BHR Biographisches Portal der Rabbiner

FEILCHENFELD, Wolf, Dr.

  • Geb. 28. Mai 1827 in Glogau,
  • Gest. 10. Mai 1913 in Posen
  • Sohn des Eisig F. und der Jette Bamberger, nach der Volksschule 1837 zum kath. Gymnasium in Glogau, 1844 Abitur das., 16. Okt. 1844 imm. Berlin, Mitglied des „Studienbeförderungs-Vereins“, wo er Lateinstunden gibt, 11. Sept. 1849 prom. Halle. Weitere rb. Studien bei Michael Landsberg (Berlin), Israel Lipschütz (Danzig) und Mordechai Michael Jaffe (Hamburg). 1855 Rb. in Düsseldorf
  • dort am 5. Nov. 1858 Heirat mit Ernestine Behrend, Tochter des Joseph B. aus Hannover und Enkelin des dortigen Landesrb. Behrend Josua. 1867 Gründung der später nach Köln überführten jüd. Lehrerbildungsanstalt. 1872 Rb. in Posen
  • gründet und leitet dort die Religionsschule, bildet weiterhin Religionslehrer aus. Konservativ. Mitglied des Central-Comités der Alliance Israélite. Sein Sohn Alfred F. starb 1924 als Direktor der Isr. Realschule in Fürth.

Dissertation

  • Quod Stoici „convenienter naturae vivere“ principium ponunt, variis formulis conceptum, ex universae eorum disciplinae ratione et nexu illustretur et exponatur, expositum examinetur et dijudicetur, Diss. Halle 1849 (= Berliner Preisarbeit von 1848 Über das ethische Prinzip der Stoiker). Geburtsdatum hier 10. Juni 1827.

Dokumente

  • UA Halle, Phil. Fak. I, Nr. 22, Dissertation und Vita
  • Ebd., Phil. Fak. II, Nr. 71, Promotionsakten. Nach dem Protokoll der mdl. Prüfung vom 11. Sept. 1849 übersetzte er Platon „mit einer Gewandtheit und Einsicht in die Gräcität, welche bei einem Nicht-Philologen alles Lob verdient“
  • PSA Brühl, Standesregister Krefeld, Trauungen 1858
  • AP Poznañ, Prezidium Policii, Nr. 5072, S. 330f, Todesmeldung des Vorstands und gedruckte Karte; Beileidsbrief des Posener Polizeipräsidenten zum Hinscheiden „des Seelsorgers der Gemeinde und ihres Oberhauptes, des altehrwürdigen Herrn Rabbiners“
  • CAHJP Jerusalem, P 40, Nr. 175, Biograph. Materialsammlung von Arthur Posner.

Manuskripte

  • Das Buch der Herren vom Kahal der Gemeinde zu Posen (Gott schütze sie), dt. Übersetzung des Posener „Kscherimbuches“ von 1621-1837, Ms. von 717 S. im ehem. Gesamtarchiv der deutschen Juden (Heppner und Herzberg, S. 725).

Publikationen

  • „Ein Erklärungsversuch des 68. Psalms“, MGWJ 4 (1855), S. 193-197, 224-238
  • „Ein exegetischer Versuch über die Sprüche Sal. 30 und 31,1-9“, MGWJ 7 (1858), S. 301-315, 329-345, 375-383, 467f
  • Die zwei letzten Abschnitte des Pentateuchs, übersetzt und erklärt, Düsseldorf 1866
  • „Die Psalmen 120-135 nach ihrem Inhalte und ihren historischen Beziehungen erläutert“, MGWJ 15 (1866), S. 178-189, 261-268
  • Systematisches Lehrbuch der isr. Religion für die reifere Schuljugend in Religionsschulen u. höheren Lehranstalten, Berlin 1867; Posen 21878, 31891, Fft./M. 41907
  • „Das stellvertretende Sühneleiden und die Exegese der Jesajanischen Weissagung Kap. 52,13-15 und Kap. 53“, Magazin für die Wiss. des Jud. 1883
  • „Die jüdischen Gegner der Heimkehr und des Tempelbaus unter Cyrus“, Jubelschrift für Dr. Hildesheimer, Fft./M. 1890
  • Das Hohelied, inhaltlich und sprachlich erläutert, Breslau 1893
  • „Die innere Verfassung der jüdischen Gemeinde zu Posen im 17. und 18. Jahrhundert“, Zeitschrift der Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen 11 (1896), S. 122-137
  • Das reine Weiheopfer. Fest-Predigt, gehalten bei der Einweihung der neuen Synagoge zu Linn am 17. November 1865, Fft./M. 1912.

Bildmaterialien

  • JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis); in Ost und West 1907, Sp. 487.

Literatur

  • Predigt in Glogau; AZJ 1851, S. 366
  • AZJ 1854, S. 556f, Rb. Feilchenfeld in Westpreußen, Charakterisierung
  • „Verzeichniß der [...] Synagogen-Gemeinden“, 1858, S. 79, für 650 Seelen
  • Verweigert Gebet für Wöchnerin, die ihren Sohn nicht beschneiden ließ; AZJ 1858, S. 176
  • AZJ 1859, S. 124, Bericht für die Kölnische Zeitung über die Verhaftung zweier „jüdische[r] Straßenräuber“
  • AZJ 1860, S. 493, Berufung eines Vorbeters
  • AZJ 1866, S. 682, Werbung für Lehrerseminar mit Rb. Schwarz (Köln)
  • Lippe 1879/81, S. 100
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 828
  • Gold (Hrsg.), Judengemeinden Mährens, 1929, S. 161, erwähnt seine Bewerbung in Brünn (1860), Israelit 1861, S. 232, eine weitere um das schweizerische Landesrt. in Endingen
  • Bernhard Königsberger und M. Silberberg (Hrsg.), Festschrift zum achtzigsten Geburtstage Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. W. F. in Posen, Pleszew und Œrem 1907 [Expl. GJ Köln, Bb1- Fei]
  • Juda-Löb Hirschfeld, Maœkil Šir Yediduth, zum 80. Geburtstag, Gießen 1907, 2 S. [Expl. JNUL L 858]
  • Ost und West, Juni 1913
  • Heppner und Herzberg, S. 863: „Rabb. Dr. Feilchenfeld war ein Gelehrter von eminentem Wissen und großer Kanzelberedsamkeit. Seine gewissenhafte Pflichterfüllung hatte ihm die Liebe, Achtung und Verehrung auch derer eingetragen, die nicht seiner streng religiösen Richtung angehörten“. An seiner Beisetzung nahmen teil die Rb. Blum aus Posen, Carlebach aus Köln, Meir Hildesheimer aus Berlin, Jacobsohn aus Gniezno (Gnesen), Königsberger aus Berlin, L. Lewin aus Wrzeœnia (Wreschen), Abr. Löwenthal aus Hamburg, Munk aus Berlin, Nobel aus Frankfurt/M., Rosenthal aus Breslau, Silberberg aus Œrem (Schrimm), Wreschner aus Szamotuły (Samter)
  • Gronemann, Genealogische Studien, Bd. I, S. 68
  • Stammbaum seiner Frau bei Jonas Marcus Bondi, Zur Geschichte der Familie Jomtob Bondi in Prag, Dresden und Mainz, Fft./M. 1921, S. 30
  • JL II 613
  • Wininger II 230f
  • Muczyñski, „Poznañscy rabini“, S. 60
  • Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 74
  • PK Poznañ-Pomerania, S. 13
  • Suchy, „Düsseldorfer Rabbiner“, S. 52, danach promoviert in Berlin
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 562, 603f, 621, 668, 678.