Geb. 25. Febr. 1866 in Ungarisch-Ittebe (Novi Itebej),
Gest. 15. Nov. 1942 im Ghetto Theresienstadt.
Sohn des Schriftstellers und Verlegers Israel Wiesen. Besuch der höheren Knabenschule in Ittebe, danach des Realgymnasiums in Osterode im Harz
seit Ostern 1882 am Israelitischen Lehrerseminar in Kassel, Abitur. Ostern 1885 bis Michaelis 1887 Lehrer und Prediger in Moringen im Solling, gleichzeitig Kantor und Gefängnisgeistlicher in Hannover
Privatunterricht zur Vorbereitung auf das Universitätsstudium. 1887 Univ. Marburg, 1888 Univ. Berlin und HWJ, 1890 Univ. Erlangen, 27. Jan. 1891 Rigorosum in Erlangen. Nach 1892 liberaler Landesrb. von Böhmen in Böhmisch- Leipa (Česká Lípa)
um 1897 Rb. in Bisenz (Bzenec), Mähren
seit 1898 (installiert jedoch erst 14. Okt. 1902) Landesrb. in Eisenach, Sachsen-Weimar
Vorgehen gegen antisemitische Akte und Inspektionstätigkeit im Schulwesen gehörten zu seinem Amt. Während des 1. WK Seelsorger in Arbeitslagern
während der Weimarer Republik bezog er zeitweilig eine Pension vom Land Thüringen und ein Grundgehalt von der Eisenacher Gemeinde, in den kleinen Thüringischen Gemeinden wirkte er unentgeltlich. 1930 Ruhestand, jedoch vertrat er weiterhin die Interessen der Juden in Thüringen. Mitglied der Thuringia-Loge Eisenach
Schwiegervater von Rb. Hugo Klein. 20. Sept. 1942 Deportation von Leipzig nach Theresienstadt.
Dissertation
Geschichte und Methodik des Schulwesens im Talmudischen Altertume, Diss. Erlangen 1892 (Straßburg).
Dokumente
UA Erlangen C4/3 b Nr. 1412
HStAWeimar Nr. 7 (Zeugnisabschriften für Landrabbiner Dr. Josef Wiesen, 1888-1903)
CJA Berlin, 1, 75 A As 2 Nr. 7, fol. 99, 101, 105.
Bildmaterialien
IFH 18.03.1926
Lowenthal (Hrsg.), Bewährung, 1965, Fotoseite 29.
Literatur
IFH 27.10.1927, zu seinem 25jährigen Amtsjubiläum in Sachsen, Weimar, Eisennach