Geb. 1785 in Inowrocław (Inowrazlaw), Netzedistrikt,
Gest. 6. April 1865 in Königsberg
Sohn des Chirurgen Gamliel M., Schüler von Secharja Mendel b. Tewele Horochow in Leszno (Lissa) und von Akiba Eger in Posen
um 1823 in Gniezno (Gnesen) mit Erfolg als Kaufmann tätig. Ordiniert in Gniezno, Kórnik (Kurnik) und am 22. Juni 1825 durch das Posener Rt., bestätigt 16. Aug. 1826 vom Berliner Bet-Din unter Elchanan Rosenstein. Da M. aber in einen Prozeß verwickelt und mit dem Landrat in Konflikt war, lehnt Eger es am 28. Aug. 1829 ab, ihn weiter zu empfehlen. Bis 1829 Rabbinatsverweser in Inowrocław, 20. Feb. 1830 angestellt als Rb. (nominell „Vizerabbiner“) in Königsberg zu 500 Tl. Gehalt. Sein Umgang mit Politikern und Offizieren wird hervorgehoben, er amtiert neben und in Opposition zu dem Gemeindeprediger Joseph Lewin Saalschütz (gefolgt seit 1863 von Eduard Wolffberg) und dem Reformprediger Heymann Jolowicz. Unterzeichnet 1844 den Aufruf gegen die Rb.-Versammlung und im Kompert-Prozeß 1864 die Stellungnahme der ungarischen Trennungsorthodoxie. Sein Engagement im Rahmen der Palästinahilfe trug ihm seitens der Jerusalemer Gem. den Ehrentitel Naœi ’Äräs. Yiœra’el ein. Er war dreimal verheiratet, zuletzt mit Lea Israel (st. 1838) und Julie Caspari (st. 1871).
Dokumente
CAHJP Jerusalem, „Königsberg“ Kn/I E-I-1 Nr. 2, nennt Jacob Hirsch zu Gniezno (Gnesen) „vormaliger Synagogen-Beamter“, bereits 1823 als Kandidat für das Rt. in Königsberg
StA Detmold, M1-IL Nr. 281, unter dem 22. Aug. 1826 aus Berlin Bewerbung eines Isaak Mecklenburg aus Gniezno - in den Zeugnissen auch Hirsch oder Jakob Hirsch M. - in Paderborn. „Von früher Jugend zum Rabbinerfache bestimmt, habe ich mich frühzeitig bemühet, auch mit denjenigen deutschen Wissenschaften vertraut zu werden, die einem Rabbiner in der gegenwärtigen Zeit so höchst nöthig sind“, er könne „Volkslehrer im eigentlichen Sinne“ sein. Beiligend Rabbinatsdiplome (Originale!); vgl. Brilling, „Paderborn“ II, S. 28
JM Frankfurt/M., PSR A 177, Sterberegister Königsberg.
Publikationen
Ha-Kethav weha-Qabbalah, Pentateuchkommentar, Leipzig 1839, 372 S. Vorrede: Ziel ist die Vereinigung von wörtlichem Bibelsinn oder kethav und rb. Tradition oder qabbalah (siehe auch „Ha-Kethav weha-Qabbalah“, Šomer S. iyyon ha-Nä’äman, S. 33, 35, 37, 39, 41); Tašlum Ha-Kethav weha-Qabbalah, undatierte Sammlung von Ergänzungen, Königsberg o. J.; stark erweiterte Ausgabe mit Raschi und dt. Übersetzung von Julius Cossmann, 5 Bde. Königsberg 1853, 428 + 392 + 290 + 292 + 380 S.; mit Ergänzungen und Verbesserungen, 31857; Pisz (Johannisburg) 41880 (unvollständiger Nachdruck); Ausg. letzter Hand Berlin 51890 hrsg. v. Abraham Berliner mit zahlreichen Ergänzungen nach den Manuskripten, photomech. Nachdruck New York 1946
„Prospectus zu einer neuen Thora-Ausgabe“, TZW 1846, S. 413-415
‘Iyyun ha-Tefillah Kommentar zur täglichen Liturgie, im Siddur Königsberg 1846; 1857; Warschau 1895, 300 S
Hištappechuth ha-Näfäš (Herzensergießung), Gebet für den Abend des Yom Kippur, Jerusalem 1907, 4 Bl
Sechs Approbationen, datiert Königsberg 1811 (?)-1865; Löwenstein, Index, S. 127.
Epigraphik
Die Doppelgrabstätte auf dem Königsberger jüd. Friedhof (6/4) zeichnete William Bennigson für Birnbaum, „Die Gräber unserer Lieben“, Abb. II; dazu S. xvi, xvii.
Bildmaterialien
Photographie, reprod. Festschrift Chewra Kaddischa, zwischen S. 32-33, sowie EJ eng.; Kabus, Ostpreußen.
Literatur
„Verzeichniß der [...] Synagogen-Gemeinden“, 1858, S. 2, für 2.400 Seelen
Steinschneider, Bodleiana, Bd. II, S. 1718
Nachruf in ’Eväl kaved, 9v
Nachruf mit Abdruck des Testaments Israelit 1865, S. 286f. „Der Verblichene war nicht nur einer der größten Talmudisten der Gegenwart, sondern auch einer der vorzüglichsten Stylisten und Grammatiker [...] Er war streng orthodox und von mildem und wohlwollendem Charakter“
Jolowicz, Königsberg, S. 140 Anm., bezeichnet es als „Ungehörigkeit“, daß M. sich den Titel Oberrb. zulegte, „dem er noch den ‘Pascha von Palästina‘ Nasi erez Iisrael hätte hinzufügen können, denn die Betteljuden Jerusalems haben ihn dazu ernannt“
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 747
Lewin, „Inowrazlaw“, S. 83
Lewin, Lissa, S. 294, 284, 290
Heppner und Herzberg, S. 477, 481
Rosenthal, Königsberg, S. 12, 47f; er habe „stets die Überzeugung Andersdenkender geachtet“
JL IV1 63
Wininger IV 308f
D. Druck in Horeb 4 (1937), S. 171-179
Hallah. mi, H. achme Yiœra’el, S. 299f
N. Ben- Menahem, in Sinai 65 (1969), S. 327-332
EJ eng. XI 1271f
Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. XI (1983), S. 65, 1328, „er war tatkräftig bei der Stärkung des Glaubens unter den deutschen Juden und bei der Bekämpfung der Aufklärung“
Kabus, Ostpreußen, S. 76
Hirschler, Sefär Me’oran šäl Yiœra’el, Bd. II, S. 352
Edward Breuer, „Between Haskalah and Orthodoxy: The Writings of R. Jacob Zvi Meklenburg“, HUCA 66 (1995), p. 259-287
Schüler-Springorum, Königsberg, S. 34, seine Berufung war „erfolgreiche Gegenoffensive der Traditionalisten“