Schüler des Moses Perls in Kojetín (Kojetein) und des Dajans Gabriel Engelsmann in Nové Mesto nad Váhom (Waag-Neustadtl), Slowakei, dessen Adoptivtochter Zartel er heiratet. 1829 Rb. in Přerov, 1834 Rb. in Hranice (Mährisch-Weißkirchen), Febr. 1840 Rb. in Boskovice, mit Ministerialerlaß vom 18. Okt. 1851 werden ihm die Obliegenheiten des mährischen Landesrb. übertragen, wofür ihm am 23. Aug. 1853 auch eine zusätzliche Remuneration von 400 fl. zugesprochen wird. Errichtet eine private Rabbinerschule. Wiewohl manchen Neuerungen gegenüber aufgeschlossen, unterstützt er Sal. Spitzer in seinem Widerstand gegen die Kultusreform der Wiener Gemeinde (1872). Schwiegervater des Rb. Samuel Baeck, Großvater von Leo Baeck.
Dokumente
ZA Brünn, B14, M614, Z. 36776, über Reise nach Mikulov (Nikolsburg) zur Vereidigung von S. R. Hirsch
ZA Brünn, Moravské místodržitelství - presidium, sign. 2/20, vom 27. Aug. 1851, Gutachten der Ortsbehörde über ihn: „Placzek ist, was Vortrag anbelangt, kein ausgezeichneter Prediger, obgleich seinen in der Synagoge gehaltenen Volksbelehrungen der innere Werth nicht abgesprochen werden kann; er ist kein Philosoph; es kann auch nicht behauptet werden, daß ihm eine höhere scientifische Bildung innewohnt; jedoch kann er sich des Vorzugs rühmen, ein Talmudist zu sein, der seines Gleichen nicht in Mähren hat; er ist streng religiös, und zeichnet sich nach allgemeiner Anerkenntniß von allen Rabinern des Kronlandes dadurch aus, daß er redlich und rechtlich ist und alle seine Handlungen weit entfernt vom Eigennutze sind. Mit einem Worte, Placzek ist ein schätzenswerther Biedermann“, auch politisch „streng loyal“.
Manuskripte
ÖStA/AVA Wien, Neuer Kultus, Israelitischer Kultus, D 5, vom 22. Aug. 1864, Gutachten zu Volksschulunterricht
Ebd., vom 16. Mai 1867 und 10. Febr. 1868, Gutachten über die Einrichtung eines isr. Proseminars und von Talmudschulen in Mähren
Stücke aus dem Nachlaß bei Frankl-Grün, Kremsier II 139-143.
Publikationen
Sendschreiben an die Ehrwürdigen Herren Rabbiner und die sämmtlichen verehrten Vorstände der Israelitengemeinden in Mähren / Obìžný list k ctihodným panùm rabinùm a wesskerým ctìným předstaweným israelitských obcj na Morawì, 23. Feb. 1852, mit Aufruf zur Unterstützung der Klosterspitäler der Barmherzigen Brüder, in denen sich auch Israeliten zur ärztl. Behandlung befänden (Expl. ŽM Prag, Nr. 24.674)
Zahlreiche lithographisch oder handschriftlich vervielfältigte Zirkulare an die mähr. Gemeinden, z. B. Sammlung für koschere Ernährung isr. Sträflinge in der Haftanstalt zu Brünn (1. März 1853), Einziehung statistischer Angaben (1856), Anordnungen zur Verfertigung der Konskriptionslisten (2. Jan. 1859), Slg. für eine Publikation zur Feier der Errettung des Kaisers (3. März 1859, hschr.), wieder Slg. für Sträflinge (26. März 1859), zur Kenntnisnahme der Volkszählungsergebnisse (24. Mai 1860, hschr.), Warnung vor Verkauf alter Torarollen nach Bayern (22. Jan. 1863), über Bedingungen für die gesetzliche Eheschließung (25. Dez. 1865), Ausgabe von Invalidenrenten (12. Feb. 1866, hschr.), Slg. für die kämpfenden Truppen (3. Juni 1866), Slg. für Gründung von Talmudschulen (16. Mai 1867), Bestimmungen über Trauung von Militärpersonen (3. März 1872), Feierlichkeiten zum Tod des Kaisers Ferdinand (6. Juli 1875). Siehe die Korrespondenzen aus den Gemeindearchiven im ŽM Prag, Nr. 19.257, 19.594, 22.448, 39.847, 42.117, 45.741, 51.513, 51.750, 53.704, 67.955, 88.967, 93.443.
Epigraphik
Grabinschrift bei Feuchtwang, „Epitaphien“, S. 384.
Bildmaterialien
Bildnis bei Plietzsch, „Leo Baeck“, S. 15.
Literatur
IA 1840, S. 127: „ein junger, frommer und in thalmudischer Hinsicht sehr gebildet sein sollender Mann“
ZRIJ 1844, S. 340: „Boskowitz besitzt in Herrn Abr. Placzek nicht nur einen der scharfsinnigsten Talmudisten, sondern auch einen klar denkenden und die Zeit kennenden Seelsorger, unter dessen Rabbinat die Gemeinde eine ziemlich gut organisirte Talmud-Tora-Anstalt und ein recht zweckmäßig instituirtes Betzimmer für die Jugend und deren Lehrer erhalten hat. Seine Deraschot sind deutsch“
AZJ 1858, S. 94ff. In Boskovice gebe es dank P. die „einzige jüdische vierclassige Hauptschule“, die berechtigt ist, staatsgültige Zeugnisse auszustellen; daneben habe sich dort „eine Jeschivah der Neuzeit, ein Rabbinats-Seminar im Kleinen gebildet.“- Zum Niedergang der Schule Schematismus, 1869, S. 51; es besuchten „nur wenige Talmudbeflissene bah. urim“ seine Vorlesungen
Lippe 1879/81, S. 368
Friedländer, Tiferet Jisra’el, S. 61
Baeck, Geschichte, S. 505f, 521
Frankl-Grün, Kremsier, Bd. II, S. 175
JE X 69, hier Todesdatum 10. Dez
M. Stein in Jahrbuch des traditionstreuen Rabbinerverbandes in der Slovakei 1 (1923), S. 102
Gold (Hrsg.), Judengemeinden Mährens, 1929, S. 22, 49 (mit Bildnis), 51f; in den religiösen Richtungskämpfen „versteht er es, durch klugen Sinn und bescheidenes Wesen, nicht zuletzt aber auch durch seine lautere, rührende Frömmigkeit - er verrichtet das tägliche Gebet tränenden Auges - die Widersprüche auszugleichen“. Ebd., S. 127, 135, 384, 488 (Geburtsjahr hier 1803)
EJ eng. XIII 603f
Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. XI (1983), S. 66, Nr. 1337
Bránský, Židé v Boskovicích, S. 251; ebd. S. 195 über das von ihm bewohnte, 1855 ausgebaute Haus Nr. 58 (heute U Vážné studny 3)