Sohn des Gemeindelehrers Jakob S. und der Veronika-Frumtche Mehler, Tochter des Binger Rb. Gumprecht M., talmudische Ausbildung bei dessen Nachfolger Nathan Ellinger, erhielt auf Verlangen seiner Mutter Privatunterricht in den Gymnasialfächern bei einem katholischen Geistlichen in Geisenheim, dem nachmaligen Freiburger Erzbischof Roos. 2. Juli 1830 imm. Bonn, stud. das. Philosophie bis WS 1831
lebt vom Stundengeben und von kleinen Stipendien seines Onkels in Emmerich und der Binger Gemeinde. 4. Jan. 1837 prom. Gießen „cum laude“. Ordiniert von den Rabbinern in Bingen und Bonn
Schullehrer und Prediger in Bingen, 1839 Dajan das. mit Einwilligung des alten Rb. Nathan Ellinger, welcher, „obgleich der Vorzeit angehörig, von gleich edlem Geiste beseelt, dem jungen Manne, seinem vormaligen Schüler, befreundet zur Seite steht“ (IA 1839, S. 142)
1844 dessen Nachf. als Rb. in Bingen, Teilnehmer der 1.-3. Rb.- Versammlung. Steht in seiner Gemeinde im Mittelpunkt schwerer Richtungskämpfe. 1862 erleidet er in der Synagoge einen Schlaganfall und wird fortan von Moses Meier Lebrecht vertreten. Seine Frau war Friedericke Beifuss (gest. 1870).
Publikationen
Religiöse Duldsamkeit, Predigt, Bingen 1838 (abgedruckt bei Grünfeld, Bingen, S. 73-81).
Epigraphik
Grabstein Nr. 080 (Obelisk auf Sockel) in Bingen, Inschrift bei Grünfels, Bingen, S. 64, und bei Strehlen, Ein edler Stein, S. 130f
Grabstein Nr. 079 für seine Frau.
Literatur
IA 1839, S. 142, Anstellung als Prediger in Bingen
AZJ 1841, S. 601, Synagogeneinweihung in Oberingelheim
AZJ 1862, S. 644, Schlaganfall während der Predigt zum zweiten Neujahrstag
Kayserling, Jüdische Kanzelredner II 308
Grünfeld, Bingen, S. 32 Anm. (Biographie), 38
Arnsberg, Hessen, Bd. I, S. 77
Lowenstein, „The 1840s“, S. 278
Hans-Georg Meyer und Gerd Mentgen, Sie sind mitten unter uns. Zur Geschichte der Juden in Ingelheim, Ingelheim 1998, S. 406f