehelichte.
Dokumente
AN Paris, F 19, Nr. 1840, enthält Gesuche aus Worms über Schaffung eines Rabbinatsbezirks, eigenhändig in franz. Sprache abgefaßt und datiert 17. Fructidor XI und 25. Frimaire XIV; im letzteren beschreibt er seine Notlage als „un homme qui occupe un siège de rabbin, qui est peut-être le plus ancien siège de rabbin en Europe, dont les habitans juifs ne sont pas assez à leur aise pour l’entretenir seulement de la moitié de ses besoins les plus absolus“
In der Erhebung des Mainzer Präfekten über den isr. Kultus; ebd., vom 18. Mai 1808 erscheint er als „Levi, Samuel Wolff, 53“
Ebd. auch Protokoll seiner Einsetzung in Mainz, dazu sein Dankesbrief an den Kultusminister vom 12. Mai 1809 mit Huldigung an Napoleon; „je me ferai le devoir le plus doux et le plus sacré, des [!] remplir Ses voeux bienfaisants en employant tout mon zèle aux progrès d’une morale pure, et à faire regner dans les coeurs de mes freres le grand principe que les devoirs de la religion, l’amour de la patrie et l’obeissance aux lois sont liés inseparablement“
StadtA Mainz, 50/887, Eintrag Nr. 51 (Hausnr. D 418), Familienbuch
StadtA Worms, Sterberegister, danch war sein Alter „soixante un ans, natif de Fersheim, domicilié à Mayence, veuf en premières nôces de Beselle, veuf en secondes nôces de Kendel Worms, époux en troisième nôces de Sare Worms“.
Publikationen
Mehrere hebr. Oden, Gebete und Predigten zu Ehren Napoleons. Sendschreiben und Beschlüsse des Mainzer Konsistoriums, besonders ausführlich ein Rundbrief zur Einschärfung der Militärpflicht, betitelt An die Herren Herren [!] Rabinen, Gesetzlehrer, Notablen und Synagogs- Aufseher in den respektiven Ortschaften des Departements, 18. April 1811.
Bildmaterialien
Bildnis in AZJ 1912, S. 197.
Literatur
Löwenstein, „Schwaben“, BJGL 1 (1899), S. 41f
S. Rothschild, „Ein Rabbiner von Worms vor hundert Jahren“, ebd., S. 70f
Löwenstein, „Mainz“, S. 236f
Rothschild, „Samuel Levi: Ein Wormser Rabbiner und Mitglied des Pariser Sanhedrin“, AZJ 1912, S. 196-198
Ders., Beamte, S. 7-14; beschreibt ihn auf S. 7, „das runde kleine Käppchen oder den grossen dreieckigen breiten Hut auf dem Kopfe, immer fein gekleidet, beim Spaziergange das spanische Rohr mit grossem Goldknopfe in der Hand, schon durch die äussere Erscheinung Ehrfurcht einflössend“
Arnsberg, Hessen, Bd. I, S. 256; Bd. II, S. 20, 424