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LIPSCHÜTZ, Israel, auch Isidor LÜPSCHÜTZ, gen. Tif’äräth Yiœra’el

  • Geb. 1782 in Glogau,
  • Gest. 19. Sept. 1860 in Danzig
  • Sohn des Rb. Gedalja L. und Enkel des Klever Landesrb. Israel L., Talmudstudium an den Jeschiwot von Posen und Leszno (Lissa), 1821 Rb. in Wronki (Wronke) in der Prov. Posen, Nov. 1823 „Vice-Landrb.“ für Anhalt-Dessau mit Sitz in der Hauptstadt und 357 Rtl. Gehalt. Sein Sechsjahresvertrag wird vom Gemeindevorstand nicht erneuert
  • und ein herzogl. Reskript vom 16. Sept. 1828 erlaubt seine Absetzung. Als Nachf. seines Vaters 1830 Rb. in Chodzie¿, 17. Sept. 1837 Oberrb. der drei Danziger Vorortgemeinden Stare Szkoty (Altschottland), Winnica (Weinberg) und Wrzeszcz (Langfuhr), genannt ŠUL. Unterzeichner des orthodoxen Protests gegen die Rb.-Versammlung von 1844. Die Gemeinde in Stare Szkoty trennt sich 1850 von seinem Rt. und stellt einen akademisch gebildeten und reformfreundlichen Rb. an.

Dokumente

  • LA Oranienbaum, Abt. Dessau, C 15, Nr. 57, fol. 24-25, vom 13. Dez. 1822, Empfehlung der Dessauer Ältesten. Man habe sich in Ermangelung eines wiss. gebildeten Kandidaten für L. entschieden, der „obgleich der deutschen Sprache nicht völlig kundig, dennoch ein gebildeter Mann ist“
  • Ebd., Abt. Dessau, C 15, Nr. 25, Bd. I, vom 11. Feb. 1823: L., „welcher ein Deutscher von Geburt ist und nur seit einigen Jahren eine Rabinerstelle bei einer polnischen Gemeinde bekleidet“, sei auch von den Rb. zu Braunschweig, Berlin und Halberstadt als großer Talmudist empfohlen; Kaufleute schildern ihn zudem „als einen honetten, rechtschaffenen, auch in Weltkenntnissen nicht ganz unkundigen Gelehrten“. In Wronki sei er zweimal nacheinander abgebrannt
  • Ebd., Abt. Dessau, C 15, Nr. 57, fol. 42-44, vom 13. Aug. 1827: Gegen das Reskript vom 22. März 1823, nach dem „sein Wirkungskreis lediglich auf die Beobachtung der Ritualund Ceremonialgesetze der Israeliten eingeschränkt“ sei, habe er sich Übergriffe ins Schul- und Kultuswesen erlaubt
  • Ebd., Abt. Dessau, Rep. C 15, Nr. 60 Die auf Antrag der isr. Ältesten zu Dessau stattgefundenen kommissarischen Verhandlungen wegen der Entlassung oder Beibehaltung des Vice-Rb. Liepschütz und die darauf von herzogl. Landesreg. decretierte Entlassung des letzteren, 2 Bde. 1827-1830. Dort Bd. I, fol. 106 vom 9. März 1829, wünschen die Ältesten lieber keinen Rb. zu haben, „statt daß wir bei einem wissenschaftlich ungebildeten Polen, bei seinem eingeborenen Haß gegen die Deutschen, bei seiner nationellen Zanksucht und ewigem Unfrieden, stets ein Schandfleck unter unseren deutschen Mitbürgern bleiben würden“
  • JM Frankfurt/M., PSR A 099, Danziger Friedhofsregister.

Manuskripte

  • Umfangreicher handschriftlicher Nachlaß laut Eisenstadt und Wiener, Da‘ath Qedošim, S. 131.

