Geb. 4. Okt. 1834 in Hranice (Mährisch-Weißkirchen),
Gest. 17. Sept. 1922 in Brünn
Sohn des Rb. Abraham P.
erhält seine gesamte rb. Ausbildung beim Vater in Boskovice (Boskowitz). Gymnasium und Abitur in Brünn
zum WS 1854/ 55 imm. an der Universität Wien
6. Nov. 1856 prom. in Leipzig
Lehrer an jüd. Schulen in Frankfurt/M., 1859 Leiter einer von ihm gegr. Bürgerschule in Hamburg, Dez. 1860 Rb. in Brünn mit Gehalt von 2.500 fl., unterstützt die Schulreform der Gemeinde. 1885 (nach Wininger: 1884) letzter mährischer Landesrabbiner. Seit 1903 nahm er den Rb. S. Funk zum „Landesrabbiner- Stellvertreter“. Er war verheiratet mit einer Tochter des Jakob Löw-Beer.
Dissertation
Culturgeschichte der mexicanischen Urvölker, allgemein vergleichend behandelt, Diss. Leipzig 1856.
Dokumente
UA Wien, Hauptmatrikel, M 14, gibt als Herkunftsort Boskowitz an; desgleichen der Promotionseintrag im UA Leipzig, Pro-Cancellar-Buch der Philosophischen Fakultät, B 128a, S. 193.
Manuskripte
ÖStA/AVA Wien, Neuer Kultus, Israelitischer Kultus, D 5, vom 22. Aug. 1864, Gutachten über Volksschulunterricht
Ebd., vom 30. Apr. 1867 Gutachten über die Einrichtung eines isr. Proseminars und von Talmudschulen in Mähren
Gutachten zu Friedhofsfrage vom 2. Jan. 1882; bei Frankl-Grün, Kremsier, II, S. 176.
Publikationen
(nach Flesch, bei Gold) Im Eruw. Religiöse Gedichte, Wien 1867, viii + 214 S
„Juden und Mexikaner“, Abendland 1868, S. 9f, 18f, 33f, 42f, 67f, 89-91, 97f, 105f
Stimmungsbilder, Gedichte, 1872
„Die Davids-Münze. Denkrede auf David Oppenheim“, Predigt-Magazin 3 (1876), Heft 1
Predigten im Isr. Predigt-Magazin 4 (1877)
„Ebher und Misr. Vergleichende paläologische Studien“, Lbl 7 (1877), Nr. 28ff
„Die Agada und der Darwinismus und der Darwinismus in der Agada“, Lbl 8 (1878)
Das achte Gebot im Dekalog, 1879
Vier Wächter. Nachruf am Sarge des Hr. Franz Flesch, 1881
„Die Affen bei den Hebräern und andern Völkern des Alterthums“, Kosmos Jahrg. VI, Bd. XI (Stuttgart 1882), Separatdruck 21 S
Festrede zu Montefiores 100. Geburtstag, 1884
Nachruf, gehalten an der Bahre des verewigten mährischen Landes- Rabbiners, Hrn. Abraham Placzek, in der Boskowitzer Synagoge. Nach Aufzeichnungen eines Zuhörers als Mscr. gedruckt, Brünn 1885
“Zu eng ist mir der Raum!“ Predigt, gehalten am ersten Neujahrstage 5647 im neuhergerichteten Tempel zu Brünn, Brünn 1886
Ehre Vater und Mutter! Predigt, gehalten am Versöhnungstage, Brünn 1886
Nachruf am Sarge des Hr. Jakob Löw-Beer, 1886
Haskara der Lebendigtodten, Predigt zu Schemini Azeret, Brünn 1886
„Wiesel und Katze. Ein Beitrag zur Geschichte der Hausthiere“, Verhandlungen des naturforsch. Vereines in Brünn, Brünn 1888, Separatdruck 52 S
Nachruf an der Bahre des Hr. Heinrich Gomperz, 1894
Das Geld. Kanzelrede, Brünn 1896
Die Parteien in Israel, Predigten zum Pessachfest, 1898
„Dichterblut“, JJGL 1 (1898), S. 223-227, Gedicht über altnordischen Stoff
Nachruf, gehalten an der Bahre Hieronymus Lorm’s, Brünn 1902
Artikel in der Österreichischen Wochenschrift, z. B. „Für die Kinder der Flora“, 1914; „Einfälle und Ausfälle“, 1915
Der Takif, Novelle, erschienen unter dem Pseudonym „Benno Planek“
Zoologische Aufsätze über „Vogelsang“, „Animalische Erreger der spanischen Grippe“ (1919), „Kopf und Herz“.
Bildmaterialien
Bildnis bei Gold (Hrsg.), Judengemeinden Mährens, 1929, S. 49 und 155; auch JNUL Jerusalem, Schwadron Collection.
Literatur
Für Hildesheimer ist er „nichts als ein liebenswürdiger Lehrer“; 11. Jan. 1861 an Wolf Feilchenfeld, in Briefe, S. 27
Über Konflikte mit der Brünner Gemeinde Neuzeit 1862, S. 62f
Lippe 1879/81, S. 368
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 884
Feuchtwang in Gedenkbuch [...] D. Kaufmann, 1900, S. 374
Gustav Karpeles, Die Zionsharfe. Eine Anthologie der neuhebräischen Dichtung in deutschen Übertragungen, Leipzig 1889, S. 310ff
JE X 69, mit Todesdatum 1. Okt
ÖWS 28 (1911), S. 11f
M. Stein in Jahrbuch des traditionstreuen Rabbinerverbandes in der Slovakei 1 (1923), S. 102
Baeck, Geschichte, S. 521
M. Grünfeld, „Dr. B. Placzek“, Der Tagesbote (Brünn), Nr. 430 vom 18. Sept. 1922 und Nr. 433 vom 20. Sept. 1922
Gold (Hrsg.), Judengemeinden Mährens, 1929, S. 22: „als Redner, Dichter, Schriftsteller auf dem Gebiete der Wissenschaft sich eines verdienten, hohen Rufes erfreuend“; ebd. S. 49, 52, „P., ein Mann von Geist und Humor, ein faszinierender Kanzelredner, ein Sprach- und Sprechkünstler voll Gemütstiefe, kann den besten Rednern seiner Zeit würdig zur Seite gestellt werden“. Ebd., S. 162, über seine Berufung nach Brünn