Publikationen

  • Tif’äräth Yiœra’el zur Mischna, Bd. I Zära‘ ’Ämunah zur Ordnung Zera‘im, Hannover 1830; Bd. IV Kos Yešu‘ot zur Ordnung Neziqin, Danzig 1843-45; Bd. VI T. a‘am Yoda‘ath zu Tehoroth, Hannover 1830 und ‘At. äräth Tif’äräth zu Tehoroth, hrsg. Isr. T. Eisenstadt, Wilna 1887; zusammen Warschau 1862-64 und in zahlreichen weiteren Ausgaben nachgedruckt, auch separat unter dem Titel Yachin uVo‘az; Superkommentar von Jakob-Zwi b. Issaschar Schapira, Tif’äräth Ya‘aqov, Wilna 1899
  • Gedächtniß-Rede auf ... Friedrich Wilhelm III., Gorzów Wielkopolski (Landsberg/W.) 1840
  • Predigt am Geburts- und Huldigungstage ... des Königs Friedrich Wilhelm IV., gehalten in der Synagoge zu Landsberg a. d. W., 1840, 19 S
  • Ševile de-Raqia‘, über den Schaltmonat im jüd. Kalender, Danzig 1844; Jerusalem 1873, 1881
  • Wozu mir ein Haus bauen, oder, der Tempelbau im Menschen. Rede zur Einweihung der neuen Synagoge in Berent, Danzig 1845
  • Quppath ha-Rochelim, Eröffnungsrede zur Mischna-Ordnung Mo‘ed, Danzig 1854
  • Erklärungen zu den ’Orh. oth H. ayyim seines Vaters Gedalia L. über OH, Wilna 1857
  • S. awwa’ath sabba’ qaddiša’, Testament, [Königsberg 1861], 5 Bl
  • Halachische Korrespondenz mit Akiba Eger, in dessen Responsen, I, Nr. 14, 15, 108
  • Vier Approbationen, datiert Danzig 1829-1845; Löwenstein, Index, S. 120.

Epigraphik

  • Domañska, S. 108: „Rabina pochowano na starym cmentarzu na Chełmie, a jego grób przez szereg lat nawiedzali wierni i uczniowie“.

Bildmaterialien

  • JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis).

Literatur

  • INJ 1842, S. 57
  • Steinschneider, Bodleiana, Bd. II, Sp. 1167f
  • „Verzeichniß der [...] Synagogen- Gemeinden“, 1858, S. 7
  • Nachruf seines Sohnes in Ha-Maggid 4 (1860), S. 170f
  • Todesmeldung in Israelit 1860, S. 230, 323f
  • Fuenn, Kenäsäth Yiœra’el, S. 698
  • Walden, Šem ha- Gedolim hä-h. adaš, S. 77; druckt Mitteilungen seines Sohnes Baruch L
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 759
  • Eisenstadt und Wiener, Da‘ath Qedošim, S. 118, 126, 131
  • Maggid, ‘Ir Wilna’, S. 38 Anm
  • JE VIII 102
  • Brann in MGWJ 50 (1906), S. 375
  • Heppner und Herzberg, S. 539, 1016
  • Chones, Toledoth ha-Poseqim, S. 601
  • Wachstein, Mafteah. ha-häspedim, I, S. 35; III, S. 55
  • JL III 1121f
  • Wininger IV 133
  • EJ dt. X 1005
  • Hallah. mi, H. achme Yiœra’el, S. 295f
  • EJ eng. XI 293f
  • Echt, Juden in Danzig, S. 46f, 51, 252f
  • Echt, Das jüdische Schul- und Erziehungswerk in Danzig, S. 356f
  • Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. XI (1983), S. 49, Nr. 1106, nennt ihn „einen der größten Exegeten der jüngeren Zeit und einen der wichtigsten Mischnaerklärer überhaupt“
  • Jacob Katz, „R. Israel Lipschutz and the Portrait of Moses Controversy“, in: Isadore Twersky (Hrsg.), Danzig: Between East and West, Cambridge, Mass. 1985, S. 49-63
  • Kinstlicher, Hä-“H. atham Sofer“ uvene doro, S. 225-227, mit hebr. Schriftprobe
  • Hanna Domañska, „Lipschütz, Israel ben Gedalja, rabin talmudysta“, in Domañska, ¯ydzi znad Gdañskiej Zatoki, Warschau 1997, S. 107f
  • Jehle, Enquêten, Bd. II, S. 735
  • Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 188
  • PK Poznañ-Pomerania, S. 35
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 285f.